Für Erwachsene hatten Micky Maus-Hefte schon immer ihren besonderen Charme. Man konnte sie den Sprösslingen kaufen und dann selbst lesen. Die internationale Comic-Kultur steckte in Deutschland (eigentlich bis heute) lange noch in den Kinderschuhen. Erst Mitte der 1970er Jahre schien man eine eigene Form gefunden zu haben, Heidi und Peter in den Bergen, der Großvater und die Ziegen, unvorstellbar, dass auch diese TV-Serie aus Japan kam und eigentlich „Alps No Shoujo Haiji“ heißt. In der Bundeskunsthalle in Bonn hat man sich dem Thema passend zum Japan-Jahr ausführlich angenommen und zeigt dort die Ausstellung „Anime! High Art – Pop Culture“, die insbesondere der besonderen Form des asiatischen Trickfilms nachspürt, die dort längst den Alltag erobert und die künstlerische Avantgarde beeinflusst.
Eine gigantische dreidimensionale Totoro-Figur aus dem Film „Mein Nachbar Totoro“ (Studio Gibli, 1988) von Hayao Miyazaki steht am Eingang mit Regenschirm Wache, dann geht es hinein in das gezeichnete Reich der Fantasie. Die Schau ist eine gelungene Hommage an „Astro Boy“, der bereits 1952 entstand, an „Dragonball“ von 1984, aber auch an die neuen Anime-Kracher wie die DVD-Verfilmungen von „Neon Genesis Evangelion“ oder „Ghost in the Shell“. Das Anime-Genre teilt sich drei Altersgruppen, kleine Kinder und Jugendliche und Erwachsene, die Grenzen sind dabei fließend, doch auch die Geschlechter teilen eigene Systeme: Die „Shojo Anime", richten sich speziell an junge Mädchen, hier glänzen Heldinnen in glitzernden Kostümen, kämpfen nette Burschen gegen fiese Gnome der magischen Welten. „Shonen Anime“ soll dagegen mehr was für Jungs sein: Hier geht es um Sport oder um Monster, die mit diversen Waffenarsenalen bekämpft werden. Die „Seinen Animes“ für die Älteren gehen einen Schritt weiter und verlieren sich in Science Fiction, mit und ohne Horror-Implementierungen. Alles ist in Bonn dokumentiert und mit Beispielen belegt. Nur für die erotischen Filme baute man einem separaten „Pink Room“, der seine Schätze erst hinter aufzuklappenden plüschigen Laden preisgibt. Das bleibt allerdings eine recht harmlose Sache, angesichts der Anime-Hardcore-Streifen, die inzwischen auch die Pornoindustrie erreicht haben. Viel interessanter sind da die zwei Kinosäle, in denen die wichtigsten Filme gezeigt werden, und die enorme Anzahl an Sammel-Figuren, die in Vitrinen gesichert werden müssen, weil sie teilweise enorm begehrt und wertvoll sind. Hier wurde von einem Sammler extra für die Ausstellung noch einmal kräftig nachgekauft.
Die bunte Welt ist also ein Magnet für ganze Familien, die sich darin verlieren können; Insider sehen lange nicht mehr Entdecktes oder inhaltliche Zusammenhänge, die nur in der Fülle zu erkennen sind. Auch die Cosplayer, das sind Menschen, die kostümiert in die Rollen ihrer Helden schlüpfen, wurden nicht vergessen. Am Schluss lässt selbst Godzilla grüßen: Es scheint so, als hätten die Geschichten der Animes selbst Katastrophen wie Tsunamis oder Atomkraftunfälle vorweggenommen.
„Anime! High Art – Pop Culture” I bis 8. Januar 2012 I Bundeskunsthalle Bonn I 0228 917 10
Verwandlungen der Realität
Ausstellungen im Bahnhof Rolandseck und in Brühl - Kunst in NRW 05/12
In die Geschichte gegossen
Neue Ausstellung zum „Mythos Krupp“ im Ruhr Museum – Kunst in NRW 04/12
Zweifel am Konsum
Ausstellungen in Leverkusen und Düsseldorf-Eller - Kunst in NRW 04/12
Ein Teil vom Ganzen
Das Museum Folkwang präsentiert seine fotografische Sammlung – Ruhrkunst 03/12
Sammler daheim
Ausstellungen in Köln und Neuss - Kunst in NRW 03/12
The Show must go on
„Berlinale Backstage“ – Fotografien von Amélie Losier - Ruhrkunst 02/12
Die suggestive Kraft des Nichts
Der Maler Gideon Rubin, ein Shooting Star von Morgen - Kunst in NRW 02/12
Subjektiv und objektivierend
Ausstellungen in Essen und Leverkusen – Kunst in NRW 02/12
Figuren und Kühlschränke
Ausstellungen in Köln und Bonn – Kunst in NRW 01/12
Idylle am Rhein
Ausstellungen in Düsseldorf und Rolandseck – Kunst in NRW 12/11
Zwei Magier am Niederrhein
Kounellis im Kurhaus Kleve und Beuys im Schloss Moyland – Kunst in NRW 11/11
Planet Picasso
Ausstellungen in Köln, Bielefeld und Münster - Kunst in NRW 10/11
Ein Schlag ins Gesicht
„Japan 4“ zeigt Nippons große Fotografen - Kunst in NRW 09/11
Die Spice Girls aus Fernost
Das Japan Media Arts Festival eröffnet am 9. September mit Live-Performances - Kunst in NRW 09/11
Akkurat gegenstandsfrei
Ausstellungen in Düsseldorf und Bottrop - Kunst in NRW 09/11
Ein wirklicher Maler
Das Kunstmuseum Bochum erinnert an den kürzlich verstorbenen Norbert Tadeusz – Kunst in NRW 08/11
Geparden und Kakerlaken
Das Ehepaar Koch erhält den Dr.-Erich-Salomon-Preis – Kunst in NRW 08/11
Der Maler als eigener Herr
Das Von der Heydt-Museum zeigt Selbstporträts aus seiner Sammlung - Kunstwandel 08/11
Das Konzept des Bildes
„Through the Looking Brain“ im Bonner Kunstmuseum - Kunstwandel 08/11
Hinter den Kulissen
Roxanne Lowits legendäre Fotografien – Kunst in NRW 08/11
Skulptur der Gegenwart
Ausstellungen in Leverkusen, Remagen und Herford - Kunst in NRW 08/11
Die Tränen des Wals
Fotos von Japans Shooting Star Lieko Shiga in Köln - Kunst in NRW 07/11
Landschaft in der Kunst
Ausstellungen in Remagen und Köln - Kunst in NRW 07/11
Die Erde im Blick
Das Marta Herford widmet sich dem Architekten, Ökologen, Theoretiker R. Buckminster Fuller: Sie stellt sein Gesamtwerk vor und untersucht zugleich seine Vorreiterrolle für eine jüngere Generation - Kunst in NRW 06/11
Die Wirklichkeit in gewissen Zeiten
Zwei Ausstellungen in Aachen - Kunst in NRW 06/11
Licht, Bewegung, Struktur
Drei Ausstellungen zu Heinz Mack - Kunst in NRW 05/11
Wie lang können 15 Minuten werden?
Zwischen Leinwand und Flachbildschirm. Die 13. Bonner Videonale zeigt Filme von 48 Künstlern, zum Teil im Kinoformat - Kunst in NRW 05/11