Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3

11.028 Beiträge zu
2.964 Filmen im Forum


Christdemokraten gehen fortan getrennte Wege
Foto: Francis Lauenau

„Junge Leute kommen nicht“

Dorothea Glauner über die Probleme in der Kommunalpolitik - Thema 08/11

engels: Frau Glauner, macht Kommunalpolitik noch Spaß?
Dorothea Glauner:
Sie sollte Spaß machen, weil sie die Politik ist, die am nächsten am Bürger ist. Man weiß, wo der Schuh drückt, man möchte sich einsetzen. Aber dieser Einsatz ist inzwischen schwierig geworden. Wir stehen unter Haushaltssicherung. Es macht keinen Spaß, Maßnahmen ergreifen zu müssen, die dem Bürger wirklich wehtun. Zurzeit muss entschieden werden, ob das Bürgerbad in Ronsdorf geschlossen wird. Kein Mensch will, dass Bäder geschlossen werden. Viele alte Menschen wohnen da oben auf der Höhe, müssen auf andere Bäder im Stadtgebiet ausweichen, das gilt gleichermaßen fürs Kinderschwimmen. Da möchte man gern mit der Opposition stimmen. Aber so ist das Problem der Überschuldung noch nicht gelöst.

Lorenz Bahr von den Grünen sagte mir, dass sich die meisten Politiker hinter der Haushaltssicherung verstecken, weil sie keine Kreativität mehr entwickeln.
Da könnte ein kleines Stückchen Wahrheit dran sein. Dies würde aber auch von den Bürgern viel Eigeninitiative erfordern. In Ronsdorf und Vohwinkel haben sich Vereine und Bürger gefunden, ihr Bad in Eigenregie weiterzuführen. Solch ein Engagement sollte von der Stadt belohnt werden. Stattdessen sollen die Finanzmittel ganz gestrichen werden. Es ist absehbar, dass der Förderverein allein die Kosten nicht tragen kann, das gilt zumindest für Ronsdorf.

Wer geht eigentlich noch in die Kommunalpolitik? Haben Sie Nachwuchssorgen?
Dieses Thema macht mir große Bauchschmerzen. Unsere Bezirksvertretungen sind oft mit Leuten besetzt, die auf die Siebzig zugehen. Junge Leute kommen nicht. Und wenn sie kommen, sind sie ganz schnell wieder weg. Läuft da nicht etwas falsch? Kleben da die alten Bezirksvertreter nicht zu sehr an ihrem Stuhl? Andererseits fehlt bei den jungen Leuten die Begeisterung. Die Bezirksjugendräte konnten nicht mehr flächendeckend aufgestellt werden. Es gibt ja jetzt einen Stadtjugendrat. Was ist so schwierig, die jungen Menschen an die Demokratie heranzuführen?

Diese Frage möchte ich Ihnen gerne stellen.
Ich mache da auch der Presse einen Vorwurf. Öffentlich wird der Politiker oftmals als Egoist dargestellt. Es wird nicht erwähnt, was Lokalpolitiker an wöchentlicher ehrenamtlicher Arbeit leisten. Wir müssen junge Menschen für diese Demokratie wieder begeistern. Viele haben vergessen, welches hohe Gut die Demokratie darstellt. Da haben Menschen ihr Leben für gelassen. Die heutige Demokratie ist letztlich aus zwei Diktaturen entstanden.

Dorothea Glauner

Dorothea Glauner (62, CDU) ist ehemalige Vizefraktionsvorsitzende, z.Zt. fraktionslos

Liegt es auch an überkommenen Formen? Junge Leute gehen nicht gern zu Bezirksvertreterversammlungen. Wäre eine Online-Bürgerbeteiligung ein gangbarer Weg?

Das Internet ist für mich zu abstrakt. Gerade die Kommunalpolitik braucht das Gespräch am runden Tisch, braucht Diskussion, braucht Austausch. Im Internet kann man sich hinter Pseudonymen verstecken, auch etwas schreiben, was man gar nicht so meint.

Es gibt keine Fünf-Prozent-Klausel mehr in der Kommunalpolitik. Macht Ihnen die Zerfransung der Parteienlandschaft zu schaffen?
Ja, ich finde es für Wuppertal eine Schande, dass wir zwei Stadtverordnete haben, die aus dem ultrarechten Lager kommen. Auch den Linken stehe ich äußerst kritisch gegenüber. Da gibt es auch Leute, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Aber besonders die rechten Splittergruppen sollten nicht im Rat sein.

LUTZ DEBUS

Tags: Thema 08/11

Lesen Sie dazu auch:

Die Krise als Chance
Zur Parteiendämmerung im Wuppertaler Rat - THEMA 08/11

„Gewählt, um Probleme zu lösen“
Bernhard Simon über die Aufgaben von Ratsvertretern - Thema 08/11

Der Einzelgänger
Rolf-Jürgen Köster betreibt Politik jenseits der Parteien - Thema 08/11

Bürger beteiligen?
Modelle direkter Demokratie boomen besonders in der Lokalpolitik - Thema 08/11

engels-Thema.

„Politiker sind Designer unseres Zusammenlebens“
Ein Interview mit Joachim Paul, Spitzenkandidat der Piraten in NRW – Thema 05/12

Wieder Wahl
In diesem Monat wird über ein neues Landesparlament abgestimmt - THEMA 05/12

„Die Vielgliedrigkeit führt zur Spaltung unserer Gesellschaft“
Heide Koehler über die Schulpolitik im Land NRW - Thema 05/12

„Mit der Arbeit der Regierung in Düsseldorf sehr zufrieden“
Johannes Slawig über die Entlastung Wuppertals durch die NRW-Regierung – Thema 05/12

Die Freiheit, die er meint
Mit Christian Lindner hat die FDP ihren Retter gekürt - Thema 05/12

Ahoi auf der Wupper
Die Piraten im Bergischen Land hoffen auf den Einzug ins Landesparlament - Thema 05/12

Smoke on the water
Nichtraucherschutz vs. Raucherschutz – wer hat recht? - THEMA 04/12

„Es wird keine Ungleichheit mehr geben“
Michael Wolff zu den Problemen, das Nichtraucherschutzgesetz durchzusetzen - Thema 04/12

Konkurrenzlose Heimat für Havannas und Humidore
In Elberfeld kann die umstrittene Droge im Fachgeschäft erstanden werden - Thema 04/12

Laufen als Ersatzdroge
Heilpraktiker Karl-Otto Franke findet individuelle Wege zum Nichtraucher - Thema 04/12

„Sie dürfen auch niemandem auf die Nase hauen, nur weil Boxen Ihr Hobby ist“
Barbara Steffens über die Novellierung des Nichtraucherschutzgesetzes - Thema 04/12

Der wilde wilde Osten
Das Verhältnis zwischen Wuppertal und China ist ausbaufähig - THEMA 03/12

Standortfaktor Engels
Gespräch mit Eberhard Illner, Leiter des Historischen Zentrums Wuppertal - Thema 03/12

„Die Kultur ist anders, aber nicht schlechter“
Henning Carl über die Erfahrungen, in China eine Fabrik zu errichten - Thema 03/12

Eine Werbeagentur im ehemaligen Musterland von Agit-Prop
Die VOK DAMS Gruppe aus Wuppertal ist in China erfolgreich - Thema 03/12

„Mehr Hinrichtungen als in allen anderen Ländern dieser Welt zusammen“
Dirk Pleite über die Position von Amnesty International zu China - Thema 03/12

Ist Wuppertal narrensicher?
Karnevalistisches Treiben gehört hier nicht zu den Grundtugenden – THEMA 02/12

„Jewollt und nit jekonnt“
Eberhard Illner kritisiert den Wuppertaler Karneval aus der Sicht des Historikers – Thema 02/12

Fröhlicher Rollentausch mit pädagogischem Hintergrund
Jugendzentren organisieren Gemeinschaftswagen für Karnevalszug – Thema 02/12

Lieber den Mantel teilen als Kamelle schmeißen?
Werner Kleine erklärt, warum stadtweites Brauchtum schwer zu etablieren ist – Thema 02/12

„Wir sind nicht so kommerziell“
Marjetta Appelmann und Uwe Lischke zum organisierten Karneval - Thema 02/12

Ökologisch und sozial
Die GESA sammelt Holz in heimischen Wäldern – THEMA 01/12

"Landwirte werden zunehmend zu Energiewirten"
Dirk Valentin über das Potential von Holz als Brennstoff – Thema 01/12

„Die Preise für Energieholz sind deutlich gestiegen“
Albert Vosteen über die Arbeit der Forstverwaltung und den wandelnden Holzmarkt – Thema 01/12

Freiwillig auf den Holzweg begeben
Ein Experte aus Unterbarmen schwört auf moderne Heiztechnik – Thema 01/12

Prima Klima und warme Klassenräume
Die Erich-Fried-Gesamtschule in Ronsdorf heizt mit Holz – Thema 01/12

Von Netzen, Fischen und Fischern
Die Märkte für Energie und Telekommunikation sind im Umbruch – THEMA 12/11

„Die grauen Zeiten sind vorbei“
Thomas Bradler über den Wandel auf dem Telekommunikationsmarkt – Thema 12/11

Ein Vierteljahr ohne Telefon
Auch beim ehemaligen Monopolisten gibt es Katastrophen – Thema 12/11