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Radweg noch ohne Rad

Nicht mehr radlos

Die Nordbahntrasse wird das Tal für Radfahrer attraktiver machen - Thema 07/11

Das zunehmende Umweltbewusstsein der Deutschen lässt Radfahren immer beliebter werden. Der Anteil des Radverkehrs in Wuppertal liegt allerdings schätzungsweise nur bei zwei Prozent – einem der niedrigsten Werte deutscher Großstädte überhaupt. Die Gründe dafür sind vorrangig in der Topografie der Stadt zu suchen. „Wuppertal hat enorme Höhenunterschiede“, erklärt Klaus Lang vom Wuppertaler Kreisverband des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.).

Bei Fahrten zu den Arbeits- oder Wohnorten wird genau dies zum Problem. Wenig attraktiv sind zudem die hohe Dichte von Ampeln und fehlende Radverkehrsanlagen, doch die „schmalen, steilen Straßen sind nicht umzubauen“, so Lang. Dass der Anteil der Radfahrer am Stadtverkehr dennoch steigt, liegt nicht allein an der zunehmenden Popularität der Elektrofahrräder, die eine Bewältigung der Höhenunterschiede deutlich erleichtern. Aber da mag es noch einen anderen, eher psychologischen Grund geben. Laut Lang „sieht man viel mehr Radfahrer seit Planung der Nordbahntrasse“. Rund 20 Kilometer lang zieht sich die stillgelegte Eisenbahntrasse über die Nordhöhen Wuppertals durch das Stadtgebiet und könnte zukünftig das Rückgrat des Radverkehrs in der Stadt bilden.

Der etwa 500 Mitglieder starke Kreisverband des ADFC macht sich für die Interessen der Radfahrer in Wuppertal stark und will etwa die Verkehrssituation an Gefahrenstellen oder durch die Öffnung von Einbahnstraßen verbessern. Nur folgerichtig, dass der ADFC die im Jahre 2006 gegründete Wuppertalbewegung e.V. bei dem ehrgeizigen Projekt unterstützt, die alte Trasse für Fußgänger und nicht motorisierten Verkehr nutzbar zu machen. In weniger als einem Kilometer Entfernung zur Trasse leben etwa 100.000 Einwohner – etwa 16.000 Schüler besuchen in diesem Gebiet eine Schule. Die umgebaute Trasse wäre kreuzungsfrei befahrbar und passiert ohne merkliche Höhenunterschiede zahlreiche Seitentäler und Höhenrücken. Durch die Vermeidung steiler Auf- und Abstiege würde die Verbindung benachbarter Stadtteile nicht nur vereinfacht, sondern auch verkürzt. Fahrten mit dem Rad zur Arbeit oder Schule würden ungleich attraktiver – der Anteil des motorisierten Individualverkehrs könnte reduziert werden.

In weniger als einem Kilometer Entfernung zur Trasse leben etwa 100.000 Einwohner

Die Umsetzung des Projekts gestaltet sich jedoch zeitaufwendig. Laut Lang ist die Nordbahntrasse „komplexer als viele andere Trassen“ und durch ihre sieben Tunnel sowie über 50 Brücken und Viadukte ergibt sich ein „enormes Potential an Schwierigkeiten“. Zurzeit sind nur kurze Streckenabschnitte befahrbar. Zentrales Anliegen des ADFC ist es, dass kurzfristig möglichst viele befahrbare Teilstücke entstehen und diese an das innerstädtische Verkehrsnetz über sichere Zufahrten und Zugänge angebunden werden. Die Nordbahntrasse soll zudem möglichst bald mit dem Netz der bergischen Bahntrassen verknüpft werden, damit NRW von der Ruhr bis zur Sieg ein durchgängiges Radnetz aus Bahntrassen bekommt. Zusammenhängend befahrbar, so glaubt Lang, sei die Nordbahntrasse wohl aber erst in frühestens drei Jahren.

www.adfc-wuppertal.de

MARTIN THELEMANN

Tags: Thema 07/11

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