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„Unverhofft in Kairo”
Foto: Rothweiler

Einem Kamel wird nicht schwindelig

„Unverhofft in Kairo” in der Oper Wuppertal - Bühne 02/11

Langsam dreht sich ein merkwürdig farbiger Zylinder, lustig geht es zu im Osmanischen Reich. Der Alkohol fließt bei den Derwischen, der Harem räkelt sich, Opernzeit in Wuppertal. Joseph Haydns Werk „L’incontro improvviso” (von 1775) heißt da „Unverhofft in Kairo” und gehört zum Genre der „Türkenopern”, sehr beliebt im 18. Jahrhundert, ein Jahrhundert weiter, nachdem die Europäer die Osmanen vor Wien mit viel Dusel wieder nach Hause schickten. Von deren Kultur wusste niemand viel, aber es rankten sich Gerüchte, es kursierten Falschmeldungen, kurzum: Irgendwann waren die „Muselmänner“, wie sie damals noch genannt wurden, spannend und schick, allein das Wort „Harem“ hinterließ bei europäischen Edelmännern schweißnasse Hände. Dieses Konglomerat aus Dichtung und Wahrheit verpackte man dann in Opern. Dummerweise spielt Haydens Opus um Prinz Ali und seine Angebetete Rezia gar nicht in der Türkei, sondern in Kairo. Logischerweise ist ein überdimensioniertes Kamel der Blickfang auf der Bühne. Und weil der Stoff zeitgenössisch noch kruder wirkt, laufen da die Häscher des Paschas auch schon mal mit Sonnenbrillen und Automatikwaffen durchs Bild.

Glücklicherweise können Haydns Musik und das gute Wuppertaler Sinfonieorchester unter der Leitung von Florian Frannek dem standhalten. Überaus gelungen ist auch die langwierige Transposition des italienischen Librettos in eine neue deutsche Form. Insbesondere der Schachzug, die Rolle des Paschas mit Selim Dursun, einem türkischen Schauspieler und nicht mit einem Sänger zu besetzen, gelingt. Sein Text wird deutsch übertitelt und von osmanischen Klängen einer Ud-Improvisation begleitet. Dieser Pascha hat Rezia in seinem Harem, will sie zu seiner ersten Frau machen. Doch seine Liebe bleibt unerwidert. Die Prinzessin von Persien liebt immer noch Ali, den Fürsten von Basra, damals osmanisch, heute dank der Briten dem südlichen Irak zugehörig. Mit ihm war sie vor Papa geflohen, doch Piraten hatten sie getrennt. Zufällig kommt der verliebte Liebhaber nun in die ägyptische Hauptstadt.

Dramaturgisch funktioniert die etwas abgewandelte Handlung prächtig, die Choreografie der Sängerinnen und Sänger trotz des haarsträubenden Bühnenbilds auch. Besonders die Frauenstimmen haben ein ausgezeichnetes Niveau. Allein Banu Bökes Rezia-Sopran war den Abend schon wert. Bei den Herren kann da nur Christian Sturm mithalten, der seine Parts als Ali routiniert in Turnschuhen absolvierte. Die konnte er aber auch brauchen, denn nachdem ihn seine Angebetete im Trubel entdeckt hat, stellt sie seine Liebe auf die Probe, der Pascha stellt ihm als Nebenbuhler eher nach. Es kommt natürlich, wie es sich für ein Dramma Giocoso gehört zu allerlei kuriosen Verwicklungen vor und hinter dem riesigen Kamel, am Ende sind die turbokapitalistischen Derwische geläutert, die Liebenden verbunden, das Kamel grell beleuchtet. Leise klingt die osmanische Kurzhalslaute noch nach. Belohnt werden in Wuppertal alle dann mit verdientem Beifallssturm. Inwieweit diese Inszenierung das Bild der Zuschauer auf den Orient und seine uralte Kultur beeinflusst, braucht hier glücklicherweise nicht hinterfragt zu werden.

„Unverhofft in Kairo“ I Sa 12.2., 19.30 Uhr I
Oper Wuppertal I 0202 569 44 44

PETER ORTMANN

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