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Elisabeth Engels
Internationale Marx-Engels-Stiftung

Lieber Friedrich

28. Juni 2024

engelszungen 07/24

Engelsk. 5 Septbr 1870

Deinen lieben Brief erhielt u. sehe daraus daß Du wieder so viel Arbeit hast, wir hatten gedacht Du würdest jetzt erst hierher kommen u. vieleicht später Dir den Kriegsschauplatz ansehn. Wir leben hier in beständigen Ueberraschungen u. erwarten jeden Augenblick einen Böllerschuß zu hören der wieder anzeigt daß eine Depesche von Wichtigkeit angekommen ist. Vorgestern Morgens 9 Uhr kam die Nachricht, daß Napoleon sich dem König von Preußen übergeben hätte, da hörten die Schüße den ganzen Tag nicht auf, die Mädchen machten einen Riesen-Lorberkranz von wenigstens 2 Fuß Durchmesser, er wurde unter die große Fahne aufgehangen u. der Balkon mit Eichenlaub bekränzt u. gestern haben wir auf des Wohl unserer Krieger einige Flaschen Champagner geleert, Fritz Boelling war grade angekommen um sein Mädchen wieder zu holen. Heute kommt denn die Nachricht daß Napoleon eine Residenz auf Wilhelms Höhe bekommt, viel zu schön für ihn. Mich soll einmal wundern was die Peuiere jetzt machen werden u. wie lange sie noch glauben es sei eine Kleinigkeit die deutschen Truppen zu verjagen. Adolf war in der vorigen Woche auf einige Tage nach dem Kriegsschauplatz d.h. nur bis Strasburg um sich das Bombardement mal anzusehn.

E. Blank jr. u. Rudolf Blank sind auch bei dem Barmer Krankenträgern in Frankreich, die Barmer haben eine vollständige Krankenkompanie oder wie ich es nennen soll, ein Herr Kättcher geht durch die verschiedenen Lazarette in der Nähe des Kriegsschauplatzes, bis vor einigen Tagen war er noch in Courselles wo sie ein Depôt haben mit allen möglichen Gegenständen für die Verwundeten u. Kranken, über 30 junge Leute stehen unter Leitung des Herrn Kättcher um die Verwundeten vom Schlachtfeld zu tragen u. die verschiedenen Bedürfnisse an Ort u. Stelle zu bringen, das Alles wird in Barmen angefertigt u. unter Leitung eines Arztes besorgt u. Kättcher schreibt was sie schicken sollen. Damit Du mal siehst wie es eigentlich ist, schicke ich Dir einige Blättchen aus der Zeitung. Ich glaube alle Frauen u. Mädchen in Deutschland arbeiten nur für die Truppen. Adolf sagte es sei aber auch merkwürdig wie für sie gesorgt würde, auf der ganzen Reise nach Straßburg sei ihnen überall Erquickungen u. Stärkungen angeboten u. die Soldaten wären alle so heiter u. lustig gewesen, daß es ein wahres Vergnügen gewesen wäre. Gott wolle nur geben daß wir bald Frieden bekommen u. das Blutvergießen ein Ende nimmt, für Leute die nahe Anverwändte bei den Truppen haben ist es schrecklich, denn kaum haben sie eine gute Nachricht gehabt, so kommt wieder eine Schlacht u. die Sorge ist wieder da.

[…]

Nun leb wohl, von Allen hier die herzlichsten Grüße u. überlege mal ob Du nicht kommen kannst.

Mit treuer Liebe Deine Mutter
E.

Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 erreicht mit der Gefangennahme des französischen Kaisers Napoleon III. seinen Höhepunkt. Die patriotische Hochstimmung hat auch die Barmer Bevölkerung und die Familie Engels erfasst, wie Engels‘ Mutter Elise nach Manchester berichtet.

Quellenangabe: MEGA – Marx-Engels-Gesamtausgabe digital, Briefwechsel (megadigital.bbaw.de/briefe, [Berlin 2020], Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Internationalen Marx-Engels-Stiftung). Die Abbildung zeigt Elisabeth Engels.

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