Für Johanna von Monkiewitschs Installation im Kunstverein Ruhr muss man die eigene Wahrnehmung feinjustieren. Der Ausstellungsraum hinter der Schaufensterfront wirkt auf den ersten Blick noch unfertig. Von außen besehen lehnen Leuchtstoffröhren und monochrome Bilder ohne erkennbare Motive und Leuchtstoffröhren an den Wänden, auf dem Boden stehen Projektoren mit Kabeln, die sich durch den Raum schlängeln. Der breite Lichtstreifen an der hinteren Wand scheint auch noch nicht perfekt ausgerichtet. Plötzlich und unvermittelt huscht eine Schattengestalt durchs Bild. Das vermeintliche Aufbau-Szenarium ist ein präzise arrangierter Kunstraum. Johanna von Monkiewitsch, geb. 1979, arbeitet mit Licht als künstlerischem Material: mit veränderlichem Tageslicht oder Kunstlicht, mit Videoprojektionen und Schattenmalerei als subtile Irritationen an der Grenze der Sichtbarkeit. Dabei interagiert die Künstlerin mit vorgefundenen Elementen des Präsentationsortes wie dem Schaufenster, den Leuchtröhren unter der Decke, dem Wandputz. Ihre Eingriffe sind dezent, doch ganz schön listig, kleine Täuschungen inbegriffen.
Was man selbst an trüben Tagen zunächst vielleicht als Sonnenfleck an der Wand liest, entpuppt sich als andernorts aufgenommene Videoprojektion, Schatten von zufälligen Passanten. Die beiden Leuchtröhren, die mit dem Deckenlicht korrespondieren, sind nicht verantwortlich für eine amorph geschlängelte Spiegelung an der Wandfläche daneben. Im Raum ist die Lichtquelle zu entlarven. Auch die sechs Bildobjekte benötigen den Nahblick. Sie zeigen Wandausschnitte, Fotovergrößerungen von feinsten Strukturen der geweißten Wände mit übertünchten Dübellöchern, Kerben und Unebenheiten. Schemenhafte Schattenzonen an den Randbereichen irritieren allerdings. Die Künstlerin hat sie durch variierte Kontraste und Tiefenschärfe erzeugt oder mit Pigmenten zart aufgerieben.
In Johanna von Monkiewitschs Arbeiten erlangt das flüchtige Medium Licht eine stoffliche, bildhauerische Qualität und schafft Aha-Erlebnisse. Ihre oft minimalistischen Eingriffe gestalten komplette Ausstellungsräume um in begehbare Kunstwerke für aufmerksame Feingeister mit detektivischem Gespür. Spätestens wenn sie ihre eigenen Beine als Schatten im Lichtstrahl des Beamers entdecken, sind die Betrachtenden im Bilde.
Johanna von Monkiewitsch: 24/7. Rauminstallation | bis 17.5. | Kunstverein Ruhr, Essen | 0201 22 65 38
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Wechselnde Perspektiven
Gerhard Hoehme in der Küppersmühle
Unter Ruhris
Brigitte Kraemer in Essen – Kunst 11/25
„Wuppertal war eine wichtige Etappe für Eberts Aufstieg“
Der Historiker Reiner Rhefus über die Ausstellung „Friedrich Ebert und seine Zeit“ – Interview 08/25
Dem Himmel nah
Raimund Abraham auf der Raketenstation Hombroich – Kunst in NRW 06/25
Modelle für die Zukunft
Walter Pichler und Friedrich Kiesler in Krefeld – Kunst in NRW 02/25
Die Welt als Suppe
„Vida y Muerte“ von Miquel Barceló in Duisburg – kunst & gut 02/25
Freie Form
„Jean Fautrier – Genie und Rebell“ im Emil Schumacher Museum Hagen – kunst & gut 08/24
Farbe an Farbe
Otto Freundlich und Martin Noël in Bergisch Gladbach – Kunst in NRW 06/24
Einfach mal anders
Das stARTfestival der Bayer AG in Leverkusen geht eigene Wege – Festival 04/24
Das eigene Land
„Revisions“ im Rautenstrauch-Joest-Museum Köln – Kunst in NRW 03/24
Unter unseren Füßen
Archäologie der Moderne im Ruhr Museum – kunst & gut 02/24
Ende eines Jahrhunderts
George Minne und Léon Spilliaert in Neuss – Kunst in NRW 01/24
Kunst und Umgebung
„Produktive Räume“ in Haus Lange Haus Esters in Krefeld – Kunst in NRW 08/23
Leben ins Museum
Neue Sammlungspräsentation des MO im Dortmunder U – kunst & gut 06/23
Draußen, immer
Ein Skulpturenprojekt in Monheim – Kunst in NRW 02/23
„Der Mensch ist eher ein Nebendarsteller“
Kuratorin Anna Storm über die Ausstellung „Carl Grossberg“ im Von Der Heydt Museum – Sammlung 04/26
Lebenswerk in Farbe
Rupprecht Geiger in Hagen – Kunst 03/26
„Sie hat sich nie auf eine Form festgelegt“
Geschäftsführer Christian Koch über „Emotion in Motion“ im Skulpturenpark Waldfrieden – Sammlung 03/26
„Die Forscher:innen haben Ideen zu Kunstwerken eingebracht“
Leiterin Katja Pfeiffer über„Effort + Flow“ in der Kunsthalle Barmen – Sammlung 02/26
„Der Bildautor ist mit in die Gemeinschaft gerückt“
Kuratorin Linda Conze über „Community“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast – Sammlung 01/26
„Matratzen, Kinderspielzeug und aufblasbare Formen“
Kuratorin Beate Eickhoff über die Ausstellung von Jaana Caspary im Von der Heydt-Museum – Sammlung 12/25
„Sich endlich auch mal langweilen“
Leiterin Katja Pfeiffer über „Ex Nihilo – Prozesse künstlerischer Arbeit“ in der Kunsthalle Barmen – Sammlung 11/25
„Die Freiheit der Geste“
Direktor Rouven Lotz über „InformElle Künstlerinnen der 1950er/60er-Jahre“ im Hagener Emil Schumacher Museum – Sammlung 10/25
„Absurd und bewusst irritierend“
Kuratorin Inke Arns über „Genossin Sonne“ im Dortmunder HMKV – Sammlung 09/25