Was braucht es, um ein über Generationen aufrecht erhaltenes System der Unterdrückung zu verlassen? Diese Frage stellt die sudanesisch-russische Regisseurin Suzannah Mirghani in ihrem Langfilmdebüt „Cotton Queen“. Darin ist die 15-jährige Nafisa (Mihad Murtada) im Sudan gefangen zwischen den Erwartungen ihrer Eltern und ihrer Großmutter Al-Sit (Rabha Mohamed Mahmoud): Beide Seiten wollen sie gegen ihren Willen mit älteren Männern verheiraten. Dass Nafisa eigentlich in einen Jungen aus dem Dorf verliebt ist, interessiert niemanden. In farbintensiven Bildern (Kamera: Frida Marzouk) fängt Mirghani Nafisas Leben auf der Baumwollplantage ihrer Großmutter ein. Mirghani interessiert sich für Nafisas Leben nicht nur als Einzelfall – vielmehr nutzt sie ihre Geschichte, um gesellschaftliche Fragen zu verhandeln. So spricht sie in „Cotton Queen“ etwa auch die traditionelle weibliche Genitalverstümmelung an. Mirghani baut ihre Kritik dazu klug in ein Puppenspiel ein, das Nafisa auf dem Marktplatz beobachtet. „Also willst du mich verletzen, damit Männer mich nicht verletzen können?“, klagt eine Enkelin darin ihre Großmutter an. „Cotton Queen“ prangert nicht nur Missstände an. Vielmehr legt Mirghani den Fokus darauf, wie es Nafisa Stück für Stück gelingt, sich von der engen Schlinge der Tradition zu befreien – und den ersten Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft zu gehen. So entsteht eine Geschichte voller Hoffnung im Spannungsfeld zwischen Zartheit und Radikalität.
Außerdem neu in den Kinos und um Wuppertal: das satirische Drama „Die reichste Frau der Welt“ von Thierry Klifa, die böse Luxus-Satire „Rosebush Pruning“ von Karim Aïnouz, das Migrationsdrama „Zwischen uns das Meer“ von Saïd Hamich und, bereits ab Mittwoch, das Michael-Jackson-Biopic „Michael“ von Antoine Fuqua.
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