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Vollbesetztes Kino – ein Traum?
Foto: Dieter schütz/pixelio.de

Nachbarschaftsvergleich

Kinoentwicklung Deutschland – Frankreich – Filmwirtschaft 12/11

„Oh glückliche Kinonation Frankreich“ möchte man denken, wenn man einen Blick zu unserem Nachbarn wirft.

Veränderung 1999-2010:

Frankreich Deutschland
Kinos 9,5% 1%
Besucher 34,7% -15%
Standorte 1,5% -10%
Filme 14,1% 10%
Besucher von Arthousefilmen 27,5% 5%

In den letzten 10 Jahren haben sich die wichtigsten filmstatistischen Kennziffern in Frankreich außerordentlich positiv entwickelt. Die Kinoanzahl hat um knapp 10 % zugenommen, der Besuch sogar um 34%. Obwohl Frankreich etwa 20 Mio. weniger Einwohner hat, liegt der Kinobesuch mit über 200 Millionen Besuchern rund 60 Mio. Besucher höher als bei uns. Auch die Anzahl der Säle mit knapp 5.500 liegt deutlich über den 4.700 bei uns. Noch im Jahr 1999 lag der Kinobesuch in Frankreich auf etwa demselben Niveau wie in Deutschland (jeweils rd. 150 Mio.). Der sukzessive Ausbau an Leinwänden hat in beiden Ländern stattgefunden, doch die neuen Säle haben in Frankreich eher zu einer Bereicherung und Vielfalt geführt, während bei uns eher Schließungen von Kinos auf dem Land oder aber auch in den Großstädten die Folge waren.

Einige Gründe für die unterschiedlichen Entwicklungen sind klar zu benennen. Frankreich mit einer starken heimischen Produktion und einem hohen Marktanteil dieser Filme (30-45%), hat zu einer starken und publikumswirksamen Verankerung im allgemeinen Kulturgut geführt. Dies wird auch daran erkennbar, dass bei unseren Nachbarn zwei Drittel der Bevölkerung regelmäßig ein Kino besuchen, während es in Deutschland kaum mehr als ein Drittel ist. In den letzten Jahren hat sich auch ein Trend entwickelt, der dadurch gekennzeichnet ist, dass insbesondere ein älteres Publikum stärker vom Kino angesprochen wird. Der Anteil der Über-50Jährigen hat sich in den letzten zehn Jahren um 50% erhöht, was auch darauf zurückgeführt wird, dass durch die höhere Anzahl von Leinwänden die Vielfalt wuchs. Davon profitieren die kleineren und anspruchsvolleren Filme. Deren Anzahl ist zwar kaum gestiegen, aber der Besuch nahm um fast 30% zu.

Neben dem möglicherweise größeren kulturellen Interesse ist vor allem eine Vermarktungsstrategie dafür verantwortlich. Frankreich gilt als der Erfinder der Abo-Karte, eine Art Kino-Flatrate, die mittlerweile von vielen großen Unternehmen angeboten wird. Für ein Jahres-Abonnement müssen etwa 240 € gezahlt werden, was etwa 30 Kinobesuchen entspricht. Diese Karte ist mittlerweile auch bei zahlreichen Rentnern als attraktive Möglichkeit für den Kinobesuch akzeptiert. Die Inhaber dieser Karten gehen etwa drei- bis viermal pro Monat ins Kino. Um diese Anzahl der Besuche auch zu realisieren, ist natürlich eine Vielfalt erforderlich. Insofern profitieren vor allem kleinere Filmverleiher, die anspruchsvollere Produktionen in die Kinos bringen. Eine französische Statistik weist aus, dass der Anteil der Abo-Karte etwa 13% aller Tickets ausmacht, bei kleinen Filmen liegt der Anteil bei 51%. In Deutschland bietet nur Cinemaxx eine solche Jahresabo-Karte an, allerdings zu einem Preis von 400 €.

KIM LUDOLF KOCH

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