
The Change
USA 2025, Laufzeit: 111 Min., FSK 12
Regie: Jan Komasa
Darsteller: Diane Lane, Kyle Chandler, Madeline Brewer
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Beklemmende Sozialstudie
Familie am Abgrund
„The Change“ von Jan Komasa
Die Taylors scheinen eine perfekt harmonierende Familie zu sein: Gerade feiern Mutter Ellen (Diane Lane), eine Universitätsprofessorin, und Vater Paul (Kyle Chandler), ein Restaurantbesitzer, ihre Silberhochzeit im Kreise ihrer Lieben. Neu dabei ist Liz (Phoebe Dynevor), die Freundin von Sohn Josh (Dylan O’Brien). Ellen fühlt sich deswegen etwas unbehaglich und findet später heraus, dass Liz vor acht Jahren bei ihr ihre Abschlussarbeit geschrieben hat. Die darin geäußerten Thesen erschienen Ellen als radikal und gefährlich, propagierte Liz darin doch einen gesellschaftlichen Wandel hin zu einem Ein-Parteien-System, um die immer weiter auseinanderklaffenden Meinungen in den USA zu befrieden. Ellen hält Liz für gefährlich, und als diese ihre Abschlussarbeit als Buch veröffentlicht und damit einen Riesenerfolg erzielt, ist das der Beginn eines neuen Zeitalters. Im Laufe der nächsten Jahre wird sich Familie Taylor immer wieder zu Familienfesten treffen, aber die Gräben verlaufen zunehmend tiefer. Zunächst ist es Josh, dessen Ansichten ebenfalls immer radikaler werden, dann trifft es dessen ältere Schwester Anna (Madeline Brewer), die als Stand-Up-Comedienne kein Blatt vor den Mund nimmt, nun aber zur Zielscheibe einer immer intoleranter gewordenen Gesellschaft wird.
Der polnische Regisseur Jan Komasa („Suicide Room“, „Corpus Christi“) hat in seinem zweiten englischsprachigen Film (nach „Good Boy“) ein Thema aufgegriffen, das nur minimal dystopisch ist, zum Großteil aber die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen widerspiegelt. Durch diese Nähe zum Hier und Jetzt ist das in „The Change“ geschilderte Gesellschaftsbild überaus bedrückend ausgefallen und kaum zu ertragen. Komasa und seine Drehbuchautorin Lori Rosene-Gambino zeigen uns das gespaltene Amerika am Beispiel einer typischen Familie auf, die quasi zum Epizentrum der geschilderten Umwälzungen wird. Die Gesamtgesellschaft kommt lediglich in kleinen Einsprengseln am Rande vor, was in ihrer Intensität die Dramatik aber weiter steigert. In den einzelnen Episoden, die jeweils durch Jahre voneinander getrennt sind, schildern sie die Entwicklungen an der Dynamik und den Wechselwirkungen innerhalb der Taylor-Familie. Es geht der politischen Bewegung „The Change“ um Veränderung, Ziel soll eine vereinte Nation sein, in der die Unterschiede der politischen Fronten eliminiert worden sind und eine Einheitspartei für Ruhe und Ordnung sorgt. Wesentlich detaillierter wird das im Film gar nicht ausformuliert, aber man merkt anhand der Reaktionen gegenüber Andersdenkenden, zu der Familie Taylor im Wesentlichen zählt, wie repressiv und faschistisch diese Neuordnung ist. Im Mikrokosmos der Protagonisten des Films werden so auf sehr subtile Weise in klugen Dialogen die schleichenden Prozesse deutlich gemacht, die mit einer solchen gesellschaftlichen Neuordnung einhergehen. Ein unbequemer, aber wichtiger und erschreckend aktueller Film zu den politischen Umwälzungen unserer Zeit.
(Frank Brenner)

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