Sie waren sich so sicher. So verdammt selbstsicher, dass ihr Verhältnis nicht rauskommt: Die kecke Lola und der unbekümmerte Turiddu. Als er zum Militär muss, zieht sie die sichere Ehe mit dem Fuhrunternehmer Alfio vor. Turiddu kommt zurück, bandelt leidenschaftlich und leichtsinnig mit der jungen Bäuerin Santuzza an, kann aber nicht von Lola lassen. Begehren, Eifersucht, Demütigung: Die Lage eskaliert am Ostermorgen. Turiddu weist Santuzza rüde zurück, Lolas Ehemann kehrt heim, und aus einem Impuls tiefster Kränkung gibt ihm Santuzza preis, was zur Tragödie führt. Denn der Ehrenkodex der ländlichen Gesellschaft im Süden Italiens ist unerbittlich.
Pietro Mascagni hat mit seinem Einakter „Cavalleria rusticana“ auf Anhieb einen Welterfolg geschaffen, den es bis dahin nie gegeben hat: Nach der Premiere in Rom 1890 ging das Stück, mit dem der 26jährige Komponist einen Wettbewerb gewonnen hatte, innerhalb von zwei Jahren um die ganze Welt. Ein Drama von antiker Größe im ländlichen Milieu, eine zupackende, rüde Töne nicht scheuende Musik mit gleißender Glut: Das Publikum war mitgerissen, ob in Berlin oder Buenos Aires. Die Sensation war allerdings ambivalent: Keine von Mascagnis qualitätvollen und stilistisch neue Wege suchenden späteren Opern erreichte mehr den Erfolg seines Erstlings.
In den letzten Jahren war „Cavalleria rusticana“ – meist kombiniert mit Ruggero Leoncavallos „Pagliacci“ („Der Bajazzo“) – selten zu sehen: Die geradlinige Erzählweise des Dramas bietet kaum eine Folie für Regieexperimente. In dieser Spielzeit gibt es dafür gleich drei Neuinszenierungen, in Hagen (Premiere war am 3. Oktober), in Essen (6. Februar 2027) und jetzt in Dortmund. Regisseur Gil Mehmert, bekannt vor allem für seine erfolgreichen Musical-Inszenierungen, kombiniert den Einakter mit einer kurzen Oper von Giacomo Puccini: „Gianni Schicchi“ ist eine bitterböse Komödie um eine Erbschaft im Florenz der frühen Renaissance. Vito Cristofaro stellt sich mit dem Doppelabend als neuer Erster Kapellmeister der Dortmunder Philharmoniker vor. Für Morgan Moody ist Gianni Schicchi eine Paraderolle, in der er mit Stimme und komischem Talent gleichermaßen spielen kann.
Cavalleria rusticana - Gianni Schicchi | Opernhaus Dortmund | 7.11. (Premiere); 15., 20.11; 5., 18., 23., 27.12.; 7., 15., 30.1.; 12.2. | 0231 50 27 222
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