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Jorge Comensal
Foto: Lola Estudio

Heiter bis tödlich

27. November 2019

Zwei Neuerscheinungen rücken Männer in den Mittelpunkt – Wortwahl 12/19

Was für ein mieses Spiel das Schicksal im Leben spielen kann, zeigen zwei aktuelle Romane. Im Zentrum steht jeweils ein Mann, der sich an einem Wendepunkt in seinem Leben befindet. Die Lage scheint ernst und teilweise auch aussichtslos. Doch anstatt sich in Melancholie zu ergehen, leben beide lesenswerten Bücher von einer Menge Witz und einigen heiteren Momenten während der Lektüre. Insbesondere diejenigen, die ausgeprägten schwarzen Humor schätzen, kommen auf ihre Kosten.

In seinem Debütroman „Verwandlungen“ (Rowohlt), der im Original bereits vor drei Jahren in Mexiko erschienen ist, lenkt der Autor Jorge Comensal den Blick auf den erfolgreichen Anwalt Ramón. Der glückliche Familienvater steht mitten im Leben. Doch ein Schicksalsschlag ändert alles. Krebs in der Zunge zwingt Ramón nicht nur zu verstummen. Auch seine Familie bricht angesichts der Therapie, der sich der Protagonist stellen muss, nach und nach auseinander. Um diese Leidensgeschichte zu erzählen, wechselt Jorge Comensal immer wieder die Perspektive. So lernt der Leser Ramón, aber auch seine Krankheit und ihre Folgen aus verschiedenen Blickwinkeln kennen. Die Tragik der Ereignisse wird allein durch den Auftritt eines sprechenden Papageis gebrochen, der mit anstößigen Schimpftiraden zu Ramóns Sprachrohr gegen das Schicksal wird.

Tragisch, aber nicht weniger komisch, geht es auch in Arthurs Leben zu. Der Protagonist in Hendrik Groens äußerst amüsantem Roman „Lieber Rotwein als tot sein“ (Piper) hat von seinem Leben genug. Seinen Job hat Arthur verloren und auch die Beziehung zu seiner Ehefrau Afra hat schon bessere Tage erlebt. Um seinem Schicksal etwas entgegenzusetzen, entwickelt er zusammen mit Freunden einen Plan. Mit ihrer Hilfe und der nötigen kriminellen Energie will Arthur seinen eigenen Tod samt Beerdigung inszenieren. Sein Ziel ist es, in einem Ferienhaus in der Toskana als Luigi ein neues Leben zu beginnen. Nicht alles läuft dabei rund. In den Niederlanden ist Hendrik Groen bereits Kult. Es wird nicht lange dauern, bis er auch hierzulande für seine Art, Geschichten zu erzählen, gefeiert wird.

Michael Preidel

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