Die Suche nach Motiven, die Arbeit mit Farben und Leinwand, das Reden über Kunst stehen im Zentrum von Julian Schnabels Porträt des Malers Vincent van Gogh (Willem Dafoe): Man merkt ihm die Affinität des Regisseurs, der selbst Bildender Künstler ist, zum künstlerischen Schaffensprozess immer wieder an. Schnabel und sein kongenialer Hauptdarsteller zeigen den Maler in „Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit“ als „Schmerzensmann“ der modernen Kunst in seiner letzten Lebensphase im südfranzösischen Arles und später in Auvers-sur-Oise, bevor er 1890 arm und missachtet verstarb: Ein fragiles Genie, das mit Phasen tiefer Depression ringt – und trotzdem hartnäckig sein Arbeiten fortsetzt, erfüllt von einem trotz aller Misserfolge unerschütterlichen Glauben, den ureigenen Blick auf die Welt durch seine Kunst mit anderen teilen zu müssen.
Die junge kirgisische Frau „Ayka“ hat gerade ein Kind entbunden. Weil sie es sich nicht leisten kann, bei der Arbeit zu fehlen, schleppt sie sich heimlich aus der Entbindungsstation. Aber ohne Kind, denn das kann sie sich erst Recht nicht leisten. Um in Moskau einen Laden zu eröffnen, hat sie sich Geld geliehen, das sie nun zurückzahlen muss. Die Schuldner sind ihr schon auf den Fersen. Doch ihr Arbeitgeber hat sich aus dem Staub gemacht. Fiebernd und blutend schleppt sie sich nun auf der Arbeitssuche durch ein zugeschneites Moskau. Samal Yeslyamova trägt als Ayka dieses zermürbende Sozialdrama fast im Alleingang und erhielt dafür zu Recht in Cannes den Darstellerpreis. Ein erschütternder Film, der mit seiner unruhigen und aufdringlichen Kamera in seiner Körperlichkeit kaum zu ertragen ist.
Vor Jahren ist der Vater ohne ein Wort gegangen, jetzt ist Sohn David Anfang zwanzig und lebt noch bei seiner Mutter Kristin (Katja Riemann). Seit zwei Jahren aber entzieht sich David jeglicher Kommunikation und verbarrikadiert sich in seinem Zimmer. Zwei Jahre, in denen Mutter und Kind, jeder für sich, verzweifeln. Durch Zufall entdeckt Kristin ein Internetforum, in dem sich David bewegt und loggt sich als cinderella97 ein. David springt an und öffnet sich seiner Mutter unwissentlich im Internet. Nur hat sie nicht an die Konsequenzen gedacht. „Goliath96“ heißt das Langfilm-Debüt von Regisseur Marcus Richardt über eine Mutter-Kind-Entfremdung, das aktuelle Referenz sucht, so manche Frage offen lässt, die Gefühlslage seiner Protagonisten aber überzeugend einfängt.
Außerdem neu in den Kinos in Wuppertal, Solingen und Remscheid: Marco Kreuzpaintners gelungener Gerichtsthriller „Der Fall Collini“, Benedict Durchholz' Doku „Zwei Familien auf Weltreise“, Michael Chaves' Horrortrip „Lloronas Fluch“, Joe Cornishs Jugendabenteuer „Wenn du König wärst“ und den von den Bremer Stadtmusikanten inspirierten Animationsspaß „Die sagenhaften Vier“.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Eine Frau steht ihren Mann
Die Filmstarts der Woche
Kein schöner Zug
Holgers letzte Worte – 05/26
Sanktionen schaffen keine Stellen
Teil 1: Leitartikel – Politik und Wirtschaft lassen Arbeitslose oft im Stich
„Es geht vor allem um Selbstermächtigung“
Regisseur Markus Schleinzer über „Rose“ – Gespräch zum Film 05/26
Die Hose als Freiheit
NRW-Premiere von „Rose“ im Düsseldorfer Cinema – Foyer 04/26
Reise in die 20er
Pianist Olli Mustonen im VdH-Museum und in der Historischen Stadthalle – Musik 04/26
Meeresbewohner zum Anfassen
„Zusammenstecken und Entdecken: Meerestiere“ von Abigail Wheatley – Vorlesung 04/26
Der Plan des Bösen
„Freischütz“ an der Bonner Oper – Oper in NRW 04/26
Kein Märchen von übermorgen
„1984 – Dystopie 2.0“ am Düsseldorfer Central 1 – Prolog 04/26
„Der Mensch ist eher ein Nebendarsteller“
Kuratorin Anna Storm über die Ausstellung „Carl Grossberg“ im Von Der Heydt Museum – Sammlung 04/26
Blutig und beklemmend
Premiere der Oper „The Lodger“ von Phyllis Tate im Opernhaus – Bühne 4/26
So geht Selbstwirksamkeit
Tanz- und Filmprojekt bringt junge Menschen zusammen – Bühne 04/26
Subtil belichtet
Johanna von Monkiewitsch im Essener Kunstverein Ruhr – Kunst 04/26
Wenn Wände Ohren haben
„Engel des Verschwindens“ von Slobodan Šnajder – Literatur 04/26
Der ganze Brahms
Vier Sinfonien an zwei Abenden in Dortmund – Klassik an der Ruhr 04/26
Neuer Bilderbuch-Klassiker
„Mit dem Sturm um die Wette rennen“ von Brian Floca und Sydney Smith – Vorlesung 04/26
Zwei Wahlberliner
Simon Rattle in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 04/26
Spielzimmer für neue Impulse
20-jähriges Jubiläum des Kölner Filmforums – Foyer 04/26
Streifzug durch New York
Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ in Duisburg – Oper in NRW 04/26
Was junge Menschen bewegt
Teil 1: Lokale Initiativen – Filmreihen von Jugendlichen im Medienprojekt Wuppertal
Werke der Meister
Die Scharf Collection im Kunstpalast Düsseldorf – Kunst in NRW 04/26
Intensiver Stoff
9. Internationales Bonner Tanzsolofestival – Tanz in NRW 04/26
Die Reifeprüfung
Erst zornig, dann stur. Das Leben des Homo politicus – Glosse
„Wir empfehlen, das Wahlalter zu senken“
Teil 1: Interview – Demokratieexperte Jonathan Hoffmann über die Wahlbeteiligung von Jugendlichen
Machtinteresse
In Österreich wählen bereits 16-Jährige – Europa-Vorbild: Österreich