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Sehr geehrter Genosse Engels!

29. Oktober 2015

engelszungen 11/15

Wien, 18./3. 1893.

Die Herausgeber des hiesigen tschechischen Parteiblattes „Dĕlnické Lísty“ beabsichtigt das „Kommunistische Manifest“ in tschechischer Sprache herauszugeben. Um sich zu vergewissern, ob das Werk in Broschürenform nicht konfisziert wird, lassen sie es vorerst in Fortsetzungen im obengenannten Blatte erscheinen. Die große Hälfte hat bis jetzt unbeanständet die Zensur passiert und ist die Hoffnung vorhanden, daß das ganze Werk vor den Augen der Pressebehörde Gnade findet.

Die tschechischen Genossen wenden sich nun an Sie, geehrter Genosse, mit der Anfrage, ob Sie gegen diese neue Übersetzung des „Manifestes“ nichts einzuwenden haben, ob Sie die Übersetzung und Herausgabe in Broschürenform überhaupt gestatten. Wir wissen freilich nicht, ob diese Erlaubnis allein von Ihnen abhängt und ob sie nicht mit materiellen Kosten verbunden ist, die wir nur schwer tragen könnten. Wir wenden uns vertrauensvoll an Sie und bitten um gefälligen Bescheid. Genosse Adler machte uns darauf aufmerksam, daß Sie werter Genosse auch die tschechische Sprache beherrschen und daß es Ihnen wahrscheinlich nicht unlieb wäre, die tschechische Übersetzung zur Durchsicht zu bekommen. Zu diesem Zwecke senden Ihnen gleichzeitig mit diesem Briefe alle jene Nummern der „Dĕlnické Lísty“, welche den bis jetzt erschienenen Teil des „Manifestes“ enthalten. Es wäre uns sehr lieb, Ihre Ansicht über die Qualität der Übersetzung zu hören. Selbstverständlich würden wir zur Broschürenausgabe auch die ausgezeichneten Vorreden übersetzen, sowie wir überhaupt bestrebt sind, das Werk genau nach dem deutschen Original zu übersetzen. Übersetzer des Werkes ist der Schreiber dieser Zeilen selbst, derzeit Administrationsbeamter und Mitarbeiter der „Arbeiter-Zeitung“ […]

Sollen wir Ihnen die weiteren Fortsetzungen der Übersetzung zusenden? Für Ihre Mühewaltung im vorhinein den besten Dank sagend, grüße ich Sie im Auftrag der Wiener tschechischen Genossen aufs herzlichste und verbleibe Ihr

A. Radimsky

Antwort erbeten unter der Adresse der „Arbeiter-Zeitung“

Engels sprach mehrere Sprachen fließend. Das Tschechische allerdings nur mit „Ach und Krach und mit Hilfe des Wörterbuches“, wie er in seiner Antwort an August Radimsky zugab. Die Genehmigung für die Übersetzung erteilte er „selbstverständlich“.

Quellenangabe: Victor Adlers Aufsätze, Reden und Briefe, 1. Heft: Victor Adler und Friedrich Engels, hg. vom Parteivorstand der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs, Wien 1922, S. 66-68.

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