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Multitalent Jan Kazda solo und mit den „Indigo Strings“,
Fotos: Presse

Neues von Jan Kazda

Der Musiker und Komponist geht mit Led Zeppelin-Songs auf Tour - Portrait 01/10

Er hat mit Ginger Baker, Randy Brecker, Peter Brötzmann und Peter Kowald zusammen gespielt, gründete mit Wolfgang Schmidtke die legendäre Formation „Das Pferd“ und hatte Spaß beim Armutszeugnis, komponiert Filmmusik für den „Tatort“ und die Musik für „Move against G8“ für Attac und spielte bei Pina Bauschs „Sieben Todsünden“ Gitarre. Jan Kazda auf einen musikalischen Stil festzulegen, ist unmöglich. Folgerichtig hat er sich jetzt einem weiteren Aspekt gewidmet, zusammen mit dem Streichquartett „Indigo Strings“ spielte er die Musik einer der berühmtesten Rockbands der 70er Jahre ein, von Led Zeppelin.
Es ist eine überaus reiche Platte. Jan Kazda hat den einzelnen Stücken jeweils so viel Raum gegeben, wie sie brauchen, um sich vollkommen zu entfalten, ohne sich im Wege zu stehen. „Für mich steht die Musik von Led Zeppelin für vieles. Mit jedem der Songs sind Erinnerungen verbunden. Erinnerungen an die ersten gekauften Langspielplatten, an die ersten Gehversuche mit einer E-Gitarre, an die ersten eigenen Kellerbands, Konzerte, Freundschaften und Begegnungen. Erinnerungen an eine Zeit, in der durch die Musik von Bands wie Led Zeppelin die Grundsteine meiner späteren musikalischen Entwicklung gelegt wurden.“

Jan Kazda, in Prag geboren und im Kindergartenalter mit seiner Familie nach Deutschland gezogen, wollte immer Musik machen. „Ich habe ein bürgerliches Elternhaus, den Gedanken an einen Job habe ich nie abgelehnt.“ Also studierte er zielgerichtet an der Hochschule für Musik Köln, Standort Wuppertal Konzertgitarre und Kontrabass. An der Fachhochschule Osnabrück unterrichtete er später E-Bass, an den Musikschulen Velbert und Wuppertal noch heute. Die allerschönsten Seiten seines Berufs sind, Wissen weiterzugeben, vor allem aber sich zu entwickeln. In „langen Nächten mit viel Wein und noch mehr Schallplatten“ gründete er in den 80er Jahren mit seinem alten Kumpel Wolfgang Schmidtke die Jazz-Formation „Das Pferd“. „Es war die Zeit, es waren die Umstände“, winkt der Musiker, auf diesen grandiosen Erfolg angesprochen, ab. Dank des guten Netzwerkes ging es mit der Truppe international auf Tour. „Wenn du erst mal so drin bist, dann läuft vieles.“
Allerdings gibt es keine vorgezeichneten Wege oder Gebrauchsanweisungen. Brauchbar ist allein die eigene Idee, und der ist er immer gefolgt. „Meine Überzeugung ist: Es ergibt sich alles durchs Tun.“ Mut gehört dazu und vielleicht auch das Wissen um das eigene Können, angstfrei Ideen zu entwickeln und auszuprobieren. „Du musst hinter einer Sache stehen. Ohne Herzblut geht gar nichts, um das Beste aus dir herauszuholen.“ Und ohne Disziplin auch nichts, diese Mär vom gemütlich in den Tag lebenden Musiker, der nach genialer Eingebung mal fünfeinhalb Noten notiert, um dann zu relaxen, ist Quatsch. „Es gibt keine Stechuhr, und es fragt keiner nach, ob du eine Idee verfolgt und etwas aus ihr gemacht hast, das musst du alleine schaffen.“ Die Disziplin hat er durch die Beschäftigung mit der Musik und Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Instrument erlernt. Und die Auseinandersetzung mit Leuten, die das jeweilige Instrument spielen. „Ziele und Vorstellungen wachsen mit dem Kennenlernen.“

Als Musiker genießt er den Luxus, Verschiedenes ausprobieren zu können, „das Murmeltier grüßt nie“. „Das Pferd“ war also zu seiner Zeit „großartig, und dann war’s Zeit für etwas Neues“, beschreibt er unaufgeregt, wie er immer weiter Interessen ausgelotet hat, weil das sein Motor ist.
Wirkliche Existenzängste hatte er nie, „Musik musst du dir selbst erarbeiten, Antworten ergeben sich durch die Arbeit“, und Scheitern gehört dazu. „Das darf dann keine Bremse sein, sondern der Auftakt für eine weitere Auseinandersetzung.“
Als von seinem alten Schulkameraden und Freund Thomas Bohn („Straight Shooter“) angerufen wurde, ob er nicht für einen Krimi etwas komponieren könnte, „da war ich etwas zittrig, aber scheitern kenn’ ich und die Option war 50-50.“ Das Ergebnis war dann, wie nicht anders zu erwarten, klangvoll und gut, was Kazda in seiner unprätentiösen Art so beschreibt: „Es gibt kein „ausgelernt Haben“. Es gibt immer neue Herausforderungen, die du mit Hilfe von Techniken und Rüstzeug lösen kannst. Durch die Arbeit lernst du. Da kommst du an Sachen, die du vorher nicht wusstest.“

So entstand auch das Led-Zep-Projekt. „Das Bearbeiten und Arrangieren von Musik, das auch mal respektlos mit dem Ausgangsmaterial umgeht, ist mir vertraut. Ich muss mir oft auf die Finger hauen, mich streng an die vorgegebene Form, das Idiom, zu halten.“ Die Songs, die auf der Platte sind, nehmen Riffs oder Themen auf und werden erstaunlich interpretiert, oft ganz anders ausformuliert und sind dabei von eindringlicher Klarheit. Zusammen mit den Frauen von Indigo Strings ergeben sich elastische Tempi und frische Phrasierungen, die die Lieder der alten Haudegen von Led Zeppelin ziemlich cool klingen lassen. „Als nächstes gehen wir auf Tour“, beantwortet Jan Kazda die Frage nach seinen aktuellen Plänen. Alles andere ergibt sich durchs Tun. Wie immer.



Jan Kazda und Indigo Strings sind mit The Songs of Led Zeppelin am 20. Januar im Katakombentheater, Essen, und am 28. Januar im Cafe Ada, Wiesenstraße, Wuppertal, zu hören
www.jankazda.de

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