Normalerweise herrscht Barbara in ihrer Betriebskantine, als wäre sie ein Unteroffizier mit Nierenkoliken. Der Wunsch nach Salz, Pfeffer oder gar Senf gilt bei ihr als Hochverrat. Wer mitunter mit Kupfermünzen bezahlen möchte, wird des Hauses verwiesen. Ihr Gesicht trägt sie faltig wie Keith Richards. Nur deuten die Hautkerben nicht wie bei Keith ein chronisches Grinsen an, sondern nackten, ewigen Zorn. Am Montag, den 23. Mai 2011 jedoch war sie nicht wiederzuerkennen. Eine liebliche Prinzessin aus einem Walt Disney-Film saß an der Registrierkasse am Ende des Buffets. Manche vermuteten, dass sich Barbara eine Überdosis Botox gespritzt habe. Andere munkelten von einer neuartigen, schnell wirkenden plastischen Chirurgie mittels Lasertechnik. Doch alle irrten. Nicht Botox, nicht Laser-OP, Schalke war die Ursache des fast kindlichen Lächelns auf dem Gesicht der ehemals Verhärmten. Neun lange Jahre musste die königsblaue Küchenchefin ohne ein einziges winziges Lächeln auskommen. So lange war Schalke kein Pokalsieger mehr gewesen.
Gut, dass Barbara nicht Fan vom WSV ist. Aber in Zeiten der Globalisierung und der modernen Kommunikationswege gelingt es sogar, in Wuppertal Schalke-Fan zu sein. Und genau diese modernen Kommunikationswege machen wir zum engels-Thema im Juni, das da heißt NETZ(RE)PUBLIK. Wie geht es den klassischen Massenmedien in Zeiten der sogenannten sozialen Netzwerke? Auch Schriftsteller und Verlage jammern über die I-Padisierung der Gesellschaft. Nur der Verlag CORSO muss keine Angst haben. Wir berichten über und schwärmen von seinem Buch PARIS, LIEBE, MODEN, TÊTE-À-TÊTES. Solche Kunstdruckkunstwerke sind unpixelbar. Aber auch das Schauspiel dürfte in YouTube und Konsorten keine Konkurrenz erkennen, misst eine Bühne in der Diagonale deutlich mehr als 1,54 Zoll. Man will Sie an dieser Stelle nicht veräppeln: so klein sind die von Jugendlichen benutzten Bildformate. Um unsere physisch wie auch ideell großen Bühnen zu retten, findet das NRW Theatertreffen WESTWÄRTS diesjährig im Tal statt. Trotzdem bleibt noch Zeit für heimische Produktionen. Wir stellen JULIANE PEMPELFORT vor, die an den Wuppertaler Bühnen die LULU spielt. Und was machen die Bildenden Künste? Der Maler des Monats ist eigentlich Musiker. Nicht Udo Lindenberg mit seinen Likörellen, sondern Peter Brötzmann, der es nicht nur mit der Bass-Kanne, sondern auch mit dem Pinsel brötzen lässt, zu sehen in der GALERIE EPIKUR.
Im Kino wird es in diesem Monat mitunter lustig. EINE INSEL NAMENS UDO erzählt von einem fast unsichtbaren Kurt Krömer, der nur von einer jungen Frau gesehen werden kann. Diese wird gespielt von FRITZI HABERLANDT. Mit ihr sprachen wir über Krömer, Komödie und Theater. Was mit dem Frosch Krömer wird, wenn er seinen erlösenden Kuss erhält, erzählt uns die Küssende allerdings nicht. Ganz ernst hingegen ist das Epos THE TREE OF LIFE von Terrence Malick. Unsere Filmredaktion ist hin- und hergerissen. Allerdings mehr hin als her. Und so wie Terrence Malick für seinen ersten Film nach sechs Jahren mit der goldenen Palme in Cannes belohnt wurde, kam auch unsere Barbara nach neunjähriger Trauerzeit zu ihrem Glück.
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