Intendant Johannes Weigand bringt Bewegung in die Bühnen-Hitparade der vorweihnachtlichen Lieblingsstücke. Sind es anderenorts Klassiker, die für große Resonanz sorgen, hält der Opernchef ein besonderes Bonbon parat. Das National Theatre of Korea gastiert mit „Mr. Rabbit and the Dragon King“ im Opernhaus. Dass es die einzige Station in Deutschland ist, ist bemerkenswert und dem Umstand zu verdanken, dass Johannes Weigand und „Rabbit“-Regisseur Achim Freyer bestens miteinander bekannt sind.
Johannes Weigand war zunächst Regieassistent, dann Mitarbeiter von Achim Freyer (der übrigens gerade zum „Regisseur des Jahres“ gewählt wurde). Er war also in gewisser Hinsicht sein Schüler, was Opernregie angeht, obwohl die beiden stilistisch nicht viel miteinander zu tun haben, wie Dramaturg Johannes Blum erklärt. In Seoul war die „Mr. Rabbit“-Aufführung eine Sensation. Die Koreaner waren begeistert von ihrem neuen Pansori. Als es darum ging, ein Opernhaus in Europa zu finden, das das Stück als Gastspiel zeigen könnte, hat Achim Freyer Johannes Weigand angerufen. „Ein Geschenk für unser Haus, die Stadt und deren Zuschauer, nicht zuletzt für die vielen Koreaner, die hier in NRW leben und denen die Geschichte vertraut ist wie uns nur die Grimmschen Märchen“, sagt Johannes Blum.
Episches Spektakel
Das Stück, erklärt Johannes Blum, ist eine Pansori-Oper. Was übersetzt „Stück, das auf dem Marktplatz gespielt wird“ bedeutet. Es ist also Volkstheater, daher unaufwändig ohne Kulissen, lediglich von zwei Menschen (Stimme und Trommel) erzählt. Achim Freyer hat die Figuren, von denen in der Urform nur berichtet wurde, von Spielern und Sängern darstellen lassen. Außerdem hat er Musik hinzugefügt, die nur an den Höfen des Adels gespielt wurde. Es wurde also aus dieser sehr reduzierten Form des Erzählens ein Theater, das an unsere Art, Opern aufzuführen, erinnert. Außerdem entstanden vor etwa 100 Jahren Übergangsformen auch in Korea, so dass auch historische Vorbilder aus der dortigen Theaterpraxis herangezogen wurden. Insgesamt reisen 60 Angehörige des koreanischen Nationaltheaters für die Aufführungen in Wuppertal an. Originalton Achim Freyer: „Das ganze Spektakel ist genauso ordinär, episch und politisch wie das traditionelle Pansori.“
Listiger Hase
Was in der bildgewaltigen Inszenierung zu sehen ist, beschreibt Johannes Blum so: Der Drachenkönig in seinem Unterwasserpalast ist krank, und die Ärzte stellen fest, dass er nur von der Leber eines Hasen geheilt werden kann. Die Schildkröte wird beauftragt, da sie sowohl ein Wasser- als auch ein Landtier ist, in der „staubigen Welt“ nach dem Hasen zu suchen. Der wird mit vielen Versprechungen auf Geld und Karriere geködert. „Daran sieht man schon, dass es um menschliche Schwächen geht, um das Verhältnis zwischen den Mächtigen und den Schwachen und der Schlauheit, sich aus scheinbar aussichtslosen Situationen doch noch zu retten und sich nicht vereinnahmen zu lassen: Der Hase erfindet die Ausrede, als er merkt, was auf ihn zu kommt.“ Er habe die Leber vergessen und müsse noch mal weg, sie zu holen. „Das erinnert an Goldoni und Molière, oder an die Fabeln La Fontaines.
Das Faszinierende an dieser Aufführung ist, dass Freyer, der ja auch Maler und stets sein eigener Bühnen- und Kostümbildner ist, eine Welt entstehen lässt aus Figuren, die in ihrer Tierhaftigkeit hergestellt mit einfachsten Mitteln sofort erkennbar sind und doch so viel Mensch durchblicken lassen, dass man den Parabelcharakter sofort erkennt. Und dieses Erkennen macht großen Spaß – Freyer war Meisterschüler von Brecht – und dieser Spaß ist auch etwas für Kinder.“
Die Bühne des National Theater of Korea ist, verglichen mit hiesiger, riesig. Freyer musste sehr verkleinern, so dass wenigstens die große Figur der Erzählerin den ihr gebührenden Platz bekommt. Sie ist in Korea ein absoluter Star. Das Orchester findet bequem Platz im Graben. Und der Trommler sitzt, wie in Seoul, an der Seite auf der Bühne. „Freyer war gerade hier und ist hocherfreut, dass weder die Stimmen noch die Instrumente akustisch verstärkt werden müssen. Also werden wir hier wahrscheinlich die eigentliche Uraufführung erleben, denn die Direktheit der menschlichen Stimme ist ja ein nicht zu unterschätzender Vorteil von Theater und Oper. Und es lohnt sich hinzuhören: Was diese Sänger mit ihrer Stimme können, was sie ausdrücken, wie sie die Stimme führen, ist phänomenal, gänzlich fremd und verschieden von unserem Operngesang, aber doch unmittelbar verständlich. Abgesehen davon wird der gesamte Text mittels der Übertitel mitgeliefert“, urteilt Johannes Blum.
Am 17. Dezember werden knapp 60 Sängerinnen, Sänger, Musiker und Techniker aus Seoul empfangen. „Wir freuen uns sehr darauf, Begegnungen dieser Art sind wichtig: Theater ist hier das verbindende Element.“
„Alles, was fremd ist, ist dafür da, dass man es kennenlernt. Und die Kinder machen uns das ja immer wieder vor; die werden keine Probleme haben, alles zu verstehen und davon begeistert zu sein. Koreanische Weihnachten!“
„Mr. Rabbit and the Dragon King“ I R: Achim Freyer I Opernhaus Wuppertal I 21.-23.12., 19 Uhr I www.wuppertaler-buehnen.de
Tags: Opernhaus
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