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Fragen der Zeit      Zukunft JETZT

FRAGEN DER ZEIT
Redaktionsskizze: wie engels & Co. das jeweils nächste Thema planen.

Drei Magazine in NRW – ein THEMA

Foto (Ausschnitt): Ystewarthenderson / Adobe Stock

Der vielleicht beste Reisepass der Welt sei der deutsche, heißt es. Sind Deutsche also so gut wie überall gerne gesehen? Klischees halten sich, beispielsweise über nörgelnde deutsche Touristen, denen die Ferne dann doch zu wenig heimatlich ist, über den mangelnden Humor der Deutschen, ihre spießige Pünktlichkeit oder ihren Bürokratieeifer. Wahr ist trotzdem, dass Deutsche eine erstaunliche Reisefreiheit genießen, ob mit oder ohne Visa. Dabei ist seit der Kriegstreiberei und den Kriegsverbrechen des Deutschen Reichs und der Nationalsozialisten, ist seit dem Holocaust gerade einmal ein (langes) Menschenleben vergangen. Dazu beigetragen haben weithin bekannte Entwicklungen, vom wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas und Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg unter Führung der USA über eine Jahrzehnte währende öffentliche Erinnerungsarbeit bis zur vorsichtigen Einbindung Deutschlands in die Staatengemeinschaft. So ist die Bundesrepublik heute ein Staat wie die meisten, den alten Größenwahn unterstellt ihr niemand mehr ernsthaft. Sind die Lehren aus der Geschichte also gezogen, wirkt die selbstkritische Auseinandersetzung fort und hilft sie auch angesichts neuer Herausforderungen?

 

Teil 1: ALTES LAND


Deutschland, Südkorea, Japan. Drei Beispiele für „alte“ Länder, für Länder in denen der Altersdurchschnitt der Bevölkerung überdurchschnittlich gestiegen ist. Der demographische Wandel ist so gut erforscht, dass keine Regierung, kein Ministerium behaupten darf, die Herausforderung nicht längst zu sehen, namentlich für die Zukunft der Renten. Zugleich sehen die jungen Generationen diese Herausforderung missachtet, ähnlich wie die Herausforderung des Klima- und Artenschutzes. Diesen Generationenkonflikt tragen sie nicht mit den „Kriegstätern“ aus, sondern mit den „Boomern“, die auf Jahrzehnte des Wohlstands zurückblicken und sich durch die kommenden Risiken kaum mehr gefährdet sehen. Vernunft ist nicht nach Generationen verteilt und eine schroffe
Opposition Alt vs Jung absurd. Trotzdem liegt es auf der Hand, dass sich die Politik an den Interessen der größten Wählerschichten orientiert – zu denen die Jüngsten keinesfalls zählen – oder an den Interessen der mutmaßlich mächtigsten, also: reichsten Wählergruppen. Das Beharren der Jugend und ihrer Verbündeten, die Frage des Klimaschutzes anzugehen, wird u.a. in einer bemerkenswerten Drehung zurückgewiesen: Es sei arrogant anzunehmen, Deutschland allein könne hier etwas ausrichten – zu gering sei das CO2-Einsparpotential, naiv die Anmaßung, den anderen Nationen vorwegzugehen. Der Abschied vom Größenwahn als Rechtfertigung, nichts zu tun? Zu den Wirren dieser Annahme gehört, dass Deutschland schlicht kein Vorreiter im Klimaschutz ist, von einem Vorweggehen kaum die Rede sein. Beispielsweise findet Deutschland sich in Europa allenfalls im Mittelfeld, wenn es um die Förderung alternativer Energien geht.

 

Teil 2: KRIEGSLAND

 

Zur selbstkritischen Einnerungsarbeit fand Deutschland spät. Die Einbindung von Nationalsozialisten in Regierung und Verwaltung traf kaum auf ernsten Widerspruch, als vorrangig galt, erfahrene Köpfe zu gewinnen, nicht integre. Die Fassungslosigkeit nicht zuletzt der Jugend über diese Kontinuität, über das Schweigen und Leugnen mündete in den ersten Generationenkonflikt der Bundesrepublik und das Entstehen einer Friedensbewegung. Das SPD-Mitglied Beate Klarsfeld ohrfeigte am 7. November 1968 Bundeskanzler Kiesinger auf einem CDU-Parteitag und begleitete das mit dem mehrfachen Ausruf „Nazi“. Fast zeitgleich wurde der Ausspruch von SPD-Bundespräsident Heinemann, er liebe seine Frau, keine Staaten, Sinnbild für ein entspanntes Staats- und Bürgerverständnis, das für keine politischen Machtfantasien korrumpierbar sein soll. Ein Nachhall der Klarsfeldschen Ohrfeige war am 5. Februar 2020 zu spüren als der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit den Stimmen der AfD zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt worden war: Susanne Hennig-Wellsow, die damalige Linke-Landtags-Fraktionsvorsitzende verweigerte ihm die Gratulation und warf ihm stattdessen den Blumenstrauß vor die Füße. Der politische Rechtsruck war da bereits offenkundig, entsprechende Tendenzen in Sicherheitsbehörden augenfällig, die Diskussion um Ex-SPD-Mitglied Sarrazin schien fast vergessen als die Diskussion um das CDU-Mitglied Maaßen begann. Politiker zeichneten sich auch davor nicht durch eine Hemmschwelle aus, Gemeinschaft auf Kosten von Minderheiten zu beschwören, erinnert sei die Leitkulturdebatte oder an einen Slogan wie „Kinder statt Inder“ (Jürgen Rüttgers).

 

Teil 3: FRIEDLICHES LAND


„Die Welt zu Gast bei Freunden“ lautete das Motto der Fußball-WM 2006 in Deutschland. Deutsche Nationalflaggen wurden damals geschwenkt, unbefangen und selbstverständlich wie kaum je, während Nationen aus aller Welt zum sportlichen Wettkampf begrüßt wurden. Die Kulisse konnte suggerieren, hier habe ein Land zu sich selbst und zu kultureller Offenheit gefunden. Knapp 10 Jahre später trafen wie unversehens Flüchtlinge in ungeahnter Anzahl in Deutschland ein und wurden von weiten Teilen der Gesellschaft verständnisvoll, ja enthusiastisch empfangen. Die politische Debatte ist seitdem lebhafter geworden. Wurde die Politik unter Merkel lange Zeit mit dem Label „alternativlos“ versehen, was suggerierte, dass Diskussion grundsätzlich sinnlos sei, hat sich das drastisch geändert, auch infolge neuer politischer Extreme – womit noch nichts über die Qualität der Diskussion gesagt ist. Dieser diskursive „Unfriede“ ist demokratisch wünschenswert. Unstrittig dürfte aber auch sein, dass insbesondere Minderheiten vielleicht vermehrt Gründe haben, um ihre Gesundheit und ihr Leben zu fürchten. Dafür stehen der Anschlag in Halle vom 9. Oktober 2019, der Anschlag in Hanau vom 19. Februar 2020 oder der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke am 1. Juni 2019. Dafür stehen auch die Dauerpräsenz von Netz-Hetze oder Drohbriefe an öffentliche Personen, die zum Teil offenbar mit Hilfe von Polizisten und polizeilicher Infrastruktur zugestellt wurden. Nach Jahrzehnten der Zurückhaltung sind auch Auslandseinsätze der Bundeswehr längst wieder Alltag – und damit die Diskussion, wo die Grenze zwischen internationaler humanitärer Verantwortung und Neoimperialismus verläuft.


Ihre engels-Redaktion

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