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Der Alltagskampf von vier berufstätigen Frauen: „Weibliche Junggesellen“ von 1923
Foto: Svenka Filminstitutet

Überraschend modern

30. Juli 2015

Die Internationalen Stummfilmtage Bonn pflegen das frühe Filmerbe – Festival 08/15

Das ist ein ordentliches Jubiläum für ein Filmfestival: Die Internationalen Stummfilmtage feierten im letzten Jahr ihre 30. Ausgabe. 1985 von Matthias Keuthen und Stefan Drößler, dem heutigen Leiter des Münchner Filmmuseums, zunächst als Bonner Sommerkino gegründet, widmete man sich von Anfang an dem Stummfilm. Doch erst seit 1995 wurden ausschließlich Stummfilme gezeigt. Seitdem firmiert das vom Förderverein Filmkultur Bonn e.V. veranstaltete Bonner Sommerkino auch unter dem Namen Internationale Stummfilmtage. An ein Ende ist trotz oder gerade wegen des häufig mangelnden filmhistorischen Interesses in der Kulturlandschaft gar nicht zu denken. Im Gegenteil, auch mit der 31. Ausgabe der Internationalen Stummfilmtage Bonn bietet man mit Enthusiasmus der Übermacht des Ton- und Farbfilms, dem CGI-Gewitter und dem 3-D-Spektakel mit Klassikern und Wiederentdeckungen aus der Frühphase des Kinos Paroli.

In diesem Jahr steht das Programm unter dem vielversprechenden Titel „Von Akrobaten und Abenteurern, Leidenschaft und Tortenschlacht“. Vom 6. bis zum 16. August zeigen die Stummfilmtage im Arkadenhof der Universität zu Bonn bei freiem Eintritt und live-musikalischer Begleitung rund 25 meist neu restaurierte Filme. Neben Werken aus Deutschland, Amerika, Frankreich, Großbritannien, Japan, Schweden, der Sowjetunion und Tschechien sind auch erstmals Stummfilme aus Griechenland, Taiwan und der Ukraine zu sehen. Das ukrainische Bürgerkriegsdrama „Zwei Tage“ aus dem Jahr 1927 wirkt überraschend aktuell: In dem Film von Heorhii Stabovyi steht eine adelige Familie der herannahenden Roten Armee gegenüber. Der Film führt vor, wie schnell aus Freunden Feinde werden können, wenn sich die politische Lage zuspitzt und man sich plötzlich in unterschiedlichen Lagern gegenübersteht. Die griechische Komödie „Die Abenteuer des Villar“ von Joseph Hepp ist ein Blick auf die glanzvolle Vergangenheit des derzeit krisengeschüttelten Staates. Auch die amerikanischen Komödianten haben bei den Stummfilmtagen immer ihren Platz. Neben Laurel & Hardy ist auch wieder „Stone-Face“ Buster Keaton im Programm vertreten. Keatons „The Playhouse“ überrascht mit einer Eröffnungssequenz, in der er beinahe jede Rolle selber spielt. Der Trickfilmpionier Georges Méliès und seine fantasievollen Animationsfilme werden mit einer Reihe ursprünglich handkolorierter Werke gewürdigt, die Kommentartafeln werden live eingesprochen. Eröffnet wird das Festival mit dem Eifersuchtsdrama „Varieté“ von Ewald André Dupont aus dem Jahr 1925. Oscar-Preisträger Emil Jannings spielt in der Hauptrolle, und die waghalsigen Trapez-Auftritte konkurrieren mit der überraschend wendigen Kamera, die zum Teil mit dem Trapez unter dem Zirkusdach schwingt. Vor allem inhaltlich sehr modern erscheint „Weibliche Junggesellen“ von 1923. Der Film begleitet den Alltagskampf von vier berufstätigen Frauen in Schweden.

Ein didaktisches Angebot liefern die Stummfilmtage auch: Jeweils sonntags wird im LVR-LandesMuseum Bonn ein Rahmenprogramm aus ergänzenden Vorträgen und Filmvorführungen angeboten, das exklusive und praxisnahe Einblicke in Themen der Filmgeschichte und -restaurierung gibt.

31. Internationale Stummfilmtage Bonn | 6.-16.8. | Arkadenhof der Universität zu Bonn | www.internationale-stummfilmtage.de

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