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Deutscher Filmpreis 2014
© Roman Babirad / DEUTSCHE FILMAKADEMIE e.V.

Lola oder der Deutsche Filmpreis

28. Mai 2014

Qualität und Publikumserfolg müssen sich nicht ausschließen – Filmwirtschaft 06/14

Vor wenigen Wochen wurde sie wieder vergeben, die Lola oder der Deutsche Filmpreis, der Ehrung und Geldsegen über die Filmproduktionen des zurückliegenden Jahres vergibt. Kurz vor der Verleihung fragte sich der Spiegel, ob diesmal vielleicht die amüsante, politisch unkorrekte und im Kino über alle Maßen erfolgreiche Produktion „Fack ju Göte“ gewinnt oder wieder einmal eine langweilige Heimatsfilmproduktion wie „Die andere Heimat“ oder „Das finstere Tal“, die beide nur mit mäßigem Erfolg im Kino zu sehen waren. Die Jury aus ca. 1600 ehemaligen Preisträgern und wichtigen Persönlichkeiten des deutschen Films, zusammengefasst in der Deutschen Filmakademie, entschied sich wie meistens für die anspruchsvollen Produktionen und übersah den Massengeschmack.

Der deutsche Filmpreis ist die älteste Auszeichnung und Förderung des deutschen Films. 1951 wurde er vom Bundesministerium des Inneren ins Leben gerufen und zeichnete als erstes den auch heute noch wunderbaren Film „Das doppelte Lottchen“ aus, inszeniert von Josef von Baky nach der Geschichte von Erich Kästner, der selbst auch den Kommentar spricht. Im Laufe seiner 64-jährigen Geschichte wechselte der Filmpreis häufig Form und Namen. Zu Beginn wurden Goldene Schalen und Goldene Leuchter vergeben, später waren es die Filmbänder in Gold und Silber, seit 1999 ist es die Lola genannte Statuette. Sie trägt den Namen mit Bezug auf Marlene Dietrichs Rolle in „Der Blauer Engel“ und den großen Erfolg von Tom Tykwers Film „Lola rennt“.

Neben der Ehrung und der damit einhergehenden Publizität verbinden sich mit dem Preis allerdings auch wirtschaftlich gewichtige Förderungen. Schon die Nominierung eines Spielfilms bringt dem Produzenten eine Fördersumme in Höhe von 250.000 €. Der Filmpreis in Gold wird dann auf 500.000 €, der in Silber auf 425.000 € und der Preis in Bronze auf 375.000 € aufgestockt. Die Nominierung von zwei Kinderfilmen und drei Dokumentarfilmen (vergeben seit 2000) bringen je 125.000 bzw. 100.000 €, die im Falle der Prämierung jeweils verdoppelt werden. Alle weiteren Preise wie für Darsteller, Kamera, Ausstattung, Kostüm usw. sind für die Nominierung nicht, der Preis allerdings dann mit 10.000 € dotiert. Alles in allem vergibt das Bundeskultusministerium (BKM) knapp drei Millionen Euro an Fördermitteln für den Filmpreis. Den Publikumspreis, den es von 1999 bis 2005 und dann wieder seit dem Jahr 2013 gibt, erhielt in diesem Jahr, wie nicht anders zu erwarten, „Fack ju Göte“.

Die vorausgewählten Filme werden auf der Berlinale gezeigt und wenige Wochen später erfolgt dann die Nominierung. Die einzelnen Sektionen der im Jahr 2003 gegründeten Filmakademie haben dann noch einmal Gelegenheit, alle nominierten Filme zu sehen und geben anschließend ihre Stimme bei einem Notar ab. Vor der Gründung der Deutschen Filmakademie vergab eine Jury, die sich aus Filmschaffenden, Journalisten, Politikern und Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppen zusammensetzte, die Preise. Nach dem amerikanischen Vorbild der den Oscar verleihenden Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences wird der Preis seit 2004 vergeben.

Die erfolgreichsten Produktionen im Sinne der Anzahl der Auszeichnungen der letzten Jahre waren mit zehn Preisen „Das weiße Band“ (2010), gefolgt von „Rossini oder Die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ (1997), „Good Bye, Lenin!“ (2003) und „Das Leben der Anderen“ (2006) mit jeweils sieben Ehrungen ohne Publikumspreise. Manchmal fallen Qualität und Publikumserfolg dann doch zusammen.

KIM LUDOLF KOCH

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