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Der Fluch der goldenen Blume
China 2006, Laufzeit: 114 Min.
Regie: Zhang Yimou
Darsteller: Gong Li, Chow Yun-Fat, Jay Chou, Liu Ye, Chen Jin, Ni Dahong, Li Man, Qin Junjie

Eine chinesische Königsfamilie lügt und betrügt sich A.D. 928 in den Untergang. Prachtvolles Königsdrama China vor knapp elfhundert Jahren. Ein König (Chow Yun Fat) empfängt seinen zweitältesten Sohn nach dessen dreijähriger Abwesenheit mit einer von weiser Vorahnung umflochtenen Direktive: "Alles auf dieser Erde gehört erst dir, wenn ich es dir schenke. Gebe ich es dir nicht, darfst du es dir nicht mit Gewalt nehmen." Dann geht es aber ab nach Hause, wo da warten: Die Königin (Gong Li, "Hannibal Rising"), Prinz Cheng, Stiefsohn und Kronprinz Xiang und ein gewaltiger Hofstaat mit allem Prunk und hunderten Bediensteten. Draußen herrscht Wohlstand und Frieden. Umso intensiver widmet man sich dramatischen Konflikten im Kleinen innerhalb des Königspalastes. Der Hofarzt, seine Frau und seine Tochter sind dabei nicht ganz unbeteiligt. Nein, es ist nicht alles Gold, was glänzt: Verrat, Intrigen und verbotene Liebeleien haben Einzug gehalten in die Königsfamilie. Keiner, so scheint's, ist dabei ohne Schuld. Und so tun sich nach und nach Abgründe auf, die schließlich den ganzen Hofstaat ins blutige Finale stürzen. Fürwahr nicht königlich. Regisseur Zhang Yimou ("Hero", "House of Flying Daggers") entwirft ein prachtvoll geschmücktes, morbides Königsdrama, das seine Wurzeln in Shakespearschen Strukturen sucht. Bühnengleich trefflich reduziert auf einen Handlungsort, den Königspalast, vermisst man aber zugleich die Dialoge, mit denen Shakespeare seinen Figuren (und dem Betrachter) Leben einhaucht. Das komplexe Geflecht, getunkt in blendend gelbe Chrysanthemen-Wiesen, bleibt damit einfach gestrickt. Dabei sind die Voraussetzungen gegeben: Getüncht in Gold und in eine Farbenpracht, die Bollywood blass aussehen lässt, geht hier eine Familie so kompromisslos mit sich selbst in Gericht wie seit "Der Pate" nicht mehr. In der zweiten Hälfte kommen auch Martial-Arts-Fans auf ihren Geschmack und das ausschweifende Schlachtfest gibt einem schon mal einen Vorgeschmack auf "300", das neue Frank-Miller-Gemetzel. Nur finden sich hier keine Helden und keine Heldentode. An sich eine gute Tragödie.

(Hartmut Ernst)

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