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Das geheime Leben der Bäume

Das geheime Leben der Bäume
Deutschland 2019, Laufzeit: 101 Min., FSK 0
Regie: Jörg Adolph, Jan Haft
>> www.constantin-film.de/news/das-geheime-leben-der-baeume-ab-23-januar-2020-im-kino

Die Doku zum Sachbuch-Bestseller

Das ist Holzindustrie!
„Das geheime Leben der Bäume“ von Jörg Adolph und Jan Haft

„Das öffentliche Leben des Peter Wohlleben“ – so hätte man diese Doku ebenso  nennen können. Denn neben den Bäumen werden auch der prominente Baumfreund und die medienübergreifende Vermarktung seines Bucherfolgs in den Fokus gerückt. Backstage-Geplänkel mit Markus Lanz und die Bebilderung der internationalen Ausgaben seines Bestsellers rahmen diesen Film. Dazwischen aber bleibt zum Glück auch noch reichlich Raum für den Baum. Und Raum, den braucht so ein Baum, denn „Bäume sind unendlich langsame Wesen“.

Damit sind wir schon bei der Stärke dieser Doku: Sie sensibilisiert! Die Filmemacher Jörg Adolph und Jan Haft begleiten den beliebten Förster zur ältesten Fichte der Welt (9556 Jahre), folgen ihm auf der Waldwanderung, in den Hambacher Forst und zum Vortrag, wo er nicht nur mit seiner Bescheidenheit kokettiert, sondern vor allem anschaulich und unterhaltsam von diesem Superorganismus Wald erzählt. Davon, dass der Baum fünfmal langsamer lebt als wir. Davon, wie die verwurzelte Gemeinschaft kommuniziert. Davon, woran sie krankt.

Gegliedert ist das grob nach Kapiteln des gleichnamigen Sachbuchs. Das Ergebnis fällt dabei leider strukturell recht unruhig aus. Beginnend mit dem marketingtauglichen Opener, wird in der Folge einiges nur sprunghaft angerissen. Dem Film fehlt Richtung, Rhythmus und gelegentlich Vertiefung. Insgesamt ist das hier lehrreich im Ansatz und sympathisch, bleibt aber zu oft oberflächlich. Und wenn die Filmemacher schon der Person Peter Wohlleben und seiner Kritik an den bestehenden Forst-Verhältnissen reichlich Platz einräumen, hätte es sich angeboten, auch die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen und Diskurs zu schaffen.

Andererseits sind die Argumente Wohllebens überzeugend. Und überhaupt wirkt der Mann grundsympathisch. Zum einen, weil er geerdet erscheint. Zum anderen durch seinen Humor, mit dem er sein Wissensvermittlung anreichert. So erfahren wir hier, warum Bäume niemals Donald Trump wählen würden. Und was das Problem ist mit den Förstern: Sie sind überwiegend männlich, und Männer lieben Maschinen. Manche Metapher, die Wohlleben bemüht, hinkt. Insgesamt aber beschreibt er pointiert. Dass er dabei vermenschlicht, ist sogar Thema seiner Fortbildungen: „Ich spreche kein bäumisch“, sagt er, und er will, dass ihn auch Laien verstehen. Das tun wir.

Eine Doku, die uns die Natur näher bringt. Die Hoffnung schürt und Hoffnung trübt zugleich. Denn es gibt tatsächlich eine Sache, sagt Wohlleben, die noch langsamer ist als der Wald: das Establishment. Also: Arsch huh!

(Hartmut Ernst)

Kino.