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„Macbeth“
Foto: Uwe Stratmann

Fiese Marionetten der Macht

„Macbeth“ am Wuppertaler Schauspielhaus - Theater an der Wupper 11/10

Die Welt von Heerführer Macbeth ist allzeit geschützt durch einen Körperscanner. Obwohl das Piepen niemanden zu interessieren scheint. Egal wer die zentral auf der Bühne stehende rollende Tür durchschreitet – es piept. Unbewaffnet ist also niemand in der interessanten „Macbeth“-Version von Claudia Bauer am Wuppertaler Schauspielhaus. Es geht um den „großen Mord“, um Karriere als universelle Lebensform, auch wenn der zu Beglückende gar nicht will, oder zumindest nicht danach drängt. Doch die schicke Lady Macbeth (Sophie Basse) weiß, was sie will. Schon beim Entree, bei dem das ungleiche Paar die Zuschauer per Handschlag begrüßt, moderiert sie offen ihre neureichen Ziele ins Mikro. Das wird schneller gehen, als sie denkt, im Hintergrund lauern schon die Hexen im Nebel. Daniel Breitfelder, Sebastian Stert und Marco Wohlwend spielen sie als Ausgeburten eines Horrorfilms, mit langen Perücken, in zerrissenen Strumpfhosen und in einem Interieur aus Müllresten, Puppengliedern und Dreck. Dazu spielen die drei alle anderen Rollen, und allein die Kostümwechsel sind eine lustvolle Angelegenheit. Claudia Bauer hinterfragt in ihrer Inszenierung auch die Wirkung von Fremdsteuerung hoher Persönlichkeiten, die, ohne dass sie wollen, nach kurzer Zeit in einen unaufhaltbaren Strudel von Macht und Gier nach Geltung gezogen werden. Macbeth wird dabei eigentlich nur zur Projektionsfläche der Träume seiner Gattin, und „Sitting on the top of the world“, der alte Bob Wills-Countryschinken, wird zum Running-Song quer durch den Klassiker, in dem natürlich blutig gemordet, elysisch gehaucht und eklig mit Erde rumgeschmiert wird.
Doch zu viel Trash führt irgendwann zu überreizter Aufmerksamkeit, selbst wenn die Transformation vom treuen Heerführer zum recht dilettantischen Königsmörder nur über typische Partnerschaftsstreitereien gelingen will, die heute gern vor den Flachbildschirmen der Nation konsumiert werden. Als Gegenentwurf hängt ein oller Ölschinken auf der Bühne, der die Landschaft außerhalb des Hexenkessels zeigt, mit dem Wald, der eben immer wieder seit Shakespeares Uraufführung zu Macbeths Untergang führt. Und den hat Claudia Bauer mit sehenswerter Choreographie und Personenführung im Griff. Jetzt muss das Töten in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Zuerst König Duncan, dann dessen Diener. Dann der alte Kumpel Banquo, die Familie von Kampfgefährte McDuff und so fort. Hat Macbeth den ersten Mord noch widerwillig selbst erledigt, heuert er bei Claudia Bauer den einfältigen Killer (Marco Wohlwend) an, dessen Spielweise stark den Klamauk streift, auf der Bühne hat sich der Unrat längst von links nach rechts ins schicke Wohninterieur verbreitert, die aufgeteilten Welten schmieren zusammen. Holger Kraft schmiert seinen Macbeth ins Finale. Sein Königreich fällt, seine Ehe ist nur noch ein Scherbenhaufen, die Lady legt sich im Morgenmantel zum erschöpften Sterben. Dann wandern die Bäume, die Prophezeiungen erfüllen sich. Die Hexen spielen ein wenig mit den leblosen Körpern und verbeugen sich für ihr Arrangement.

Macbeth I So 12.12., 18 Uhr
Kleines Schauspielhaus Wuppertal I 0202 569 44 44

Peter Ortmann

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