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Black Box BRD
Deutschland 2001, Laufzeit: 102 Min.
Regie: Andres Veiel

Das derzeitige Interesse an ´68 und die Folgen reicht von hysterischer Abwehr bis zu naiver Affirmation. Der Dokumentarfilm Black Box BRD von Andres Veiel (’Die Überlebenden') positioniert sich in der Mitte dieser Pole, will es damit aber keinesfalls allen recht machen. Im Gegenteil: den meisten dürfte es eher unangenehm sein, wenn die Feindbilder - hier wie dort - nicht mehr klar umrissen sind. Veiel nähert sich in seinem Film zwei ’deutschen' Biographien, die unterschiedlicher nicht sein könnten, mit Interviews, ’Ortserkundungen' und privatem Film- und Fotomaterial: Dialogisch wird der Lebensweg von Alfred Herrhausen, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, der 1989 bei einem Anschlag der RAF ums Leben kam, gegen die Entwicklung von Wolfgang Grams, jenem RAF-Mitglied der ’dritten Generation', das 1993 bei dem Versuch der Festnahme in Bad Kleinen durch einen aufgesetzten Kopfschuss ums Leben kam, gestellt. Nach einer deutlicheren Verbindung dieser beiden Menschen wird in dem Film nicht gesucht - überhaupt ist Enthüllungsjournalismus nicht Veiels Sache. Spekulationen über Grams' Beteiligung am Herrhausen Attentat finden nicht statt - die schwarzen Löcher der Geschichte werden nicht mit harten Fakten gestopft. Stattdessen kommt im Verlauf des Films zunehmend eine emotionale Ebene ins Spiel. Das geschieht offensichtlich auch in der öffentlichen Diskussion, allerdings mit ganz anderem Ergebnis: während dort Trotz und Rechthaberei regieren, scheinen im Film die hinter den Daten der Ereignisse stehenden Menschen auf. Das erklärt ihre Entwicklung, ohne dass die zweifelhaften Momente ihres Handelns unterschlagen werden. In Interviews mit Verwandten, Freunden und Bekannten tastet sich Veiel an eine Kartografie der Seelen zweier Menschen heran, die beide durch ihr konsequentes Handeln zunehmend in Isolation geraten. Dabei zeigt der Diplom-Psychologe außerordentliches Gespür für seine Gesprächspartner (sogar den medienverachtenden Helmut Kohl bringt er zum reden!). Ebenso einfühlsam wie in den Interviews agiert Veiel als Regisseur in der Auswahl der Bilder: nicht nur im Gespräch entlockt er den Interviewpartnern interessante Aspekte einer emotional offensichtlich noch längst nicht verarbeiteten deutschen Geschichte, auch die Kamera ’erzählt' beim Abtasten der Personen und ihrer Umgebung Geschichten. Oft werden dadurch Äußerungen treffend unterstrichen, mitunter aber auch unterwandert. Das führt zu einer Spannung, die unkommentiert und unaufgelöst in das Denken des Zuschauers einfließt.

(Christian Meyer)

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