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Heimspiel für den Pianisten: Boris Bloch
Foto: Alexander Basta

Silvesterkonzert reloaded

29. November 2018

Essen erinnert an eine Tradition – Klassik an der Ruhr 12/18

Vor knapp drei Jahrzehnten entzündete sich, damals noch im Essener Saalbau, die Idee zum „Silvesterkonzert mit Boris Bloch“. Der festliche Jahresausklang mit einem Klavierrezital entwickelte über die Jahre Kultstatus, und auch die Essener Philharmonie griff diesen Brauch gern auf. Vor zehn Jahren endete diese Erfolgsgeschichte, jetzt wird neu durchgestartet: Mit der Neuen Philharmonie Westfalen und ihrem Dirigenten Rasmus Baumann tritt der Pianist nun als Solist mit Orchester auf.

Als Student mit Anfang zwanzig hatte Boris Bloch seine ukrainische Heimat und seinen Studienort Moskau verlassen und reiste zunächst nach New York. 1985 erhielt er den Ruf nach Deutschland – und zwar nach Essen. Hier wartete am Standort Duisburg der Folkwang Hochschule eine Professur im Hauptfach Klavier. Für diese langjährige wie erfolgreiche Arbeit wurde ihm ein Preis verliehen. Der von Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki als „stürmischen Poeten“ bezeichnete Musiker pflegte stets international kulturelle Verbindungen zum geistigen Hochadel Europas. Ranickis Ehefrau Teofila widmete er ein Album mit Chopin. Als Künstler kümmerte er sich speziell um Scarlatti, Beethoven steht bei ihm hoch in Kurs, aber auch mit Spezialitäten wie dem Klavierkonzert von Busoni (mit dem Kollegen Eschenbach als Dirigent) kennt er sich aus. Zudem gilt er als großer Interpret der Werke von Franz Liszt.

Interessant klingt die Wirkungsgeschichte des Ruhr-Professors für die Region: Neben einer Konzertreihe in der Philharmonie Essen und zahlreichen Veranstaltungen im universitären Bereich (u.a. mit der Wagner-Enkelin Nike) betreute er immer wieder lokale Aufgaben. So leitete er künstlerisch den 2004 gegründeten und im Ruhrgebiet angesiedelten „Carl Bechstein Klavierwettbewerb“ und war in die Planung der beiden „Concours Clara Schumann“ in den Neunzigerjahren in Düsseldorf eingebunden. Auch als Dirigent wurde er im Ruhrgebiet tätig. Zuletzt dirigierte er in Essen in der eigenen Reihe „Winterabende an der Ruhr“, eine Kammeroper von Rimski-Korsakov.

Zu Silvester schickt er mit Tschaikowskys 1. Klavierkonzert einen Gruß in sein Geburtsland. Beethovens Konzert Nr. 5 steht dagegen für seine neue Wirkungswelt, bestimmt auch ein wichtiges Stück Heimat. Zum Naschen servieren die Westfalen Auszüge aus dem „Nussknacker“: sehr festlich, sehr bekömmlich. 

Silvesterkonzert mit Boris Bloch | 31.12. 18 Uhr | 0201 81 222 00

Olaf Weiden

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