Geboren wurde Stipe Erceg 1974 zwar noch in Split im ehemaligen Jugoslawien, doch seit seinem vierten Lebensjahr wuchs er in Deutschland auf. In Berlin machte er eine Schauspielausbildung am Europäischen Theaterinstitut, um bereits kurz danach erste Filmrollen zu übernehmen. Seinen Durchbruch hatte er 2004 mit Hans Weingartners „Die fetten Jahre sind vorbei“. Es folgten zahlreiche wichtige Rollen in Filmen wie „Nichts als Gespenster“, „Phantomschmerz“ oder „Der Baader Meinhof Komplex“, in dem er den Terroristen Holger Meins verkörperte. Aktuell ist er in einer kleinen Rolle in „Belgrad Radio Taxi“ zu sehen, einem serbischen Film, der ihn ein Stückweit zu seinen Wurzeln zurückführt.
engels: Herr Erceg, nach „Unknown Identity“ spielen Sie nun auch in „Belgrad Radio Taxi“ nur eine sehr kleine Rolle. Was macht für Sie den Reiz solcher Kurzauftritte aus?
Stipe Erceg: „Unknown Identity“ war eben eine internationale Produktion, und einen stummen Killer an der Seite solch großer Stars wie Liam Neeson zu spielen, hat mir schon Spaß gemacht. Da bin ich mir auch nicht zu schade, denn das ist vielleicht eine Erfahrung, die man kein zweites Mal macht. Von „Belgrad Radio Taxi“ kannte ich den Regisseur Srdjan Koljevic und seine Frau, die Mitautorin ist, und die haben diese Rolle für mich reingeschrieben. Ich habe die beiden auf einem Festival kennen gelernt, auf dem sie mich überzeugten, dass ich nach Belgrad kommen und diese Rolle in ihrem Film übernehmen soll. Das war also eher eine Entscheidung aus der Freundschaft heraus.
In beiden Filmen sind Sie nach dem Typecast des bedrohlichen Schlägers oder Killers besetzt. Ist das für Sie eher Fluch oder Segen, versuchen Sie aus diesem Klischee auszubrechen?
Es macht mir Spaß, solche Rollen zu spielen. Ich bin jetzt auch schon 36 Jahre und habe keine Illusion darüber, dass ich als der nette Schwiegersohn von nebenan besetzt werde. Das sollen andere machen, das können die auch besser. Man wird eben im Laufe der Zeit auf bestimmte Rollen festgelegt und trotzdem ist jede Rolle anders, selbst die Rollen in „Unknown Identity“ und „Belgrad Radio Taxi“ unterscheiden sich ja.
Sie stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Wie bekannt sind Sie denn auf dem Balkan als Schauspieler?
„Belgrad Radio Taxi“ ist eine serbische Produktion gewesen, ich glaube aber, in Serbien kennt mich kein Schwein. In Kroatien schon eher, dort wohl hauptsächlich durch die Yellow Press. Denn so viele Kroaten, die im Ausland leben und einigermaßen erfolgreich sind, gibt es eben nicht.
Wie ist denn Ihr Verhältnis zur alten Heimat? Sind Sie dort noch häufig oder haben Sie dort noch Familie?
Ja, meine Eltern leben dort und ich fahre mindestens einmal im Jahr, meistens im Sommer, nach Kroatien. Und ich fühle mich meiner Heimat verbunden, das war schon immer so. Manchmal ärgere ich mich, wenn ich im Sommer schon wieder dort hinfahre, aber mindestens zwei Wochen möchte ich dann schon jedes Jahr in die alte Heimat. Das ist Urlaub für mich, zwar nicht so, wie wenn ich beispielsweise nach Spanien fahren würde, weil ich dort eben Familie habe und die sich ärgern würden, wenn ich sie nicht besuche. Ich habe da schon ein kleines Pflichtprogramm, aber entspannend ist das trotzdem.
Synchronisieren Sie Ihre im Ausland gedrehten Rollen für die deutsche Fassung selbst?
Ja, klar, für die deutsche Fassung synchronisiere ich mich selbst. Ich glaube eigentlich, dass jeder darum bemüht ist, sich selbst in der Sprache zu synchronisieren, die er beherrscht. Ich kenne das gar nicht anders, das wird auch meistens von den Schauspielern verlangt. Einmal hätte ich es ablehnen können, da habe ich in Schweden einen Film auf Englisch gedreht („GSI – Spezialeinheit Göteborg: Riskantes Spiel“, die Red.). In Schweden lief das im Original, weil da sowieso alles im Original läuft, und ich habe mich so geärgert, dass ich das dann alles ins Deutsche übersetzen musste. Da hab ich mir gedacht, holt Euch doch einen anderen (lacht). Es war nicht lästig, aber ich dachte mir, ein Synchronsprecher kann das besser. Das ist ja auch ein Beruf.
Es ist wahrscheinlich ein anderes Arbeiten: Vor der Kamera kann man seine Gefühle einfacher raus lassen, als diese dann in einer sterilen Studioatmosphäre nachstellen zu müssen.
Das ist natürlich eine besondere Technik. Wenn man seine Rolle in einer internationalen Produktion nachsynchronisiert und dann gemeinsam mit Profi-Synchronsprechern im Studio ist, die die internationalen Schauspieler synchronisieren, dann fällt man dabei qualitativ schon ab. Das mag vielleicht ein Klischee sein, aber ich finde, Synchronsprecher klingen irgendwie anders, die haben einen Duktus, eine Melodie und eine Farbe in der Sprache, die sehr charakteristisch ist. Das unterscheidet sich natürlich von einem Schauspieler, der sich selbst nachspricht. Das ist manchmal etwas schwierig, sich dabei aneinander anzugleichen.
Sie scheinen in Ihrer Rollenwahl nicht auf Publikumswirksamkeit zu schielen, sondern eher Ihren eigenen Weg zu gehen. Lehnen Sie viele kommerziellere Rollen ab?
Ich weiß nicht, es gibt schon einige Dinge, die ich ablehne. Es ist aber nicht so, dass ich jährlich hunderte Drehbücher zugeschickt bekommen würde. Es hängt immer davon ab, ob man es sich leisten kann, etwas abzulehnen, ob man Lust hat, an etwas zu arbeiten oder nicht. Ich bekomme eben auch häufiger nicht-kommerzielle Sachen angeboten. Aber diese Frage stelle ich mir irgendwie schon lange nicht mehr.
Aber es war schon Ihre bewusste Rollenauswahl, die dazu geführt hat, dass Sie eher diese nicht-kommerziellen Stoffe angeboten bekommen…
Ich weiß nicht, ob das an mir liegt, aber es ist im Leben immer so, dass das, was man ausstrahlt, auch anzieht. Und umgekehrt auch, so kenne ich das. Vielleicht könnte man solchen Dingen auch hinterher rennen, das tue ich aber nicht. Ich bin einverstanden mit meinem Leben, so wie es ist.

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