Park Chan-wook („Lady Vengeance“, „Die Frau im Nebel“) adaptiert das Buch „Die Axt“ des Amerikaners Donald E. Westlake aus dem Jahr 1997 - mit Irrwitz und Tragödie. Die Story von „No Other Choice“ geht so: Man-su (Lee Byung-hun) bildet mit seiner Frau Mi-ri (Son Ye-jin), zwei Kindern und zwei Hunden die friedfertige bürgerliche Bilderbuchfamilie. Bis er plötzlich vor dem Nichts steht, als ihm seine Firma in Folge von Umstrukturierungen kündigt. Sicherheiten schwinden, das Selbstbewusstsein krankt, schon bald steht das Haus vor der Zwangsversteigerung. Als Mi-ri beiläufig fragt, warum der Job-Rivale nicht einfach vom Blitz getroffen werden kann, setzt sie ungeahnt Impulse: In Man-su keimen fortan Abgründe. Eine (viel zu) kleine Topfblume ist nur der Beginn einer mörderischen Odyssee, mit der sich das Familienoberhaupt zurück in gute Zeiten zu rücken gedenkt. Nur: So ein Mord will erst einmal begangen werden. So komisch Parks neues Drama auf den ersten Blick anmutet, so sehr zieht es uns in seinen Bann. Zum einen, weil Park Chan-wook wie üblich dadurch überzeugt, wie er die Dinge in Szene setzt: Bildgestaltung (Kim Woo-hyung), Montage (Kim Ho-bin, Kim Sang-beom), Rhythmus, Spannungsbogen – Park schafft erneut eine elegante Gesamtkomposition. Zum anderen ist „No Other Choice“ zwar nicht kompliziert, aber komplex. Wenn Park Männlichkeit und Seele seziert, wenn er Machtmechanismen bloßlegt und Gewalt diskutiert. Wenn Park den Schulddiskurs entfacht. Ein prächtig gestalteter, böser Spaß.
Orte sind für den französischen Comiczeichner Yan die wichtigste Inspirationsquelle. Für sein neuestes Werk begibt sich der mürrische Eigenbrötler deshalb in die verschneite koreanische Küstenstadt Sokcho und lässt sich von der 23-jährigen Pensionsangestellten Soo-ha die Umgebung zeigen. Er ahnt nicht, dass er damit nicht nur ihren Alltag durcheinanderwirbelt, sondern auch alte Wunden aufreißt. Während der Winter die Stadt fest im Griff hat, beginnen verdrängte Gefühle aufzutauen. Mit ausdrucksstarken Bildern fängt Koya Kamura in seinem Spielfilmdebüt „Winter in Sokcho“ eine Hafenstadt ein, die zugleich anziehend und abweisend ist. Auch die Handlung steht im Spannungsfeld von Isolation und Intimität, sodass die Adaption des Romans von Elisa Shua Dusapin trotz geringem Tempo durchaus zu fesseln weiß.
Der irakische Diktator Saddam Hussein hat bald Geburtstag. Während die Lebensmittel im Land aufgrund des Zweiten Golfkriegs und der UN-Sanktionen immer knapper werden, muss ausgerechnet die 9-jährige Lamia einen Kuchen für die Feierlichkeiten backen. Gemeinsam mit ihrem Hahn Hindi und ihrem Klassenkameraden Saeed macht sie sich in der nahegelegenen Stadt auf die Suche nach den Zutaten. Doch ohne Geld kommt sie nicht weit – sie muss erfinderisch sein. Hasan Hadis Werk „Ein Kuchen für den Präsidenten“ ist der erste irakische Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes vorgeführt wurde. Er zeigt darin ein Regime, das sich nicht für seine notleidende Bevölkerung interessiert – und den Preis, den die Menschen für die Selbstinszenierung der Regierung zahlen müssen. Trotz des ernsten Hintergrundes ein Film voller Hoffnung.
Außerdem neu in den Kinos in und um Wuppertal: die Stefan-Zweig-Adaption „Ungeduld des Herzens“, die Dokumentation „Triegel trifft Cranach – Malen im Widerstreit der Zeiten“ von Paul Smaczny und der nächste Horrorschwank „Return to Silent Hill“ von Christophe Gans.
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