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Neueste LED-Technik im Zoo-Palast Berlin
Foto: Presse

Atmos und Champus im Zoo

19. Dezember 2013

Filmwirtschaft 01/14

Berlin ist und bleibt die Kinohauptstadt Deutschlands. Dass sie diesen Status nicht so schnell verlieren wird, liegt nicht nur an der Vielzahl der Kinos, den glamourösen Filmpremieren, einer nahezu vollständigen Aufführung aller 500 erstaufgeführten Filme und der Berlinale sondern auch an dem Ende November wiedereröffneten Zoo-Palast.

Der im alten Berliner Westen, zwischen Bahnhof und Zoo gelegene Kinobau war einer der ersten Neubauten nach dem Krieg und wurde 1957 anlässlich der Premiere des Films „Die Züricher Verlobung“ von Lieselotte Pulver eingeweiht. Der Standort beherbergte schon seit 1913 ein Filmtheater, das nach diversen Vergrößerungen als UFA Palast am Zoo 1943 zerstört wurde. Schnell wurde der Palast zum Austragungsort der Berlinale, die es dort bis zur Eröffnung des Potsdamer Platzes aushielt. Bis zur Schließung Ende 2010 wurde das Kino von der Kette UCI betrieben. Dann drohte der Abriss, der unter anderem durch das Engagement des Berlinale Direktors Dieter Kosslick verhindert werden konnte. Dann erwarb die Bayerische Hausbau das noch weitere Gebäude umfassende Gelände und vereinbarte einen Mietvertrag mit Hans-Joachim Flebbe.

Der aus der Programmkinoszene entstammende einstige Cinemaxx-Gründer hatte sich in dieser Zeit schon aus dem operativen Geschäft mit den Multiplexen verabschiedet und erfand für Deutschland den neuen Trend der Luxuskinos. Mit dem Zoopalast hatte er ähnliches vor, einmal mehr wollte er das beste Kino überhaupt errichten. Mit Leder, Luxus und Service in der geschwungenen Nierentisch-Optik der 50er wurde der einst über 1200 Plätze umfassende Saal auf 800 breite Ledersessel mit flexibler Rückenlehne reduziert, drei Vorhänge geben den Blick auf die 200 qm große Leinwand frei und bei Premieren kommt ein zusätzlicher Wasserfall als vierter Vorhang dazu. Doch auch technisch setzt der große Saal Maßstäbe. Das Dolby-System Atmos schickt 150.000 Watt auf insgesamt 68 eigens konzipierte Konzertlautsprecher. Neben den besten Digitalprojektoren (2 x 4K in Saal 1) können auch 16, 35 und 70 mm-Filme gezeigt werden. Damit ist auch für künftige Festivalsegmente der Berlinale bestens gesorgt.

Vier weitere Säle mittlerer Größe folgen dem gleichen luxuriösen Konzept, zwei als Bibliotheken konzipierte Studios mit je 50 Plätzen und einer eigenen kleinen Bar runden das Konzept ab. Neben Technik, Luxus und Komfort steht auch ein besonderer Service bereit. Garderobe, Platzanweiser, diverse gastronomische Angebote sollen das insbesondere ältere und zahlungskräftige Publikum wieder zu verstärktem Kinokonsum verführen.

Rund 600.000 Besucher im Jahr werden erwartet. Und wer hier Schlangestehen befürchtet, kann beruhigt werden. Seit drei Jahren verhandeln die Verbände der Kinos und Filmverleiher über das papierlose Ticket, also den Zugang über den Barcode auf dem Smartphone. Am Tage der Eröffnung einigte man sich auf ein Procedere und Technik. In den nächsten Monaten werden demnach suksessive alle Kinos, die die technischen Voraussetzungen erfüllen, nicht nur den Online-Kauf sondern auch den einfachen Zugang zum Saal anbieten. Der Zoopalast bietet es schon heute an.

Grand Cinema nennt Flebbe sein Kino in Anlehnung an Grand Hotel; passend, denn direkt gegenüber hat Berlins neues Luxushotel Walldorf Astoria vor wenigen Monaten eröffnet. Zeit also, in Berlin den neuen Luxus zu genießen. Während im Hotel sicherlich stattliche Preise verlangt werden, sind die Tickets im Zoopalast ohne 3D für unter 14 € zu haben.

Übrigens: Lieselotte Pulver eröffnete auch diesmal das neue Kino und der Tagesspiegel schrieb: Der neue Zoopalast ist zum Weinen schön. Oder um einen Filmtitel zu nutzen: Besser geht’s nicht.

KIM LUDOLF KOCH

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