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Ein CIA-Beamter frönt seinem Hobby: Christoph Maria Herbst in „Die Mamba“
Foto: Presse

„Wer seine Macht ausnutzt, hat bei mir verloren“

26. Juni 2014

Christoph Maria Herbst über „Die Mamba“ – Roter Teppich 07/14

Geboren wurde Christoph Maria Herbst 1966 in Wuppertal. In den letzten zehn Jahren hat er in rund zwei Dutzend Kinofilmen mitgewirkt, darunter in den beiden „Wixxer“-Filmen von und mit Oliver Kalkofe, in Doris Dörries „Der Fischer und seine Frau“, in Helmut Dietls „Vom Suchen und Finden der Liebe“ oder Detlev Bucks „Hände weg von Mississippi“. Die meisten Zuschauer dürften ihn aber durch seine Paraderolle als unerträglicher Abteilungsleiter Bernd Stromberg aus der gleichnamigen Fernsehserie kennen, in der er kürzlich auch auf der großen Leinwand zu sehen war. Im Kino darf er jetzt in seinem neuesten Film als CIA-Sonderermittler Carl Bronski in „Die Mamba“ Jagd auf einen gefährlichen Auftragskiller machen.

engels: Die Figur Bronski ist eine typische Christoph-Maria-Herbst-Figur. Wissen Sie, ob Sie beim Schreiben des Drehbuchs hier schon vorgesehen waren oder konnten Sie viele eigene Ideen einbringen?
Christoph Maria Herbst
: Zunächst wüsste ICH gern erstmal, was eine „typische Christoph-Maria-Herbst-Figur“ ist?! Aber wie dem auch sei: Die Figur war ziemlich genau so gescripted, wie ich sie am Ende gespielt habe. Ob ich die erste Wahl war, kann nur unser Regisseur Ali Samadi Ahadi beantworten.

Wie auch Stromberg ist Bronski eine Autoritätsperson, die durch ihre Handlungen immer mehr an Respekt einbüßt. Haben Sie selbst Abneigungen gegen oder Probleme mit Autoritätspersonen?

Nicht wirklich. In hierarchischen Zusammenhängen muss es sie geben. Die Frage ist nur immer, wie man mit Macht und Hochstatus umgeht. Wer das ausnutzt, hat bei mir verloren.

Gibt es für Sie Grenzen, wie weit Sie sich in einer Rolle lächerlich machen oder sind Sie da nicht so zimperlich, solange es der Story und einem guten Lacher dient?
Ich bin einer der Schauspieler, die für einen guten Lacher ihre Schwiegermutter verkaufen würden. Und solange es der Wahrheitsfindung dient, sind mir fast alle Mittel recht.

Michael Niavarani ist in Deutschland nicht so bekannt wie in Österreich. Waren Sie mit seiner Arbeit vor Drehbeginn vertraut?

Ich kannte ihn aus Ali Samadi Ahadis „Salami Aleikum“, und darin hatte er mich damals umgehauen mit seinem Timing und Charme. Dass ich in „Die Mamba“ mitspiele, ist eher Nachwuchsförderung. Dass Niavarani hier keine Sau kennt, darf nicht so bleiben.

Wie war die Zusammenarbeit mit Niavarani? Ist es nicht problematisch, wenn zwei Erzkomödianten aufeinander treffen?

Ja, für den Regisseur zuweilen. Der hat dann einfach die Ohren zugemacht und die Kamera laufen lassen. Schade eigentlich, ich hätte mir mehr Szenen mit Nia (Michael Niavarani; die Red.) gewünscht. Eigentlich lauf ich ja nur hinter ihm her.

„Die Mamba" macht sich über Agentenfilme à la James Bond lustig. Sind Sie ein Fan der Bond-Filme? Wäre es ein Traum für Sie, mal in einem mitzuspielen (wie zuletzt beispielsweise Ludger Pistor)?

Ja, ich bin vor allem Sean-Connery-Fan. Pierce Brosnan und Timothy Dalton gingen für mich gar nicht. Daniel Craig spielt in den besten Bond-Filmen, ist aber für mich kein guter Bond. Eine Tagesrolle, nein, ist nicht wirklich ein Traum von mir.

Begibt man sich nicht auf dünnes Eis, wenn man sich über Terroristen und Selbstmordattentäter lustig macht? Wieweit darf Komödie Ihrer Meinung nach gehen?
Dass wir Deutsche es irgendwann geschafft haben, uns mit den Mitteln der Komödie einem Hitler zu nähern, spricht für, nicht gegen uns. Und was einer historischen Figur recht ist, kann fiktiven nur billig sein.

Sowohl Michael Niavarani als auch Regisseur Ali Samadi Ahadi haben arabische Wurzeln. Hat die Terroristenparodie dadurch für Sie eine andere Note bekommen?

Latent ja. Fühlte sich alles einen Tick brenzliger, um nicht zu sagen authentischer an. (lacht)

Es war sicherlich ungewöhnlich für Sie, Teile des Films in Marokko zu filmen. Wie haben Sie die Dreharbeiten dort erlebt?

Das war Kamikaze pur. In den Souks haben wir teilweise ohne Drehgenehmigung gearbeitet, einfach drauf gehalten, das war spaßig. Und dort ist eh alles voller Verrückter und Abenteurer, so dass WIR da gar nicht auffielen.

Mit dem Erfolg des „Stromberg"-Films können Sie sehr zufrieden sein. Ist das Crowdfunding-Modell für Sie ein Zeichen, dass bei der Produktion von Filmen mehr auf den Geschmack des Publikums geachtet werden sollte?

Jein. Es sollte nicht immer die Mehrheit das Sagen haben. Viele nischige Filme, die ich sehr mag, gäbe es dann nicht. Menschen aber an Lieblingsprojekten zu beteiligen, wo sie dann sogar mit Rendite rausgehen, darf gern Schule machen. Zusätzlich. Außerdem ist das besser, als die Kohle auf der Bank verschimmeln zu lassen.

Gibt es schon Neuigkeiten bezüglich des seit Langem geplanten "Triple WixXx"-Films von Oliver Kalkofe?

Leider ja. Das Projekt liegt zurzeit auf Eis. Ich hoffe, es wird schon bald aufgetaut.

Frank Brenner

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