Irgendwann, so prophezeien manche Kulturpessimisten, werden alle Lebensmittel aus Bielefeld kommen. Nicht nur Pudding und Backpulver, wie schon seit Jahrzehnten, sondern auch Pizza und Joghurt sowie Sekt und Bier stellt der Doktor aus Ostwestfalen bereits her. Mit eigener Reederei und eigener Bank kommt das Unternehmen auf einen Jahresumsatz von knapp 10 Milliarden Euro. Auch das Wicküler, einst weltbekanntes Pils aus Elberfeld, wird inzwischen als Billigplörre vom Götterspeisen-König gebraut. Andy Warhol formulierte einmal höchst sarkastisch: „Das Schönste in Tokio ist McDonald‘s, das Schönste in Stockholm ist McDonald‘s, das Schönste in Florenz ist McDonald‘s. Moskau und Peking haben noch nichts Schönes.“ Andy kannte Dr. Oetker nicht. Die Uniformierung von Speisen und Getränken schreitet scheinbar unaufhaltsam voran. Nun droht der Privatbrauerei in Schwelm nach Insolvenz die Schließung zum Ende des Monats. Vielleicht verlängern ein paar beherzte Schwelmer mit einer Geldspritze den Braubetrieb um noch ein paar Monate. Wenn nun aber jeder biertrinkende engels-LeserInnen auf das in der Region beheimatete Bier umsteigen würde das Unternehmen könnte auf Dauer bestehen und die Lebensmittelmultis müssten ihre Gerstengetränke anbieten wie Sauerbier.
Unser Heimatbier ist also zu retten. Ist aber die CDU noch zu retten? Seit Monaten streiten sich Wuppertals Christdemokraten im Rat und auf offener Straße, dass die Fetzen fliegen. Unser Thema im September heißt deshalb KRISE DER LOKALPOLITIK. Vielleicht sollten die Beteiligten ins VON-DER-HEYDT-MUSEUM gehen. In der aktuellen Ausstellung ICH werden ausschließlich Selbstportraits aus der eigenen Sammlung ausgestellt, die genau zeigen, in welcher Lebenskrise der jeweilige Künstler gerade verweilte. Ein anschließender Blick auf alte Wahlplakate könnte zu Selbsterkenntnis führen. Oder die geplagten und plagenden Politiker besuchen das SOMMERLOCH in den alten Elba-Hallen. Das Kulturfestival für Daheimgebliebene bietet sich an, um auf andere Gedanken zu kommen. Außerdem empfehlen wir der CDU-Fraktion und natürlich auch allen anderen LeserInnen die komische Oper DER BARBIER VON SEVILLIA im Theater Hagen. Ein Tag ohne Lächeln, das wusste schon Charlie Chaplin, ist nämlich ein verlorener Tag. Harmonie erfahren kann man auch in einem der Chöre, die von JENS BINGERT geleitet werden. Wir portraitieren den Ausnahmemusiker.
Natürlich klärt auch das Kino über Beziehungskrisen auf. Beim Ehedrama BLUE VALENTINE möchten Dean und Cindy während eines Wochenendes in einem Motel ihre fade Beziehung aufpäppeln. Ob das gelingen kann? Im Film DIE ANONYMEN ROMANTIKER hingegen klappt es mit der Liebe besser, obwohl der Ausgangspunkt nicht schwieriger sein könnte. Zwei krankhaft schüchterne Menschen vergucken sich ineinander. Und da der Streifen ein französischer ist, spielt eine Schokoladenfabrik eine nicht unwesentliche Rolle. Vielleicht sollten wir ein paar Tafeln ins Rathaus schicken – als Nervennahrung.
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