Im 18. Jahrhundert ließ Feldmarschall Grigori Potjomkin am Wegesrand Fassaden von Häusern errichten, damit die vorbeifahrende Zarin Katharina II. im Glauben blieb, ein wohlhabendes Land zu regieren. So geht die Sage. Im 21. Jahrhundert wurde eine Bushaltestelle verschönert. Zwischen Vohwinkel und Wülfrath gelegen, dort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, strahlte bislang das Wartehäuschen der Wiedener Schleife Tristesse aus. Seit wenigen Wochen allerdings wurde die frisch geweißte Mauer mit der dunkelblauen Silhouette eines märchenhaften Dschungels versehen. Dort, wo immer noch eine Sitzbank steht, schmückt die Abbildung eines bequemen roten Plüschsofas den Hintergrund. Könnte dieses Modell nicht auf die ganze Stadt übertragen werden? Mancher Plattenbau könnte doch mit dem richtigen Anstrich aussehen wie ein Häuschen im Briller Viertel. Die Mauern am Wupperufer könnten eine Promenade zum Flanieren abbilden. Und das Stadion am Zoo könnte, zumindest von außen betrachtet, aussehen wie der Fußballtempel zu Dortmund.
Schwieriger wird die Aufhübschung, wenn es um das konkrete Leben gerade der Jüngsten unserer Stadt geht. Das ENGELS-THEMA im Dezember heißt KINDERARMUT. Dass die Kluft zwischen Arm und Reich nicht noch größer wird, dazu trägt u.a. der aus Wuppertal stammende ERICH BETHE bei, dessen Geld stiften geht. engels fragt ihn nach seinen Motiven. Auslandskorrespondent Øle Schmidt berichtet in diesem Monat noch einmal aus Pakistan. Aus Brasilien nach Wuppertal kam der Tänzer und Maler MILTON CAMILO DA SILVA JR., der nun mit Freunden in der Ludwigstraße einen Raum für Kunst namens OLGA betreibt. Der aus Prag stammende MARTIN SMIDA stellt in der BACKSTUBENGALERIE märchenhafte und traumhafte Wesen von: Männchen mit Wasserhahnköpfen und kleine Krieger mit Blecheimerhelmen. Der Zauber von Pan Tau ist zu erahnen. An der WUPPERTALER OPER wird DAS KALTE HERZ nach Wilhelm Hauff inszeniert. Gemeint ist in dem für Kinder bestimmten Singspiel nicht das innere Organ von Kulturpolitikern oder Börsianern, sondern das des Köhlers Peter aus dem Schwarzwald. REVOLUTION ZUM SELBERMACHEN bietet das THEATRE DU PAIN. Das schon über ein Vierteljahrhundert tätige kabarettistische Rocktheater gastiert im CAFE ADA.
THE TOURIST läuft lang erwartet im nächsten Monat endlich an. Florian Henckel von Donnersmarck inszenierte diesen Agententhriller mit Johnny Depp und Angelina Jolie. engels lässt sich zu der Alliteration „Der Blaublüter will Blockbuster“ hinreißen. Nicht nur aus Deutschland, sondern sogar aus Wuppertal stammt bekanntermaßen TOM TYKWER, der inzwischen wieder hierzulande dreht und zur engels-Preview am 15.12. sogar nach Wuppertal ins Cinema kommt. DREI ist die Geschichte einer Dreierbeziehung, in der jeder mit jedem und jeder etwas hat. Hauptdarsteller DEVID STRIESOW erklärt im Interview, was die milchige Flüssigseife auf seiner Brust bedeutet. Fazit der gesamten Dezemberausgabe lautet, dass Wuppertal kulturell gesehen gar keinen neuen Anstrich braucht. Bunt genug ist es hier. Man muss nur die Augen aufmachen.
Somalia ist überall
Intro zum Monat Mai – 05/12
Who is Alice?
Intro zum Monat April 04/12
Buggys in der Schwebebahn
Intro zum Monat März 03/12
Rote Punkte
Intro zum Monat Februar 02/12
Tötet Kitty!
Intro zum Monat Januar 01/12
Wo ist die Wupper?
Intro zum Monat Dezember – 12/11
Schilderwald
Intro zum Monat November – 11/11
Gibt es konservative Komik?
Intro zum Monat Oktober 10/11
Flüsterasphalt
Intro zum Monat September 09/11
Bier statt Wackelpudding
Intro für den Monat August 08/11
Der wandernde Kontrabass
Intro zum Monat Juli - 07/11
Nicht Botox und nicht Laser
Intro zum Magazin 06/11
Ein Denkmal für uns
Intro zum Magazin 05/11
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin!
Intro zum Magazin 04/11
Der diabolische Doppeltunnel
Intro zum Magazin 03/11
Anti-Anti-Anti
Intro zum Magazin 02/11
Die Ursuppe auslöffeln
Intro zum Magazin 01/11
engels hat es gewusst
Intro zum Magazin 11/10