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Happy End

In den besten Familien

09. Oktober 2017

Die Filmstarts der Woche

Es wirkt zunächst wie ein Videotagebuch: Ein Mädchen filmt in der eigenen Wohnung die Mutter und hält deren abendliches Zu-Bett-Gehen fest, zeigt sie beim Mittagsschlaf oder in der Küche. Schon bald wird klar, das hier kein Familienidyll zu sehen ist. Die Mutter ist schwer depressiv und medikamentenabhängig, das Mädchen Eva (Fantine Harduin) füttert den eigenen Hamster mit Antidepressiva – dysfunktional ist gar kein Ausdruck dafür. Als die alleinerziehende Mutter nach einer Überdosis im Krankenhaus landet, nimmt ihr Vater Thomas (Matthieu Kassowitz) Eva zu sich auf. Der Kontrast könnte nicht größer sein: Jetzt wohnt sie in einem schlossähnlichen Anwesen mit ihrem Vater, dessen neuer Frau Anaïs (Laura Verlinden) und deren neugeborenem Kind. Außerdem leben dort der Opa Georges (Jean-Louis Trintignant), der mit seiner Baufirma einst den Reichtum der Firma begründet hat, und die Tante Anna (Isabelle Huppert), deren erwachsener Sohn Pierre (Franz Rogowski) ebenso wie ihr Verlobter Lawrence (Toby Jones) hin und wieder in dem Anwesen vorbeischaut, und nicht zuletzt ein Paar mit nordafrikanischen Wurzeln, dass hier als Bedienstete arbeitet. Von der Hölle ins Paradies, könnte man aus Evas Sicht meinen. Und doch ist es bei genauerer Betrachtung eher vom Regen in die Traufe: Der Vater hat schon wieder eine Affäre, der Opa ist mal dement, und wenn er klar ist, ist er suizidal. Und der Sohn der Tante droht als schwarzes Schaf aus der Tradition der Familiendynastie auszubrechen. Was bleibt, sind die Videoaufzeichnungen, die Eva auch hier fortsetzt und die natürlich nicht als altmodische Homemovies gehortet, sondern immer gleich gepostet werden – über Instagram, Facebook, Snapchat, Periscope, was auch immer. Michael Haneke war schon immer ein kühler Beobachter des bürgerlichen Grauens, das sich hinter scheinbar intakten Fassaden abspielt. Klar, kühl und sarkastisch zeigt Hanekes „Happy End“ die absurden und zynischen Abgründe einer High Society-Familie. Denn letztendlich geht es hier natürlich nicht nur um diese eine Familie des Geldadels, sondern um grundsätzliche soziale und moralische Fragen.

Matto Barfuss lebte schon vor über 20 Jahren mehrere Monate inmitten eines Gepardenrudels, was ihm den Spitznamen „Gepardenmann“ einbrachte. Nun hat der Filmemacher abermals lange Zeit inmitten der anmutigen Wildkatzen verbracht. Dass er in seiner daraus entstandenen Dokumentation „Maleika“ allen Geparden Namen gab und sie und ihr Verhalten allzu sehr vermenschlicht hat, ist eine zweischneidige Angelegenheit. Herausgekommen ist dabei aber auch ein anschaulicher Film über den täglichen Überlebenskampf in der Natur, der auf allzu blutige Details verzichtet, ohne die grausamen Aspekte gänzlich auszusparen. Wir sehen erstaunlich detailreiche und sehr intime Einstellungen vom Leben in einem Gepardenrudel, eingefangen von einem wahren Experten.

Außerdem neu in den Wuppertaler und Solinger Kinos: Na Hong-jins Horrorkrimi „The Wailing - Die Besessenen“, Franziska Meletzkys Honecker-Klamotte „Vorwärts immer!“, Tommy Wirkolas origineller Actionthriller „What Happened to Monday?“, Michael Cuestas Rache-Actioner „American Assassin“ und, für die ganze Familie, David Sorens anarchischer Animationsspaß „Captain Underpants - Der supertolle erste Film“ sowie Rasmus A. Sivertsens norwegischer Trickfilm „Louis und Luca - Das große Käserennen“.

Redaktion engels-kultur.de

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