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Punkt, Punkt, Komma, Strich: „Das lange ungelernte Leben des Roland Gethers“ von Shane Simmons
Bild: avant-verlag

Bildungsroman in Bildern

01. Mai 2020

Teenage Angst, Culture-Clash und die Klassenfrage – ComicKultur 05/20

Charles Burns hat sich immer wieder mit der sogenannten Teenage Angst auseinandergesetzt, nicht zuletzt in seinem Epos „Black Hole“. Sein neuestes Werk ist ebenfalls größer angelegt, in Deutschland und Frankreich erscheint mit „Daidalos“ nun vorab der erste Teil als Einzelband: Er begleitet Burns Alter Ego Brian dabei, wie er Laurie kennenlernt. Obwohl – freuen ist vielleicht das falsche Wort. Denn die Annäherung ist holprig und voller Unsicherheiten und gleitet bei Brian immer wieder in alptraumhafte Szenarien ab, die an David Lynch erinnern … Nerd trifft Schönheit könnte die Überschrift dieser in satten Farben und klarem Strich gezeichneten Story lauten (Reprodukt).

Shane Simmons erzählt in seinem groß angelegten Epos „Das lange ungelernte Leben des Roland Gerthes“ von einem Bergarbeitersohn, der sich in der Unterschicht zwischen Lehrling, Soldat, Grubenarbeiter und Kriegsversehrter durch das Leben schlägt. 1860 geboren, Ende der 1940er Jahre gestorben, erlebt er die Klassenunterschiede mit seinen sozialen Ungerechtigkeiten, den Krieg mit seinen Grausamkeiten, die Religion mit seinen Absurditäten und das Familienleben mit allen Aufs und Abs. Als grafischen Gesellschaftsroman konnte Simmons das nur umsetzen, indem er die sprechenden Figuren nur als Punkt vor weißer Fläche gezeichnet hat, die bissig-ironischen Dialoge darüber. Das funktioniert bei aller Abstraktion ausgesprochen gut. Es ist zu hoffen, dass der avant-verlag auch die beiden anderen sogenannten „Longshots“ von Simmons mit Biografien eines Enkels und eines Großvaters von Roland Gerthes veröffentlicht.

Auch der „Der Araber von morgen“ ist eine Biografie – sogar eine Autobiografie. Der Comiczeichner und Filmregisseur Riad Sattouf erzählt von seiner Kindheit als Sohn einer Französin und eines zunehmend extremistischen Arabers zwischen Syrien, Saudi-Arabien und der Bretagne. Der vierte und mit 280 Seiten bislang dickste Band umfasst „Eine Kindheit im Nahen Osten (1987 – 1992)“ und ist der bisherige Höhepunkt der Reihe. Zwischen Culture-Clash, religiösem Irrsinn und Liebesnöten begleiten wir den kleinen Riad durch emotionale Höhen und Tiefen (Penguin Verlag).

Christian Meyer-Pröpstl

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