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John Jaspers, 2018
Foto (Ausschnitt): Frank Vinken

„Licht zieht Menschen an“

25. Juni 2026

Direktor John Jaspers über „Light Dialogues“im Zentrum für internationale Lichtkunst in Unna – Sammlung 07/26

Die Ausstellung in dem ehemaligen Brauereikeller setzt verschiedene künstlerische Positionen zum Umgang mit Licht in Beziehung zueinander.

engels: Herr Jaspers, wie hat sich die Kunstwelt verändert, seit Dan Flavin die erste gelbe Neonröhre an eine Wand geschraubt hat?

John Jaspers: Danach haben Künstler:innen ihn nicht einfach kopiert, sondern das weitergeführt, was er begonnen hatte. So wie er seine Leuchten und Lampen damals in Geschäften oder Baumärkten in Manhattan kaufte – ich habe sogar Exemplare mit Preisschildern gesehen – wurde Neon später von vielen als künstlerisches Material aufgegriffen. Neon gehörte damals nicht zur Kunst. Es war ein neues Material, das erst ab den 1960er-Jahren in die Kunst eingeführt wurde. Die nachfolgenden Generationen haben den Ansatz erweitert, und in den letzten Jahren wurde Neon in der Kunst sehr intensiv eingesetzt. In einer früheren Ausstellung, „Neon Delight“, haben wir einen Überblick darüber gezeigt, wie Neon seit den 1960er-Jahren bis heute in der Kunst verwendet wird. Wenn man fragt, wie sich die Kunstwelt – oder speziell die Lichtkunst – entwickelt hat, lässt sich sagen: Sie bewegt sich zunehmend in Richtung von Ausstellungen, in denen Computer, Programmierung, künstliche Intelligenz und Algorithmen eine zentrale Rolle spielen. Das könnte eine mögliche Zukunft der Lichtkunst sein. Gleichzeitig geht es um grundlegendere Fragen. Der Künstler Anthony McCall, den wir einmal gezeigt haben, sagte dazu: Lichtkunst zu präsentieren sei schwierig, weil sie stark von Technologie abhängt – von Leuchtmitteln, die irgendwann nicht mehr verfügbar sind. Tatsächlich ist es so, dass viele Lichtquellen heute nicht mehr verwendet werden dürfen, weil sie verboten wurden. In der EU betrifft das zum Beispiel Leuchtstoffröhren, Glühbirnen und Halogenlampen. Vielleicht wird auch Neon eines Tages folgen. Das hätte große Konsequenzen für Museen, die Lichtinstallationen zeigen. Hinzu kommt, dass es immer weniger Fachleute gibt, die mit Neon arbeiten. Die Bewahrung von Lichtkunst für kommende Generationen ist daher eine sehr aktuelle Frage. Gemeinsam mit dem Hamburger Bahnhof beschäftigen wir uns im November beim SymposiumLights On! Sustaining Light-Based Art genau mit diesem Thema.

Braucht Lichtkunst immer Strom – oder geht das auch mit Kerzen?

Theoretisch haben Künstler vielleicht im Mittelalter mit Kerzen gearbeitet, aber für Lichtkunst im heutigen Sinne reicht das nicht aus. Es gibt zwar Kunstwerke, die mit Tageslicht arbeiten oder mit farblichen Veränderungen und diffusem Licht experimentieren, abergrundsätzlich gilt: Fällt im Museum der Strom aus, verschwindet auch die Lichtkunst. Und in unseren unterirdischen Gewölben sind Kerzen ohnehin nicht erlaubt.

Was erwartet Besucher:innen in der Ausstellung „Light Dialogues“?

In der Ausstellung sind viele klassische Arbeiten und bedeutende Namen der Lichtkunst vertreten, darunter Dan Flavin, Maurizio Nannucci, Tracey Emin, François Morellet, Brigitte Kowanz und Jeppe Hein. Insgesamt zeigen wir 20 Werke aus dem Schauwerk Sindelfingen. Die Ausstellung ist in drei thematische Bereiche gegliedert: Form, Farbe und Zeichen. Sie erstreckt sich über vier große Räume. Der erste Raum dient als eine Art Prolog und vereint alle drei Themen. Der zweite Raum widmet sich der Form – mit Arbeiten aus rein weißem Licht, darunter auch hybride Werke, die gleichzeitig Bezüge zu Zeichen herstellen, etwa Brigitte Kowanz’ „Morsealphabet“, das mit Punkten und Strichen auf Sprache verweist. Im dritten Raum steht die Farbe im Mittelpunkt, unter anderem mit „Lamentable“ von Morellet sowie weiteren Arbeiten von Dan Flavin. Der vierte Raum wirkt fast sakral. Dort sind fünf Meter hohe Textarbeiten des italienischen Künstlers Maurizio Nannucci zu sehen.

Auch Tracey Emin ist mit einer Schriftarbeit vertreten?

Ja, genau. Tracey Emin zeigt eine Schriftarbeit mit dem Titel „You Touch My Soul“. Wie bei der Lichtkunst insgesamt stehen auch hier Wirkung, Atmosphäre und Bedeutung im Vordergrund. Selbst nach vielen Jahren im Museum ist es immer wieder beeindruckend, wie stark diese Arbeiten wirken.

Was macht diese zwanzig Werke zu Ikonen der Lichtkunst?

Das liegt einerseits an den großen Namen und ihrer kunsthistorischen Bedeutung, andererseits an der Wirkung der Arbeiten selbst. Viele Besucher:innen kennen historische Werke von François Morellet, Keith Sonnier oder Dan Flavin bereits, erleben sie hier jedoch in einem völlig neuen Kontext. In unseren Kellergewölben entfalten die Arbeiten eine besondere Atmosphäre – manche Besucher fühlen sich dabei sogar an Katakomben in Rom erinnert. Diese Kombination ist außergewöhnlich.

Aktuelle Installationsansicht „Light Dialogues“, Foto: Hannes Woidich

Wie schwierig ist die museale Erhaltung dieser Werke?

Sehr schwierig. Ich weiß vom Studio Dan Flavin, dass weltweit versucht wird, noch so viele Leuchtstoffröhren wie möglich zu sichern, um die Werke einige Jahre weiter erhalten zu können. Mehr als vier bis fünf Jahre wird das vermutlich nicht helfen. Die Frage ist also: Was passiert, wenn diese Leuchtmittel nicht mehr verfügbar sind? Schon jetzt ist die Installation solcher Werke aufwendig. Für manche Arbeiten mussten wir Spezialisten aus ganz Deutschland holen. Bei einem vergleichsweise kleinen Werk von Astrid Klein – etwa zwei mal ein Meter – mussten beispielsweise 116 Löcher gebohrt werden, und der Aufbau dauerte drei Tage mit zwei Personen.

Gilt das auch für ältere Leuchtmittel wie Glühbirnen?

Ehm, Ja, grundsätzlich schon. Allerdings sehe ich klassische Glühbirnen in der Kunst heute seltener. Ich habe einmal in den Niederlanden in einem Lichtkunstmuseum gearbeitet, direkt in einer ehemaligen Philips-Fabrik, in der noch historische Glühbirnen produziert wurden. Diese hatten dort oft nur eine Lebensdauer von etwa zwei Monaten und mussten ständig ersetzt werden. Da bin ich froh, dass es jetzt LED-Leuchten gibt. Die Zukunft der Lichtkunst wird also weiterhin von technischen Herausforderungen geprägt sein.

Wie lässt sich Lichtkunst einem breiten Publikum vermitteln?

Das ist eigentlich gar nicht so schwierig. Lichtkunst spricht Menschen direkt an. Ich sage oft: Licht zieht Menschen – und auch Motten – an. Sie wirkt unmittelbar auf Sinne und Emotionen und beeinflusst die Stimmung stark. Wir erleben in Unna im Zentrum für Internationale Lichtkunst immer wieder, dass Besucher:innen, die zuvor noch nie ein Museum besucht haben, tief beeindruckt sind. Gleichzeitig sind wir durch die fotogene Wirkung der Werke und die starke Präsenz in sozialen Medien auch zu einem beliebten Selfie-Ort geworden.

Die KI spielt dabei auch eine Rolle?

Ja, die Künstliche Intelligenz spielt inzwischen ebenfalls eine aktive Rolle.

Light Dialogues | bis 10.1.2027 | Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna | 02303 103 45 67

Interview: Peter Ortmann

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