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Jahrhundertfrauen

Lebenskünstler

15. Mai 2017

Die Filmstarts der Woche

Kalifornien 1979. Dorothy (Annette Bening) will, dass ihr 15-jähriger Sohn Jamie (Lucas Jade Zumann) ein guter, moderner, einfühlsamer Mann wird. Doch einen Vater als Vorbild gibt es nicht, und sie selber hat in letzter Zeit das Gefühl, den Kontakt zu ihrem pubertierenden Sohn zu verlieren. Also wendet sich Dorothy an die Frauen, die Jamie am nächsten stehen. Das ist zum einen Jamies beste Freundin seit Kindheitstagen, die 17-jährige Julie (Elle Fanning, „The Neon Demon“), in die Jamie aber leider inzwischen unsterblich verliebt ist. Zum anderen ist da die Untermieterin Abbie (Greta Gerwig einmal in einer angenehm unneurotischen Rolle). Abbie hat als angehende Fotografin die Frühzeit von Punk in New York hautnah miterlebt. Und es gibt noch den zweiten Untermieter William (Billy Crudup). Nach „Beginners“ ist auch Mike Mills neue Tragikomödie „Jahrhundertfrauen“ autobiografisch geprägt. Mills, der spät ins Regiefach wechselte, ist ebenso multimedial aktiv wie seine Frau, die Künstlerin, Filmemacherin und Autorin Miranda July. Mills umkreist die Mauern zwischen den Generationen und Geschlechtern elegant und liebevoll und lässt die kulturellen, sozialen und politischen Umbrüche der späten 70er Jahre auch immer wieder mit Archivmaterial auferstehen. Unser Film des Monats!

Joseph Beuys betritt den Raum. Langer Wollmantel, zerknitterter Hut. Der Blick richtet sich auf die Kamera: „Ihr habt hier so richtig Hollywood, ne?“ Joseph Beuys setzt sich, blättert in einer Zeitschrift. Die Kamera in Großaufnahme auf seinem schmalen Gesicht stellt sich scharf. „Der anonyme Zuschauer ist dahinten, ne?“ Er schaut jetzt direkt in die Kamera. „Gute Leute haben da immer große Fähigkeiten entwickelt: Sie kommen in einen Raum und können sofort abschätzen, was sind die Fragen der Leute. Die inneren Fragen...“ Es ist ein abrupter Einstieg in diesen Film. Aber es ist ein guter Einstieg. Vermutlich sogar der Beste, wenn man wie Filmemacher Andres Veiel mehrere hundert Stunden Videomaterial gesichtet hat, Fotos und Audioaufnahmen nicht mitgerechnet. Veiels „Beuys“ ist eine assoziative Annäherung an einen Künstler, der für ihn Pate, Wegbegleiter und Sparringpartner war, wie er selber in Gesprächen zum Film erklärt. Der Film ist dann am besten, wenn er ganz bei sich ist. Was in diesem Fall bedeutet: ganz bei Joseph Beuys. Dem Künstler, dem Kritiker, dem Visionär. Der Fragen nach seiner Popularität mit Sätzen beantwortet wie: „Was soll man denn da sagen: Windstärke 12?“ Der sich selbst als Radikalen bezeichnet, aber den Begriff Künstler für sich ablehnt. „Es sei denn unter der Voraussetzung, dass wir alle Künstler sind.“ „Kunst ist nicht dazu da, unsere Wohnungen zu dekorieren“, wie Joseph Beuys in Anlehnung an Pablo Picasso zitiert. „Sondern ist eine Waffe gegen den Feind.“

Außerdem neu in den Wuppertaler und Solinger Kinos: Jakob Schmidts Lehrer-Doku „Zwischen den Stühlen“ und Ridley Scotts neuer, weitestgehend solider SF-Thriller „Alien: Covenant“.

Redaktion engels-kultur.de

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