Der Abend in Wuppertal-Elberfeld war ein Erlebnis. Zum zweiten Mal fand jetzt, koordiniert vom Kulturbüro, die Performance-Nacht statt: passend zum Datum 7. Oktober an sieben Orten, die weite Teile von Elberfeld umfassten. Damit waren nicht nur künstlerische Beiträge auf hohem Niveau zu sehen und zu hören, sondern vorgestellt wurden auch sieben Spielstätten. Und was bei Tageslicht im Sparkassenforum am Islandufer begann, endete nach Mitternacht in der Galerie von Jürgen Grölle auf der Friedrich-Ebert-Straße bei durchweg gutem Besuch. Der gelegentlich einsetzende Regen störte kaum; im Übrigen stand ein Shuttle-Service zur Verfügung.
Sieben Performances, die man teils auch als Vorträge oder Konzerte bezeichnen könnte und die bis zu einer halben Stunde dauerten, sind relativ viel, aber daraus lässt sich kaum ein Resümee zum Zustand der Performance überhaupt ableiten. War diese seit den 1960er Jahren, motiviert durch die Fluxus-Bewegung und eine Politisierung der Kunstausübung, und bis in die 1980er Jahre eine feste Größe im Kunstgeschehen, so wird sie seit einiger Zeit lediglich von einzelnen Akteuren auf internationalem Parkett im Bewusstsein gehalten; verkäuflich ist daran eben wenig, auch sind die Grenzen zu verwandten Gattungen fließend geworden … Also, es ist verdienstvoll, dass nun unterschiedliche Bereiche der Aktionskunst abgedeckt wurden. Der Auftritt des Elektromusikers Moogulator mit der Sängerin und Saxofonistin Eela Soley, der an Ambient Music denken ließ, sowie das abschließende Konzert des Malers und Grafikers Jürgen Palmtag mit Emmerich György inmitten seiner Ausstellung bei grölle pass:projects, das noch von den atemberaubenden Diaprojektionen von Jörg Kallinich „untermalt“ wurde, wären ganz dem musikalischen Bereich zuzuordnen. Konzertant war außerdem der Auftritt der Sopranistin Susanne Hille mit dem Klangkünstler Peter Hölscher. Aber bei der Aufführung im Studio Barczat wirkte wesentlich das Aktionsmoment hinein, indem die Bühne über den Köpfen des Publikums gezogen wurde. Dabei hätte der großartige Gesang derartige Theatralik nicht nötig gehabt. Wieder anders die Klangstraße von Georg Zangl im Sparkassenforum, mit der der Abend eröffnet wurde: Sie bezog unmittelbar das Publikum ein. Dieses sorgte, gelegentlich dirigiert von Zangl, für den Sound.
Aber inspirierender für das eigene Zutun war die so simple wie komplexe Inszenierung der „Höhlenforscher“ in der Hebebühne. Sie stellte auch den konkretesten Bezug zu unserer Lebenswelt dar; man musste sich nur auf das räumliche Bild zweier mehr oder weniger schlafender oder wie paralysierter Kerle auf einem Sofa vor dem flimmernden Fernsehschirm einlassen, also im Raum herum gehen, um die kleinen Details wahrzunehmen. Schon zuvor hatte die Sprachperformance von Martin G. Schmidt eine Kerbe in unsere Gesellschaft geschlagen. Im Vortrag im Neuen Wuppertaler Kunstverein beeindruckte die messerscharfe Präzision, mit der die Worte und Wortcollagen dem Publikum entgegen geschleudert wurden. Ähnlich rigoros und nun mit einem Hauch exhibitionistischer Brutalität war in Peter Kowalds „Ort“ der Auftritt von Christian Falsnaes, der als Animateur und Missionar in Sachen Kunst agierte: Mit ihm war ein Hardcore-Performer vertreten, dem es, noch im irritierenden Umgang mit filmischen Projektionen früherer Aktionen und mit Musik, ganz um die Sache der Kunst ging – oder etwa nicht? Wahrscheinlich war das der Höhepunkt dieses Abends. Dessen Neuauflage im nächsten Jahr ist wünschenswert.
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