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Eine moralische Entscheidung

Der Tod und die Wahrheit

17. Juni 2019

Die Filmstarts der Woche

Der Gerichtsmediziner Kaveh Nariman (Amir Aghaee) fährt nach einer Spätschicht über eine vielbefahrene Straße nach Hause. Als ihn ein anderer Wagen schneidet, muss er ausweichen. Durch sein Manöver stürzt Moosa (Navid Mohammadzadeh) mit dem Motorrad, und mit ihm seine Frau, seine kleine Tochter und der achtjährige Amir, die alle auf dem Zweirad unterwegs waren. Kaveh hält sofort an und kümmert sich um die Familie. Dem Anschein nach ist nur das Motorrad beschädigt, der Familie geht es gut. Amir hat allerdings leichte Schmerzen am Hinterkopf. Am nächsten Tag wird Amirs Leiche für eine Autopsie in Kavehs Gerichtsmedizin eingeliefert. Angeblich ist er an einer Fleischvergiftung gestorben... Kaveh und Moosa werden durch die Ereignisse vollkommen aus der Bahn geworfen. Zweifel und Verzweiflung – das sind die Gefühle, denen die beiden Protagonisten im Folgenden ausgeliefert sind. Schuldgefühle plagen sie, zugleich versuchen sie – jeder für sich – herauszufinden, was wirklich passiert ist und ob sie ihren Anteil an der Tragödie haben. Vahid Jalilvands „Eine moralische Entscheidung“ steht dabei in der Tradition des diskursiven Arthausfilms aus dem Iran. Jalilvands Filme ähneln ästhetisch und auch inhaltlich am ehesten denen von Asghar Farhadi, die im Iran gedreht wurden. Hier wie da ist der Kern eine universelle, moralphilosophische Fragestellung, die allerdings vor dem Hintergrund der iranischen Gesellschaft eine ganz konkrete Einfärbung hat, die sich vor allem in der Thematisierung der Klassenunterschiede zeigt. Für ein westliches Publikum haben die iranischen Filme daher häufig etwas Vages, Mysteriöses. Während die Darstellung der sozialen Unterschiede durch die Institutionen hindurch noch sehr nachvollziehbar ist, ist die selbstkasteiende Frage nach der Schuld sowohl bei Kaveh als auch bei Moosa zunehmend schwer zu ertragen, wenngleich bis zuletzt höchst faszinierend.

Es sind nicht nur ein paar Bücher, die der Brite J.R.R. Tolkien der Welt hinterlassen hat, es ist ein ganzes fiktives Universum. Doch welche Impulse haben den Autor dazu inspiriert, Mittelerde mit seinen vielen fantastischen Völkern, Sprachen und abenteuerlichen Geschichte zu erfinden? Der Film „Tolkien“ des Finnen Dome Karukowski mit Nicholas Hoult in der Titelrolle spürt der Genese des gewaltigen Werks nach, indem er Tolkiens Jugend beleuchtet: Die Herausbildung seiner Leidenschaft für Altphilologie und die Mythen Nordeuropas, inspirierende Schulfreundschaften, die Liebe zu seiner späteren Frau Edith Bratt – und vor allem die traumatische Erfahrung des Ersten Weltkriegs. Ein wirklicher Einblick in Tolkiens kreativen Kopf gelingt dem Film zwar nicht, dafür aber ein gut recherchiertes Lebens- und Zeitbild.

Man hat fast den Eindruck, dass der französische Film nur noch aus Sozial-Dramen und -Komödien mit einem ausgeprägten Feel-Good-Touch besteht. War es früher das Chorus-Girl, dass für die verletzte Hauptdarstellerin einsprang und zum Star wurde, so ist es in Bernards Film „Der Klavierspieler vom Gare du Nord“ der in sozial prekären Verhältnissen lebende Mathieu (Jules Benchetrit), dessen musikalisches Talent von einem Musikprofessor (Lambert Wilson) entdeckt wird und der ihn mit Hilfe einer Klavierlehrerin (Kristin Scott Thomas) mehr oder weniger zu einem Pianisten-Wettbewerb zwingt. Dass man dieser manchmal auf dem schmalen Grad zwischen Kitsch und Klischee balancierenden Story doch gewisse Reize abgewinnt, liegt vor allem am kongenialen Einsatz der, meist klassischen, Musik und dem authentischen Spiel der drei Hauptdarsteller.

Außerdem neu in den Kinos in Wuppertal, Solingen und Remscheid: Peter Webbers Doku „Inna de Yard“, Jonathan Levines derb-romantische Komödie „Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“, Justin Baldonis Teenagerromanze „Drei Schritte zu dir“, David Yaroveskys Superhelden-Horror „Brightburn“ und Christoffer Boes vierter Sonderdezernat Q-Krimi „Verachtung“.

Redaktion engels-kultur.de

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