Das Jammern ist weg, es herrscht fast Euphorie. Vergessen sind die 50 Mio. Kinobesucher, die zwischen 2001 und 2007 verloren wurden. Der beste Kinoumsatz seit 60 Jahren, freut sich der Geschäftsführer des Verleiherverbands Johannes Klingsporn. Und auch die Kinobetreiber nehmen das Besucherwachstum von über 16% und ein Umsatzwachstum um mehr als 25% mit einem Lächeln zur Kenntnis. Dieses Ergebnis wird natürlich besonders bedeutsam, weil in vielen anderen Wirtschaftsfeldern Nullrunden bereits als Erfolg gelten konnten.
|
Rang |
Film 2009 |
Besuch |
Film 2008 |
Besuch |
|
1 |
Ice Age 3 |
8.705.746 |
Keinohrhasen |
4.878.676 |
|
2 |
Harry Potter |
6.127.749 |
Madagascar 2 |
4.774.478 |
|
3 |
Wickie |
4.894.527 |
James Bond |
4.655.312 |
|
4 |
Illuminati |
4.581.426 |
Mamma Mia |
4.195.964 |
|
5 |
Avatar |
3.934.494 |
Hancock |
3.846.331 |
|
6 |
Zweiohrküken |
3.532.732 |
Unsere Erde |
3.765.230 |
|
7 |
New Moon |
3.347.835 |
Wall-E |
3.168.267 |
|
8 |
2012 |
3.244.073 |
Kung Fu Panda |
3.152.561 |
|
9 |
Oben |
2.948.425 |
Indiana Jones |
2.847.930 |
|
10 |
Twilight |
2.779.042 |
Batman: Dark Knight |
2.808.380 |
|
Gesamt |
|
44.096.049 |
|
38.093.129 |
|
Anzahl Besuchermillionäre |
45 |
|
31 |
|
Erfolgsfaktoren
Zunächst lässt sich eine gewisse Neigung des jungen Publikums feststellen, das das Schauen von Filmen auf Telefonbildschirmen leid ist und wieder (manchmal auch erstmalig) große brillante Bilder schauen will. Dass in 2009 eine Reihe genau solcher Magneten da war, begünstigte diesen Effekt. Die Anzahl der Filme mit 3 Mio. Besuchern war zwar in beiden letzten Jahren gleich, aber der beste in Film in 2008 hatte weniger Besucher als der drittbeste in 2009. Insgesamt erreichten allein die Top Drei über 5 Mio. Besucher mehr als in 2008. Und bei Filmen mit mehr als 1 Mio. Besucher liegt 2009 mit 14 (insg. 45) Produktionen vorn. Und ein besonderer Effekt kam eben in den nachfolgenden Platzierungen zustande. Filme wie „Der Vorleser“, „Slumdog Millionär“, „Inglourious Basterds“, „Die Päpstin“ oder „Operation Walküre“ und „Benjamin Button“ haben wieder Zielgruppen ins Kino geführt, die lange abstinent waren. Das Jahr 2009 ist also dadurch gekennzeichnet, dass die Anzahl der Kinogeher gestiegen ist – die Medienbranche spricht von Reichweite – und gleichzeitig die Frequenz der Kinonutzer erhöht wurde. Neben vielfältigen Filmangeboten war ein wesentlicher Faktor die Einführung von 3D. Drei der Top Ten waren 3D-Filme, und diese neue Technologie hat die Menschen neugierig gemacht. „Ice Age“ und „Avatar“, aber auch „Oben“ und „Final Destination 4“ haben ihren enormen Erfolg der dritten Dimension zu verdanken. Der überproportionale Umsatzzuwachs ist somit der neuen, sehr teuren Technologie geschuldet, kostet doch die Ausrüstung jeder Leinwand rund 120.000 €, und das Brillenhandling kommt noch hinzu.
Zu einem besonders guten Jahr gehört natürlich auch der deutsche Marktanteil, der mit 10 Mio. mehr verkauften Tickets (39,6 Mio in 2009 vs.29 in 2008) bei 27% liegt. Es gab Jahre, in denen deutsche Produktionen unter 10% lagen. Mit fast 30% schließt man an die Spitzengruppe heimische Marktanteile in Europa auf, die Frankreich naturgemäß mit Werten von über 40% überstrahlt. Dass beim deutschen Film auch Produktionen wie „Der Vorleser“ oder „Inglourious Basterds“ mitgezählt werden, mag aus Rezipientensicht manchmal eigentümlich anmuten, aus filmwirtschaftlicher Perspektive ist dies ebenso plausibel wie wünschenswert.
Bei den Verleihunternehmen dominierte Warner Bros. vor Fox und Sony. Überraschend war der deutsche Verleih Constantin, der sonst immer hinter den amerikanischen Major Companies liegt. Das von Bernd Eichinger geprägte Unternehmen teilt nun die US-Phalanx und lässt Disney, Paramount und UPI hinter sich. Diese sieben Verleihunternehmen vereinen rund 90% aller Kinobesucher.
Der Erfolg in einem Jahr wird häufig zur Bedrohung des folgenden. Ist der Erfolg zu überbieten oder erwarten wir erneut einen rückläufigen Markt? Fragen, die die Filme „James Bond“, „Eclipse“, „Harry Potter“, „Shrek 4“ und viele andere beantworten werden. Man darf in jedem Fall gespannt sein, vor allem im Kino.
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