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Lady Bird

Raus aus Sacramento

16. April 2018

Die Filmstarts der Woche

Auf einer Autofahrt streiten Christine und ihre Mutter Marion wieder einmal. Es geht wie so oft darum, wie es nach der High School weitergehen soll. Christine will weit weg von Sacramento, am liebsten an die Ostküste. Während ihre MitschülerInnen an ihrer religiösen High School auf katholische Hochschulen wollen, interessiert das Christine überhaupt nicht. Schlimmer noch: Sie möchte etwas Kreatives machen. Die Mutter hingegen sähe ihre Tochter lieber auf einer soliden Hochschule und dann in einem anständigen Beruf. Der Streit eskaliert und Christine steigt wütend aus – bei voller Fahrt! Greta Gerwig erzählt mit „Lady Bird“ eine leicht autobiografisch angelegte Coming-of-Age-Geschichte. Auch sie stammt aus Sacramento und wollte nichts lieber als in die Großstadt, um die Welt der Kunst zu erkunden. Das hat bei ihr ganz gut geklappt, wie man weiß: Mit Filmen wie „Greenberg“ und „Frances Ha“, beide von Noah Baumbach, oder „Maggies Plan“ von Rebecca Miller wurde sie bekannt. „Lady Bird“ ist nun ihre erste Regiearbeit. Der Titel ist der Kunstname, den sich Christine in einem Akt der Rebellion selber gegeben hat, um ihrem mittelmäßigen Provinzdasein Glanz zu verleihen. In Wahrheit schwankt sie  zwischen einer solch punkigen Fuck-you-Attitüde und dem Wunsch, dazuzugehören. Saoirse Ronan („Wer ist Hanna?“, „Grand Budapest Hotel“, „Lost River“) verkörpert die selbstbewusste Orientierungslosigkeit eines Teenagers, der zwar weiß, dass er nicht hierher gehört, aber auch noch nicht weiß, wohin er gehört. Greta Gerwig begleitet ihre Heldin sehr liebevoll durch Freundschaftskrisen, Schwärmereien und Liebeskummer sowie den ersten Sex, durch Familienstreits und erste Drogenerfahrungen und durch das letzte Schuljahr mit allem, was dazu gehört: von Notenstress über Cliquenbildung bis zum Abschlussball. Gerwig inszeniert mit Schwung auf einer leichtfüßigen Klaviatur zwischen Drama und Humor. Zuletzt durfte man das auf diese einfühlsame, sympathische Art in Mike Mills‘ „Jahrhundertfrauen“ erleben. Hier ist die Hauptfigur aber ein unangepasstes, streitbares Mädchen, und das sieht man mit Blick auf eine Armada an Coming-of-Age-Filmen mit nerdigen Jungs leider viel zu selten.

Eigentlich fehlt ja nur noch der politische und gesellschaftliche Wille. Filmische Apelle wie diese Doku liefern inzwischen regelmäßig Argumente dafür, dass sich grundlegend etwas ändern muss an unserer westlichen Lebensweise. „Zeit für Utopien“ zeigt darüber hinaus, wie der Weg hinweg vom wachstumsorientierten Kapitalismus zu verantwortungsvollem und nachhaltigem Wirtschaften funktionieren kann. Durch Transparenz in der Produktion zum Beispiel, durch Genossenschaften und Fixpreise. Der Kapitalismus jedenfalls kann nicht ewig weiter wachsen, wenn er dabei sich selbst die Lebensgrundlage zerstört. Weitblick ist gefragt und Umdenken. Der Filmemacher Kurt Langbein reist um die Welt, zeigt, wo es im Kleinen schon funktioniert und setzt auf den Mensch als Solidarwesen. 

Außerdem neu in den Wuppertaler und Solinger Kinos: David Gordon Greens Drama „Stronger“, Andy Serkis' biografische Lebensgeschichte „Solange ich atme“, Ludovic Bernards leichte Liebeskomödie „Die Pariserin - Auftrag Baskenland“, Dan Gilroys Tragikomödie „Roman J. Israel, Esq - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“, Jeremy Dysons und Andy Nymans episodische „Ghost Stories“, Clint Eastwoods wahre Terrorgeschichte „The 15:17 to Paris“ und, für Kinder, Stefan Westerwelles etwas anderer Lottogewinn „Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums“.

Redaktion engels-kultur.de

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