Es gibt nicht viele Privatsammlungen zum französischen Impressionismus und Postimpressionismus, die solche Hauptwerke zusammentragen konnten. Im Kunstpalast in Düsseldorf sind jetzt rund 180 Werke aus der Scharf Collection zu sehen, die um 1900 von Otto Gerstenberg begonnen wurde und mittlerweile in der vierten Generation fortgesetzt wird. Schwerpunkt ist die Kunst in Frankreich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, die heute Weltruhm besitzt. Sie zeigt das Einsetzen der Avantgarde mit dem Auflösen der Natur mittels Farbsetzungen. In der Ausstellung ist auch der Kubismus ein Thema, und dann geht es mit Werken weiter, die die Abstraktion der Farbe weiter kultiviert haben.
Eine Qualität in der chronologischen Abfolge ist, dass etliche Künstler:innen mit zwei oder mehr Werken vertreten sind und teils eigene Räume erhalten. Überwiegend handelt es sich um Gemälde, dazu kommen Zeichnungen und Druckgraphiken, die die jeweiligen Kontexte vertiefen. Etwas mager ist der Anteil an Skulpturen, aber die haben es in sich, so die karikierenden Porträtbüsten von Daumier und seine Bronzeplastik des Ratapoil. Großartig sind natürlich die lichtverhangenen Monets und Paul Cézanne mit seiner Landschaft; Hokusai und Utagawa hängen mit ihren Holzschnitten gegenüber von Vuillard. Die späteren französischen Tachisten sind mit Malereien aus verschiedenen Lebensphasen vertreten, Estève mit einem späten Farb-Raum-Gebilde und Bazaine mit kippenden Farbflächen aus dem Hauptwerk.
Die Ausstellung endet mit einer Auswahl zur Gegenwartskunst, etwa zwei provozierend realistischen Malereien von Martin Eder, die trefflich zu Jonas Burgerts Gemälde passen. Jüngster Künstler in Düsseldorf ist Anselm Reyle (geb. 1970), der mit seinen Faltungen die heutige ungegenständliche Malerei weiterdenkt, gemeinsam mit Katharina Grosse, die diese Ausstellung beschließt. Hinzuweisen wäre nur noch auf das Wallraf-Richartz-Museum in Köln und dessen Meisterwerke aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Mit den Erkenntnissen aus der Scharf Collection aber werden das visuelle Vergnügen und der geistige Gewinn dort noch gesteigert.
The Scharf Collection. Monet – Cézanne – Matisse | bis 9.8. | Kunstpalast Düsseldorf | 0211 56 64 21 00
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