Besuch
Traditionell wird zur Eröffnung der Berlinale von der Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin das zurückliegende Jahr in Daten aufbereitet. Während am Jahresanfang lediglich die wichtigsten Verleiher und Kinos ihre Zahlen veröffentlichen, liefert die FFA eine exakte Auswertung, die nicht nur den Besuch, sondern auch noch viele andere wichtige filmstatistische Daten umfasst. Mit 126,6 Mio. verkauften Tickets wurden fast exakt 20 Mio weniger in den Kinos verkauft und sie sind rein rechnerisch fast ausschließlich auf den deutschen Marktanteil anzurechnen. In 2009 gingen 40 Mio Menschen in deutsche Filme, 2010 waren es nicht einmal mehr 21 Mio. Es ist leider sofort erkennbar, wenn in einem Jahr kein Film von Till Schweiger oder Bully Herbig auf den Leinwänden zu sehen ist. Wie wichtig dies ist, zeigt der starke Erfolg von Kokowäh, der vor einigen Wochen startete. Für 2011 werden mit zwei Filmen, in denen Bully mitspielt oder die er produziert (Wiki in 3-D und Hotel Lux) und einem weiteren von Till Schweiger (Keinohrhasen 3) die wichtigsten deutschen Kassenmagneten ihre Anziehungskraft ausüben.
Umsatz
Der Besuchererosion von 13,5 % stand allerdings ein deutlich niedrigerer Umsatzrückgang von 5,7 % gegenüber. Gleichwohl fiel der Umsatz von 976,1 auf 920,4 Mio. Der deutlich gestiegene Eintrittspreis ist aber weniger Resultat allgemeiner Preiserhöhungen, sondern dem immer stärker werdenden Besuch von 3D-Filmen geschuldet. Sind im Jahr 2009 6,9 Mio Besucher in dreidimensionale Filme gegangen, waren es im vergangenen Jahr etwa 18,4 Mio. Damit wurde jede sechste Kinokarte für einen 3-D Film erworben, obgleich der Anteil am Gesamtfilmangebot unter 5 % lag.
Filme
Während die Anzahl von 3-D-Filmen mit der Verbreitung entsprechender Projektionssysteme stark gestiegen ist, ist die Gesamtzahl der aufgeführten Filme rückläufig. Nur 146 amerikanische Erstaufführungen kamen ins Kino, der niedrigste Wert seit 2005. Mit 189 ist erstmals seit 2003 die Anzahl der deutschen Premieren wieder gesunken (2009: 217). Zusammen mit den Produktionen aus anderen Ländern kamen dennoch 507 Filme ins Kino, sechs weniger als im Vorjahr. Der Begriff deutsche Erstaufführung ist allerdings etwas verwirrend, denn viele der Filme haben ihre Erstaufführung auf Festivals oder in wenigen Großstadtkinos und treiben die Anzahl künstlich in die Höhe. In Städten wie Wuppertal dürfte die Anzahl der gezeigten Filme etwa bei der Hälfte liegen.
Kinos
Ein weiterer wichtiger statistischer Befund betrifft die Anzahl der Kinos und Leinwände. Diese ist seit fünf Jahren rückläufig und hat mit 4.699 Leinwänden einen Tiefststand. Zwar wurden im vergangenen Jahr 95 Leinwände neu- oder wieder eröffnet, gleichzeitig kam es aber zu 130 Schließungen. Während die Schließung von Kinos in Großstädten zwar beklagt werden kann, ist das Kinosterben auf dem Land von größerer kulturpolitischer Bedeutung. Denn das Verschwinden des letzten Kinos in einem Ort bedeutet einen Verlust an lokaler Kulturarbeit. In insgesamt 954 Städten und Gemeinden gibt es noch ein Filmtheater, 22 weniger als im Vorjahr. Aus diesem Grund sieht die Filmpolitik eines ihrer wichtigsten Augenmerke darin, gerade diesen gefährdeten Kinos die Überführung in die digitale Welt zu ermöglichen, um hier Investitionsimpulse zu setzen, und somit erneut Nachfrage binden zu können.
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