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Einige Mitglieder aus der Jury der Berlinale
Foto: Silvia Bahl

Auftakt im Zeichen der Revolutionen

Der Wettbewerb um den Goldenen Bären verbindet Glamour mit engagiertem Kino - Festival 02/12

Frostige Vorfreude herrscht am Potsdamer Platz, dessen schneebedeckte Fassaden von den besonders farbenfrohen Berlinale-Postern durchbrochen werden. Bereits die Pressekonferenz der Jury machte unmissverständlich klar, wo die thematischen Schwerpunkte des Festivals liegen werden, das sich angeblich mit der Behauptung gegenüber Cannes und Venedig schwer tue, so zumindest die Feuilletons.

Doch wenn man davon absieht, dass die star-lastigen „Oscar-Filme“ bereits gestartet sind und der Marlene-Dietrich-Platz etwas schattiger ist als die Croisette, fällt schnell ins Auge, wo die große Chance von Dieter Kosslicks kuratorischer Praxis liegt: Schon die Berufung des Bären-Gewinners im letzten Jahr Asghar Farhadi und des algerischen Schriftstellers Boualem Sansal (Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2011) in die diesjährige Berlinale-Jury ist eine klare Positionierung zum Politischen. So wurden von einigen Journalisten Fragen laut, ob ihre Mitglieder - zu denen unter anderem Charlotte Gainsbourg, François Ozon und Anton Corbijn gehören - bei ihrer Preisvergabe auch die Hintergründe der Filme berücksichtigen würden, ihre Aktualität und den Bezug zum Zeitgeschehen.

Jury-Präsident Mike Leigh, eine Größe des britischen Sozialkinos, antwortete schelmisch und doch ernst, dass dies in der Tat der Fall sein würde und er zum ersten Mal das Gefühl habe, dass das engagierte Independent-Kino und das World Cinema die Dominanz des Systems Hollywood aufbräche. Ein Blick in das Programm der verschiedenen Sektionen beweist, dass er im Recht ist: Arabische Revolutionen, die Auseinandersetzung mit den Folgen von Fukushima und das Queer-Cinema beispielsweise, sind in allen Reihen thematisch überaus stark vertreten.
Auch der Eröffnungsfilm ist durchaus doppelbödig: Diane Kruger und Léa Seydoux gewähren als Marie Antoinette und ihre Dienerin einen intimen Einblick in ein marodes Unrechtsregime, das kurz davor steht, vom Volk gestürzt zu werden. So gelingt Benoit Jacquot eine subtile Parabel, die zugleich einen vielversprechenden Auftakt darstellt. Man darf gespannt sein auf diesen Wettbewerb.

Silvia Bahl

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