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Foto: Presse

Freundschaft trotz Kollateralschadens

Lars Emrich inszeniert am Kinder- und Jugendtheater „Geheime Freunde“ von Rudolf Herfurtner - Bühne 07/11

„Jedes Jugendstück ist eine Herausforderung“, sagt Lars Emrich. Er muss es wissen, „Geheime Freunde“ ist seine zwölfte Inszenierung am Haus, davor hat der Regisseur und künstlerische Leiter des Wuppertaler Kinder- und Jugendtheaters unter anderem die „Tinten“-Trilogie Cornelia Funkes, „Peter Pan“ oder beispielsweise „Crazy“ auf die Bühne gebracht. Wichtig ist für ihn grundsätzlich ein Stoff, der für die Jugendlichen relevant ist. „Mit ‚Chatroom’ beispielsweise ist uns das bestens gelungen, die Leute zu erreichen. Da wurde nach den Vorstellungen engagiert debattiert.“ Ähnliches soll nun „Geheime Freunde“ bewirken, ein Stück über traumatische Erinnerungen und die heilsame Kraft einer innigen Freundschaft.

Geschichte kann niemals abgeschlossen sein, deshalb gilt „Der gelbe Vogel“, das mit wichtigen Preisen wie dem Deutschen Jugendliteraturpreis prämierte Buch, dem das Theaterstück zugrunde liegt, als schulrelevanter Stoff. Unterdrückung und psychische Auswirkungen von Krieg werden darin thematisiert, nicht zeitlos, sondern am Beispiel des Nationalsozialismus. Der Furor, mit dem das gezeigt wird, was schmerzt, die nicht enden wollende Beschäftigung mit Schuld und Krieg, machen den „Gelben Vogel“ so manisch wie monolithisch – und lesenwert. „Wir wollen eine Fläche bieten, um Interesse zu wecken“, beschreibt Lars Emrich das nach seiner Meinung „sehr bewegende Buch“ und seine zentralen Themen um Freundschaft und Empathie.

Die Kunst zu leben

1944. Die 8-jährige Naomi flieht mit ihrer Mutter aus dem von den Deutschen besetzten Frankreich nach New York. Zuvor hat sie miterlebt, wie ihr Vater von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Seit diesem Erlebnis spricht sie nicht mehr. Mit ihrer Puppe sitzt sie apathisch in ihrem Zimmer. Ausgerechnet Nachbarsjunge Alan soll sich um sie kümmern. Zunächst widerwillig, dann zunehmend einfühlsam, findet er einen Weg zur „irren Ida“. Sie werden „geheime Freunde”. Doch nicht nur Alans bester Kumpel Shaun ist davon abgenervt, sondern auch Joe Condello, Sohn des Hausmeisters, hat Alan auf dem Kieker. Dann kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall.

„Sich trotz aller Widerstände in jemand anderen hineindenken zu können, das darzustellen ist dem Autoren perfekt gelungen, weil man sieht, wie mit Hingabe und Kreativität Dinge bewegt werden können.“ Und auch wenn es kein glückliches Ende gibt, heißt das nicht, es nicht immer wieder zu versuchen. Als „schweren Stoff mit Hoffnungsschimmer“ beschreibt Lars Emrich, selbst Vater zweier Töchter, diese Geschichte, die „man auf Anhieb ohne Vorbereitung versteht“. Schließlich leben wir auch jetzt in keiner kriegs- und gewaltfreien Welt. Über Gewalt, Verfolgung und Kriegsfolgen wird nicht nur aus Libyen und Afghanistan berichtet.

Authentische Zeitreise

Eine „atmosphärische Reise in eine andere Welt“ soll die Inszenierung werden, monochromatisch ist die Farbwahl – angelehnt an die Zeit – bei Kostüm und Bühnenbild. „Uns waren neben den thematischen Schwerpunkten ein historisches Flair wichtig“, spricht Emrich auch für Ausstatter Laurentiu Tuturuga. Eine große Rolle spielt das Radio, denn „es gab mal eine Zeit, in der die relevanten Informationen hier übertragen wurden“. Anhand authentischen Materials werden Videoeinspielungen wie damals im Kino gezeigte Wochenschauen eingesetzt. Dazu wurde in Archiven recherchiert, um möglichst viel historisches Material verwenden zu können. Und Musik wird eingesetzt, die damals im Radio hätte laufen können. Generell ist die Musik ein fester Bestandteil von „Geheime Freunde“.

Sechs Rollen hat das Stück, vier davon sind mit jungen Leuten zwischen 12 und 14 Jahren besetzt. Eine Sprechtrainerin hat mit dem Nachwuchs hart gearbeitet, außerdem gab es Extratraining in Sachen Puppenspiel.

Eineinhalb Stunden Spielzeit dauert die Zeitreise. Für Lehrer gibt es zusätzlich ein theaterpädagogisches Angebot nebst Materialsammlung inklusive Hintergrundmaterial zur Weiterarbeit im Schulunterricht. „Den ‚Gelben Vogel’ wollten wir schon immer inszenieren. Jetzt haben wir ihn als besonderen Akzent in unser Jubiläumsjahr gesetzt.“ Das Kinder- und Jugendtheater feiert 2011 sein 40-jähriges Bestehen.

„Geheime Freunde“ I Aula des Berufskollegs Elberfeld I Sa 2.7. 16 Uhr (P), Mi 13.7., Do 14.7., Mi 20.7., je 18 Uhr I 0202 86 61 54

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