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Experimentierbox und Versuchslaboratorium

Jugendarbeit und experimentelles Theater im Container - Bühne 06/10

Er misst etwa 40 Quadratmeter, hat eine variable Bühnengröße, bietet etwa 30 Sitzplätze, verfügt über eine Licht- und Tonanlage nebst Beamer und ist die kleinste Spielstätte der an Spielorten nicht armen Wuppertaler Bühnen: der Container. In dem kultig gestalteten Minibau an der Kurt-Drees- Straße hat der Jugendclub seine erste Spielstätte. Vor allem gibt es regelmäßig Events wie den Poetry Slam, Karaoke, Lesungen und Einführungen in Inszenierungen des Spielplans der besonderen Art. Maßgeblich verantwortlich für diesen außergewöhnlichen Ort sind die beiden Theaterpädagogen Miriam Rösch und Markus Höller. Als der Container im September 2007 an die Wupper kam, handelte es sich um ein cremeweißes Etwas, das der damalige Generalintendant Gerd Leo Kuck aus Hildesheim als sogenannten Wunschpavillon mitgebracht hatte. Jenseits der damals noch ungelösten Frage nach dem händeringend gesuchten Kleinen Schauspielshaus, das erst unter Intendant Christian von Treskow im Foyer des Schauspielshauses an der Bundesallee gefunden wurde, hatte auch die Theaterpädagogik der Wuppertaler Bühnen schon lange darum gekämpft, für ihre Arbeit eine eigene, wenigstens kleine Bühne zu bekommen. Der Wunsch wurde mit dem ästhetischen Bauwagen erfüllt. Und der als erstes von seinem klinischen Image befreit und komplett umgestaltet. „Wir haben der Geschäftsführung einige neu gestaltete Modelle als Schuhkartons vorgestellt und alle waren begeistert“, erinnert sich Markus Höller. Der Wuppertaler Künstler Markus Heuwold, als Graffiti-Artist unter dem Namen Megx berühmt, übernahm dann mit zwei Kollegen die Verwandlung. „Lustige Anekdote am Rande: Markus und seine Kumpels waren keine fünf Minuten an der Arbeit, da kam schon die Polizei“, erzählt Markus Höller. Von braven Bürgern alarmiert glaubten diese, Wildsprayer auf frischer Tat ertappt zu haben.

EINE CHANCE FÜR DIE JUGEND

Eröffnet wurde das seither in der Signalfarbe Rot kunstvoll gestaltete Wohnzimmertheater von einer Mädchen-Shanty-Formation namens Yoko Hames. „Die sangen Punk-Songs wie Shantys“, erinnert sich Markus Höller. Mit dieser Formation war die Marschrichtung festgelegt: „Jeder, der will, kann“, formuliert es Miriam Rösch. Will heißen: Jenseits des Mainstreams und stadttheaterlichen Bildungsbürgertums soll der Container „ein Experimentierfeld für Neues sein“ und Menschen die Gelegenheit geben sich zu präsentieren. Maßgeblich liegt der Fokus hierbei auf der Jugendarbeit, wie gesagt, bei Rösch und Höller handelt es sich um die Theaterpädagogen des Hauses, die ein klar definiertes Aufgabenfeld haben. Wenn Markus Höller inszeniert, legt er beim Ergebnis nicht allein Wert darauf, dass Texte fehlerfrei gespielt werden und eine Aufführung als perfekte Performance den Zuschauer berührt. Unter seiner Regie werden Rollen unter besonderen Aspekten erarbeitet. Zuletzt war das bei der Arbeit „Per Anhalter durch die Galaxis“ zu sehen, aufgeführt vom Jugendclub. Nach dem Prinzip „fördern und fordern“ geht es zu. Der kleine ebenso wie der große Jugendclub geben regelmäßig Impro-Abende, „was die da auf der Bühne leisten, lässt sich mit keiner Probe vergleichen“, wissen die Theaterpädagogen hinsichtlich des Lernpensums, souverän und zielgenau beispielsweise vor fremden Leuten sprechen und performen zu können. TALENTSCHUPPEN UND SPRUNGBRETT Ein bisschen hat sich der Container bereits als Talentschmiede erweisen. Die RaumZeitPiraten Tobias Damgen und Moritz Ellerich präsentierten hier beispielsweise ihre erste Installation. Dann arbeitete Markus Höller bei „SunDogs“, einer Adaption von Schuberts „Winterreise“, mit den beiden Wuppertalern zusammen – und anschließend hatten sie im Von der Heydt-Museum die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen. Zuletzt übrigens hat das Duo bei „Per Anhalter durch die Galaxis“ für gewaltige Bildwelten und visuelle Effekte gesorgt. Aber eigentlich geht es nicht darum, Stars von morgen zu rekrutieren. Bei allem Tun steht die Freude am Experiment im Vordergrund, das sie erproben wollen, und die Lust am Neuen. Regelmäßig geschieht so etwas in Formaten wie dem Dichterstreit namens Poetry Slam, bei dem Selbstverfasstes vorgetragen wird und das Publikum mittels der Intensität des Applauses über Sieger und bloß Erfahrungssammler entscheidet. „Das ist der optimale Platz, um sich zu präsentieren, und der richtige Ort für Leute, die Traute haben, etwas von sich zu zeigen“, fassen es beide salopp zusammen. Anders als bei marktschreierischen Fernsehformaten gibt es keine Jury, die gezielt Fehler herauspickt, um die Kandidaten niederzumachen oder zum Seelenstriptease zu animieren. „Was im Container passiert, passiert immer in einem wohlwollenden Rahmen. Hier wird keiner vorgeführt.“ Wer also etwas hat, was er aufführen möchte, knüpft an den Spielabenden kurz und unkompliziert – gerne am Tresen – Kontakt. „Der Rest ergibt sich dann im Gespräch.“ Bands wie Sound f a Sunbeam waren so bereits am Start, und auch Leute aus dem Publikum fühlten sich plötzlich animiert, einen Leseabend selbst zu gestalten. „Jeder, der will, kann“, wiederholt Markus Höller Miriam Rösch – und freut sich ebenso wie seine Kollegin auf spannende Einlassungen und abenteuerliche Kunstbegegnungen.

Container
Kurt-Drees-Str. 4
am Opernhaus Barmen
www.wuppertaler-buehnen.de

Valeska von Dolega

Bühne.

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Unsichtbare Wurst zum Tod
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