Rund 10 Prozent aller Frauen haben Studien zufolge noch nie einen Orgasmus erlebt, und laut einer amerikanischen Studie erlebt nur ein Drittel der befragten Frauen in einer heterosexuellen Partnerschaft einen Orgasmus - bei den Männern hingegen sind es 95 Prozent. Diesem oft tabuisierten Thema nimmt sich die französische Regisseurin Reem Kherici in ihrer neuen romantischen Komödie „Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust“ an. Darin geht es um Fanny (Alexandra Lamy) und Tom (François Cluzet). Die beiden sind seit 20 Jahren verheiratet, haben eine gemeinsame Tochter (Mitty Hazanavicius) und sind mehr oder weniger glücklich miteinander. Doch eine Sache hatte Fanny noch nie: einen Orgasmus. Entschieden, das zu ändern, geht sie zu einer Sexualtherapeutin (Reem Kherici) und erzählt Tom von ihrem Wunsch. Nach Toms erster Bestürzung machen sich die beiden gemeinsam daran, Fanny endlich einen Orgasmus zu bescheren. Sie recherchieren online, gehen gemeinsam auf eine Swingerparty, unternehmen eine abenteuerliche Fahrt über einen mit Kopfsteinpflaster versehenen Kreisverkehr und klauen den Drogenvorrat ihrer Tochter. Doch richtig klappen will nichts davon. Doch Tom kommt auf eine Idee: Er ist Ingenieur hat schon diverse elektronische Apparate erfunden - warum nicht ein Sexspielzeug entwickeln, das Fanny auf dem Weg zum Orgasmus unterstützt? Nach einigen Rückschlägen ist das Paar am Ende tatsächlich erfolgreich - und schafft es nicht nur, Fanny endlich einen Orgasmus zu bescheren, sondern auch einen Verkaufsschlager zu landen. All das erzählt Reem Kherici in ihrer vierten Regiearbeit mit einer mitreißenden Lebensfreude. Zudem lässt Kherici auch leise Zwischentöne anklingen, etwa wenn Tom sich verletzlich zeigt, weil sein Selbstbewusstsein unter dem Verlust seiner Arbeitsstelle leidet. Die größte Stärke des Films ist, dass Kherici mit dem Fokus auf Fanny eine Geschichte über weibliche Lust erzählt, ohne den weiblichen Körper zu objektifizieren. Die Kamera fängt Fannys Emotionen und körperliches Empfinden über kreative Bilder ein, etwa wenn sie bei ihrem ersten Orgasmus samt Bettdecke plötzlich in die Luft schwebt. Kherici zeigt damit wunderbar, dass es möglich ist, weibliche Lust als etwas darzustellen, bei dem es primär um das innere Erleben geht - und nicht darum, wie das Ganze auf außenstehende (männliche) Betrachter wirkt.
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