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Gedanken an Opa

Pat Metheny erfindet sein Orchestrion

Zischel, bong, bimpf. Hightech-Großrechner greifen auf Becken, Bongo und Highhat zu, punktgenaue Landung und mit der richtigen Intensität. Eine Mega-Schrankwand aus Gitterkörben, prall gefüllt mit Instrumenten vom Woodblock bis zur Wasserflaschenorgel, bildet die Hardware einer Zaubermusikmaschine namens „Orchestrion“. Pat Metheny, eigentlich Wundergitarrist aus Amerika, hat schon als Kind mit Opas Walzenklavier gespielt – er konnte nicht davon lassen. Bis heute nicht.
Jetzt hat er sich seinen Kindheitstraum erfüllt und einen Musikautomaten der Jetztzeit erfunden, zwar Käfighaltung, aber nur mit Naturtönen operierend. Ein kleines Spezialistenteam hat ihm seinen aufwändigen Kinderwunsch realisiert, elektromagnetisiert und von seiner Gitarre steuerbar gefertigt – er ist der alleinige Kapitän am Steg seines Instruments. In seinen Konzerten in Köln und Dortmund rollte entsprechend zunächst ein LKW wie zum Rockkonzert vor, um das komplizierte Instrument am jeweiligen Ort aufzubauen. In Köln führten technische Probleme gleich zu einer halbstündigen Verspätung, was kritische Geister dazu bewog, doch wieder den Mensch der Maschine vorziehen zu wollen. Aber Menschen wollte Metheny gar nicht sparen oder ersetzen, er wollte vielmehr einen Musik-Golem schaffen. Die vier Elemente Erde, Luft, Wasser und Feuer hat er in seiner Maschine verwendet, im Material zum Instrumentenbau, im Gebläse für seine Flaschenorgeln, deren Pfeifentöne die Wassersäule bestimmt. Und zumindest bei seinem Kölner Besuch glimmte und rauchte eine Säule auf der Bühne mehrfach. Da brannte wohl gerade etwas durch.
Aber Metheny beherrscht weitgehend sein Orchestrion, zu dessen vorprogrammierten Songs er selbst als Gitarrensolist spielt. Diese Variante eines Natur-Playbacks – weil alle Sounds natürlich und live erzeugt werden – lud kurzfristig zum Staunen ein, mutierte aber nach dem Überrumpelungseffekt schnell zum Gähner. Was hier wirklich innovativ und unglaublich kreativ überzeugte, war das Spiel auf diesem Öko-Synthesizer aus dem Stegreif. Leider konnte der Gitarrist nur sukzessiv seine Loops – ein achttaktiges „Mehrspurband“ wird Spur für Spur bespielt und wiederholt ständig das Gespeicherte – auffüllen, aber die Ergebnisse waren wirklich begeisternd. Natürlich kann der Golem selbst nicht sprechen, alles muss souffliert werden, und so kommt alles aus einer Hand und einem Hirn. Deshalb bleibt dieses Konzept bei Metheny selbst stecken – wenn denn Improvisierte Bandmusik lebendige Kommunikation und kein Selbstgespräch sein soll. Aber mit dieser Maschine im Rücken und zwei bis drei Musikern neben sich, das ergäbe Spaß, spontane Kuriositäten und einen nie gehörten Orchestersound in einer Jazzcombo.
Der Perfektionist Metheny führte sein edles Spielzeug wie auf einer Musikmesse vor. Aber das sicher interessierte Publikum liebt noch viel mehr die Gitarrenkünste dieses stilistischen Tausendsassas. Pat, packe die Kisten beim nächsten Besuch ruhig ein, aber bring diese Öko-Hightech- Heimorgel als lebendes Liveorchester auf die Bühne – mit anderen Musikern. Das fände Opa auch besser.

www.patmetheny.com/orchestrioninfo

Olaf Weiden

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