Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 1 2

12.424 Beiträge zu
3.696 Filmen im Forum

Augenfarben-Tafel - Mit freundlicher Genehmigung der Collection of Museum of Applied Arts and Sciences, Sydney, Australia. Purchased 1985
Foto: Sotha Bourn

Alle verwandt und alle verschieden

10. März 2021

Ein Buch mit harten Fakten zu den Irrtümern des Rassismus

Auf der Abbildung über dem Text ist eine Augenfarben-Tafel zu sehen, wie sie während der dreißiger Jahre von den Nationalsozialisten benutzt wurde. Über der Bestimmung der Augenfarbe und die Vermessung des Schädels wurde eine „Rassezugehörigkeit“ ermittelt. Solche „Gutachten“ entschieden dann über Leben und Tod der Betreffenden. Der italienische Populationsgenetiker Guido Barbujani rekonstruiert in seinem Buch „Die Erfindung der Rassen“ wie Europa seit dem 18. Jahrhundert geradezu wahnhaft von einer Idee der Rasse erfasst wurde, die dazu führte, dass man bis zu 200 Gattungen differenzierte.

Solche pseudowissenschaftlichen Erkenntnisse sickerten tief in das gesellschaftliche Gefüge Europas und Nordamerikas ein. Nachdem es 2006 erstmals gelungen war, ein menschliches Genom zu entschlüsseln, verkündete Bill Clinton noch auf der anschließenden Pressekonferenz, dass es unter Menschen keine Rassen gibt. Aber auch diese hinlänglich bewiesene Tatsache vermochte den Rassediskurs nicht zu stoppen. Gerade deshalb ist es umso nützlicher, mit Barbujanis elegant geschriebenem Sachbuch schlagende Argumente zur Hand zu haben. Der Italiener beschreibt, wie in unseren Tagen wissenschaftliche Erkenntnis über Genetik und Evolution religiös motivierter Kritik ausgesetzt ist. Das Buch lässt uns die Widersprüche der Gegenwart durch den Blick auf die Entwicklung der Rasse-Ideologie verständlich werden. Im Übrigen ist Barbujani der Meinung, dass nicht Biologie sondern Kultur Identität bildet.

Guido Barbujani: Die Erfindung der Rassen. Wissenschaft gegen Rassismus | Übers: Edmund Jacoby | Verlag Jacoby & Stuart | 288 S. | 22 €

Thomas Linden

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Lesen Sie dazu auch:

Schön und schrecklich
Isaac Bashevis Singers Geschichten von der Liebe – Textwelten 03/21

Optimistisch durch die Dystopie
Sibylle Berg und Dietmar Dath: Zahlen sind Waffen – Wortwahl 03/21

„Wenn mir ein Film gefällt, hole ich mir oft den Soundtrack“
Benedict Wells über „Zurück in die Zukunft“ und seinen Roman „Hard Land“ – Interview 03/21

Wie Frauen zu sein haben
Jovana Reisingers zweiter Roman „Spitzenreiterinnen“ – Wortwahl 03/21

Erwachsenwerden zwischen Wien und Milwaukee
Coming-of-Age mit Stefanie Sargnagel und Ayad Akhtar – Wortwahl 03/21

Es ist die Zeit der Bücher
Galerie Thomas Zander im Rausch der Fotobücher – Textwelten 12/20

Momente mit zwei großen Autorinnen
Margaret Atwood und Susan Sontag neu entdecken – Wortwahl 12/20

Literatur.

Hier erscheint die Aufforderung!