Ein geheimnisvoller Teenager gibt vor, mit dem Tretboot gekentert zu sein, als er in einer Luxusvilla am Seeufer anklopft. Nach und nach lernt Damien die Menschen kennen, die in der Villa eines gerade verstorbenen Künstlers leben. Damiens Geheimnis und seine wahren Beweggründe kennen sie aber nicht, bis eine Katastrophe die Versammlung der illustren Gesellschaft beendet. Sacha Goerg balanciert mit „Das Mädchen aus dem Wasser“ auf einem schmalen Grat zwischen Realismus und Fantastik, der das ein und andere Mal die Story in neue Bahnen wirft. Das ist für den Leser gleichermaßen verwirrend und anstrengend wie es spannend und erbaulich ist (Reprodukt). „Der Unterwasser-Schweisser“ von Jeff Lemire weist einige überraschende Parallelen zu Georgs Geschichte auf. Zumindest Wasser und ein toter Vater spielen darin eine Rolle: Jack steht kurz davor, Vater zu werden, doch seiner hochschwangeren Frau ist er gerade keine Stütze. Je näher die Geburt herannaht, desto mehr denkt er an seinen Vater und dessen Tod vor 20 Jahren. Als er selbst erst zehn Jahre alt war, ist er von einem Tauchgang nicht zurückgekehrt. Nun zieht es Jack magisch in die Meerestiefen, wo das Geheimnis um den Tod seines Vaters begraben liegt. Jeff Lemire hat sich mit sehr emotionalen Familiengeschichten wie in der Trilogie „Essex County“, aber auch mit düsteren Genrestoffen wie „Sweet Tooth“ einen Namen gemacht. Hier vermag er auf gleich hohem Niveau beides miteinander zu verbinden. Eine Geschichte mit der Sogkraft eines Malstroms (Hinstorff).
Frenk Meeuwsen hat seine biografische Graphic Novel mit seinem Weg zum Zen-Buddhismus unterfüttert, oder umgekehrt – seine Graphic Novel über Zen-Buddhismus mit autobiografischen Anekdoten angereichert. Das eine ist vom anderen nicht zu trennen. Und so erfahren wir in „Zen ohne Meister“ allerlei Reflexionen über Zen und erleben zugleich, wie Frenk vom holländischen Jungen mit finsteren Selbstzweifeln zum entspannten, undogmatischen Zen-Buddhisten in Japan wird, wo er als Zeichner arbeitet. Die kontrastreichen Zeichnungen wechseln abrupt und Kapitelweise die Erzählebene, dass es mitunter eine Herausforderung ist (Avant Verlag).
„Hier und Dort“ ist eine Sammlung kleinerer Auftragsarbeiten des französischen Zeichners Baru. Mit seinem dynamischen, zur Karikatur neigenden Strich hat er sich in seinen Geschichten seit den 80er Jahren sehr den unteren Gesellschaftsschichten, jugendlichen Outlaws, Arbeitern etc. gewidmet, ohne moralisch oder sentimental zu verklären. In seinen Auftragsarbeiten geht es quer durch die gesellschaftlichen Schichten, eine Haltung ist aber unabhängig von Sujet, Protagonisten oder Auftraggeber immer abzulesen (Edition 52). Nach Cosey und Trondheim / Keramidas durfte sich Régis Loisel an eine Micky-Maus-Story machen. Loisel, der zuletzt mit seiner großen Serie „Das Nest“ die sozialen Gefüge eines kleinen kanadischen Dorfes in den 1920er Jahren feierte, behält auch für „Café Zombo“ diesen Blick und die Zeit der Weltwirtschaftskrise bei: Mickys Dorf wird von üblen Spekulanten bedroht, die die Arbeiter wie ferngesteuerte Zombies unterjochen. Die edle Aufmachung des Bandes korrespondiert mit den feinen Zeichnungen, die ebenso wie der leicht aggressive und grobe Tonfall an die Frühzeit der populären Disney-Figur erinnert. Auch wenn das Intro und das Finale etwas am langatmigen Slapstick kranken: Die Story kann dem bekannten Disney-Kanon nicht nur auf historischer Ebene soziales Bewusstsein hinzufügen (Ehapa).
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