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Dietrich Bonhoeffer
Foto: Privatbesitz Reproduktion Gedenkstätte Deutscher Widerstand

„Sie war stumm, wo sie hätte schreien müssen (...)“

23. April 2020

Lesung zu Dietrich Bonhoeffers 75. Todestag – Literatur 04/20

Während sich viele Menschen der Ideologie des NS-Regimes ergaben, setzte sich Dietrich Bonhoeffer für Empathie und Zivilcourage ein. Sein politischer Widerstand war zugleich religiös motiviert – und resultierte letztendlich in seiner Hinrichtung am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg.

Schon als im April 1933 zum sog. „Judenboykott“ aufgerufen wurde und der sog. „Arierparagraph“ jüdische Mitbürger aus dem öffentlichen Leben verdrängen sollte, publizierte Bonhoeffer kurz vor Durchsetzung rigoroser Zensurmaßnahmen den Aufsatz „Die Kirche vor der Judenfrage“. Er war damit einer der ersten evangelischen Theologen, der die Rolle der Kirche im NS-Regime offen thematisierte und jene anprangerte, die Verbrechen an jüdischen Mitbürgern schweigend hinnahmen. In nächtlichen Protestaktionen verteilte er zusammen mit Gleichgesinnten im Herbst 1933 unmissverständliche Flugblätter: „Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen.“

Auch ein Rede- und Schreibverbot hielt ihn nicht davon ab, sich gegen politische Machthaber und Mitläufer aufzulehnen. Im April 1943 erfolgte dann die erste Inhaftierung. Während Bonhoeffer mit befreundeten Gefängniswächtern seine Flucht aus dem Gestapo-Bunker plante, fand die SS weitere Akten, die seine Beteiligung am gescheiterten Hitler-Attentat im Juli 1944 und sein Ziel der „völligen Vernichtung des ganzen Hitlerregimes“ nachweisen sollten.

75 Jahre später befindet sich Europa in einer Zeit des Umbruchs. Rechtspopulisten plädieren für Grenzschließungen, verwehren Geflüchteten Asyl, Rassisten scheuen sich nicht, Menschen aufgrund von Glaube oder Herkunft anzugreifen oder gar zu ermorden – als habe man aus der Geschichte nichts gelernt.

Bonhoeffers Predigten, Briefe und Gedichte werden in der Evangelischen Kirche Herzkamp vorgetragen durch den renommierten Schauspieler und Sprecher Peter Lohmeyer. Die musikalische Begleitung erfolgt durch Nuron Mukumi u.a. mit Werken von Chopin und Liszt. Das passt besonders gut, denn Bonhoeffer war nicht nur Theologe und Widerstandskämpfer – sondern auch ein begnadeter Pianist.

Lesung und Musik | Termin fällt zunächst aus | Evangelische Kirche Herzkamp | 0202 528 80 96

LISA JURECZKO

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