Was treibt einen Buchhändler an, nach all den Schlachten, die um Preisbindung, Großbuchhandlungen, E-Books und Amazon geschlagen werden mussten? „Im Grunde ist es die ewige Suche nach dem Buch, das dich bis ins Mark erschüttert“, gesteht Klaus Bittner. Vor über 30 Jahren eröffnete er seine Buchhandlung im Zentrum von Köln. Hier wurden Bücher immer schon anders präsentiert. Ohne dass viel Aufhebens gemacht werden müsste, wird das Buch als Gegenstand der Inspiration gehandelt, als Stoff, der Ideen und Gefühle enthält, die uns die Welt in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Aus dem Schatten der Buch-Giganten am Neumarkt ist man herausgetreten, auch weil die zum Teil in die Knie gehen mussten, Bittner ist immer noch da und Bittner ist Kult, weit über die Grenzen der Domstadt hinaus. Kein Reiseführer, der nicht den Besuch in dieser Buchhandlung empfiehlt, die irgendwann durch den Häuserblock von der Albertus- in die Sankt-Apern-Straße hinein wuchs und seither zwei Eingänge besitzt. Die magischen Momente der Lektüre wurden Realität, „etwa in den ersten Begegnungen mit John Berger, Per Olov Enquist oder António Lobo Antunes, von den historischen Positionen will ich gar nicht reden, wie zum Beispiel William Faulkner, der vielleicht der Meister der Moderne schlechthin war“, meint Klaus Bittner. Und schon ist er bei der Lyrik, auch dort gibt es jene Texte, die einem für einen Moment den Atem nehmen können, „schöner als in den letzten Gedichten von Lars Gustafsson kann man die Welt und das Verstreichen der Zeit nicht beschreiben“, erklärt Bittner, der sich vor Superlativen nicht fürchtet, sondern sie begeistert im Munde führt. Nur sie scheinen dem Sujet angemessen.
Wenn man ihn reden hört, bekommt man sofort Appetit auf ein Buch. Darin liegt vielleicht eines der Erfolgsgeheimnisse dieser Buchhandlung. Hier wird von der Literatur erzählt. Beratung nennt man das, ist es aber nicht, denn im Sprechen über Literatur, wird aus dem Dialog eine Begegnung, die man ebenso unverwechselbar im Gedächtnis behält wie den Text. Ein Rezept, das auch andere Buchhändler – auf ihre Weise – beherrschen, so dass es in Köln in fast allen Stadtteilen noch gewachsene Buchhandlungen mit je eigener Kontur gibt. Was rät Klaus Bittner der Branche, die derzeit beobachtet, wie der Hype um das E-Book an Schwung verliert?
„Der Buchhandel sollte nicht immer gleich den Kopf in den Sand stecken, wie wir es in der Vergangenheit erlebt haben. Jeder muss sich fragen, welches Konzept man verfolgen sollte. Die eigene Handschrift ist wichtig. Vor zehn Jahren redeten nur die Betriebswirte und erklärten uns, was wir alles falsch machten. Danach sahen die Buchhandlungen gleich aus und verschwanden“, erinnert sich Bittner, für den sich die Konsolidierung der Szene auch durch die Loyalität der Kunden erklärt, die sich auf unterschiedliche Weise informieren, ihr Buch dann aber bei ihrem Buchhändler um die Ecke kaufen. Tatsächlich findet man in jeder guten Buchhandlung andere Texte in anderer geistiger Nachbarschaft, an ein Ende kann man dabei zum Glück nie kommen.
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