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Das Leben ist zu lang
D 2010, Laufzeit: 90 Min., FSK 12
Regie: Dani Levy
Darsteller: Markus Hering, Meret Becker, Veronica Ferres, Yvonne Catterfeld, Gottfried John

Alfi Seliger ist ein erfolgloser Regisseur. Auch sein neues Projekt über die Mohammed-Karikaturen trifft auf wenig Gegenliebe. Als ihn auch noch seine Frau verlassen will, findet er, dass sein Leben zu lang ist.

Filme über das Filmemachen – da fallen einem gleich mehrere Klassiker ein. Filme über Filmemacher in Krisenzeiten gibt es auch reichlich, und den Film im Film muss man auch nicht lange in der Filmgeschichte suchen: Wenn alles zusammenkommt, dann landet man direkt bei Federico Fellinis „8 ½“ oder Woody Allens „Stardust Memories“. Oder bei Dany Levys neuer Komödie „Das Leben ist zu lang“.

Vor vielen Jahren hatte Alfi Seliger einmal einen kleinen Hit mit einer Komödie. Seitdem zehrt er von diesem Ruhm, der immer mehr verblasst. Auf Szeneparties muss er sein neues Drehbuch inzwischen anbieten wie sauer Bier. Zumal das Thema reichlich brisant ist: Eine Komödie über den Karikaturenstreit. „Mohahamed“ schlägt ihm Bully kalauernd als Titel vor, hat aber wenig Interesse, die Hauptrolle zu spielen. Als sich dann doch ein Produzent anbietet, er zwischendurch auch noch einen Auftrag für eine TV-Serie erhält, scheint sich das Blatt zu wenden. Doch wieder einmal zerrinnt Seliger das Glück zwischen den Fingern. Sein Drehbuch soll bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet werden, der TV-Produzent schmeißt ihn wieder raus, seine Frau will ihn verlassen, und sogar sein Therapeut verspottet ihn und rät ihm, sich doch lieber umzubringen. Endlich weiß Seliger, was zu tun ist. Doch auch sein Selbstmordversuch gerät ihm wie ein schlechter Witz. Als er im Krankenhaus erwacht, weiß er endlich, wer schuld an seiner Misere ist.

Auf diese letzte Metaebene klettert der Film erst recht spät. Dann kippt das Szenario komplett ins Surreale. Doch von Anfang an spiegelt Dany Levys („Mein Führer“) neuer Film die Filmwelt in all ihren Facetten. Von der Schreibblockade zur Verkümmerung der Kreativität unter engen ökonomischen Bedingungen. Von der Egozentrik und der Eitelkeit der Filmschaffenden bis zur deren Nabelschau. Vom Glanz des Erfolgs bis zur unbarmherzigen Hackordnung des Systems. Wie bei Allen (allein der Name des Protagonisten erinnert an Allens Klassiker „Zelig“) und Fellini steht bei Levy nicht nur der kreative Protagonist im Mittelpunkt des Films, sondern sein gesamtes Umfeld. Levys Panoptikum der Filmwelt reicht – das ist keine Schande – an die genannten Vorbilder nicht heran. Mitunter wirkt der Film etwas abgebremst, manchmal stimmen das Timing oder die Dynamik nicht, und die traumartigen Schlussbilder können natürlich nicht mit den fantastischen Bildern Fellinis konkurrieren. Doch Levy weiß mit Witz und vielen guten Ideen zu überzeugen. Wenn Seliger aus Versehen in ein Kino stolpert und dort genau die Szene auf der Leinwand sieht – wie er in ein Kino stolpert – dann ist dies eine so verwirrende wie tolle Vorahnung auf den kommenden Irrsinn. Dass Levy um seinen Hauptdarsteller Markus Hering bis in die kleinste Nebenrolle (Michael „Bully“ Herbig) eine enorme Schar unterschiedlichster Filmgrößen versammeln konnte – Meret Becker, Veronica Ferres, Yvonne Catterfeld, Heino Ferch, Udo Kier, Elke Sommer etc. – ist nicht nur eine weitere Parallele zu Woody Allen, es macht diesen Film auch zu einem fröhlich-selbstironischen Who-is-Who des deutschen Filmbetriebs.

(Christian Meyer)

Kino.

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